Neue Buchungswelt

NDC erobert den Reisebüro-Flugvertrieb

Das Datenformat NDC soll den Verkauf detaillierter Airline-Produkte ermöglichen.
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Das Datenformat NDC soll den Verkauf detaillierter Airline-Produkte ermöglichen.

Der breite Einsatz von NDC-Offerten im Reisebüro-Flugvertrieb rückt näher. Die GDS-Betreiber Amadeus und Travelport wollen bald starten – vor dem Rivalen Sabre.

Viel wurde in den vergangenen Jahren über die Zukunft des Flugvertriebs gesprochen. Im Zentrum stand dabei der neue Standard New Distribution Capability (NDC) des Airline-Verbands Iata. Mit dessen Hilfe wollen die Fluggesellschaften wieder mehr Kontrolle über den Vertrieb ihrer Produkte erlangen. Mit NDC können sie einfacher als bisher individuelle, an Kundenbedürfnisse angepasste Angebotspakete erstellen. Den Passagieren lassen sich so automatisiert nicht nur der Flug, sondern zusätzlich weitere Optionen anbieten, beispielsweise der Lounge-Zugang oder die freie Sitzplatzwahl. Solche individuell bepreisten und vorausbuchbaren Pakete sind bislang nur auf den Direktvertriebsseiten der Airlines und in den IT-Lösungen von Aggregatoren wie Aerticket oder Interes zu finden.

Doch nun wollen die GDS-Betreiber aufholen und NDC-Offerten über die klassischen Reisebüro-Systeme vertreiben. Travelport will im zweiten Quartal starten, Amadeus als führendes GDS im deutschen Markt spätestens im Sommer. Dann sollen alle Anwender der Amadeus Selling Platform Connect in dieser erste NDC-Angebote finden. Entsprechende Verträge hat Amadeus bislang mit American Airlines und Qantas abgeschlossen. Deren NDC-Content wird in der grafischen Flugsuche neben klassischen GDS-Inhalten sichtbar sein und von diesen mit einem Signet unterschieden. In einer Detailansicht wird Expedienten zudem angezeigt, ob es sich um einen allgemein zugänglichen oder einen Firmenkundentarif handelt.

Über ein Ausklappmenü kann der Reisebüro-Mitarbeiter die jeweils eingeschlossenen Leistungen aufrufen. Darunter werden Upgrade-Optionen angezeigt. Ebenso sichtbar ist, wie lange der angezeigte Tarif gültig ist. Das ist wichtig, denn Airlines streben dynamisches Pricing an. Deshalb können sich die Raten wesentlich schneller als bisher ändern.

Midoffice-Systeme sollen angebunden werden

Ebenfalls vorgesehen ist, über einen Kunden vorhandene Informationen mit Midoffice-Systemen abzugleichen. Ebenso sollen Ticket- und künftig die One-Order-Nummern an nachgelagerte Systeme übergeben werden. Bei Firmenkunden-Tarifen gilt das auch für Kostenstellen- und Projektnummern. Ist das Ticket erstellt, lassen sich Sitzplatz-Reservierung und weitere Flugextras ergänzen. Die Buchung soll danach automatisiert synchronisiert werden. Auch für Online-Reisebüros gibt es dafür laut Amadeus-Schnittstellen.

Auch Travelport und Sabre arbeiten mit Hochdruck an der Integration. Wie bei Amadeus sollen die Reisebüros gleichzeitig auf NDC- und Nicht-NDC-Inhalte im gewohnten Workflow zugreifen können. United Airlines und Qantas bestätigen, NDC-Content über Travelports Oberfläche Smartpoint zur Verfügung zu stellen. Bei Sabres "Beyond NDC"-Programm sind die Pilotpartner American, Delta Air Lines, Finnair, SIA und United Airlines. Sabre will in der zweiten Hälfte 2019 mit dem NDC-Vertrieb über das Tool Sabre Red 360 starten, zuvor werden NDC-APIs veröffentlicht.

Noch bedeckt halten sich alle GDS-Betreiber zu den Geschäftsmodellen. Es ist jedoch offensichtlich, dass Airlines wie Lufthansa in Europa für den NDC-Vertrieb keine Incentives zahlen wollen. Diese zu vermeiden war eine Hauptmotivation zur Entwicklung von NDC. Reisebüros werden ihre Margen im NDC-Vertrieb also künftig eher über Service-Gebühren erzielen müssen.

Wie NDC-Lösungen im Reisevertrieb eingesetzt werden, ist Thema eines NDC-Schwerpunkts auf dem fvw Travel Technology Day am 7. Mai 2019 in Köln. Weitere Themen der Veranstaltung: die Herausforderungen der Blockchain, die Chancen der neuen String-Schnittstelle, die das in die Jahre gekommene Stadis-Toma-Format ablösen soll, sowie das Potenzial neuer Produktionssysteme speziell für mittelständische Veranstalter und selbstveranstaltende Reisebüros. Hier geht's zur Anmeldung.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Jörg Hauschild
    Erstellt 22. März 2019 08:05 | Permanent-Link

    schön, das hier im Text an den kompletten Prozess gedacht wird, in dem Midoffice (und Backoffice) Systeme auch erwähnt werden. Der Prozess hört ja nicht bei der Buchung auf. Wir sind vorbereitet !

  2. Mona Kronenburg
    Erstellt 22. März 2019 08:46 | Permanent-Link

    wir als Backoffice Anbieter stehen auch Gewehr bei Fuss!

  3. Kerstin Kories
    Erstellt 28. März 2019 09:58 | Permanent-Link

    Spannend, Sabre in Ihrem Beitrag einen "Rivalen" zu nennen, lieber Herr Eversmeier. Wir verstehen uns schlicht und ergreifend als weiterer Marktteilnehmer.
    Weitere Informationen zum Sabre Beyond NDC Program - inkl. Nennung aller begleitenden NDC Partner - gibt es hier: https://www.sabre.com/page/ndc/

    Bei Fragen stehe ich gern zur Verfügung. kerstin. kories@sabre.com

  4. Kerstin Kories
    Erstellt 28. März 2019 09:58 | Permanent-Link

    Spannend, Sabre in Ihrem Beitrag einen "Rivalen" zu nennen, lieber Herr Eversmeier. Wir verstehen uns schlicht und ergreifend als weiterer Marktteilnehmer.
    Weitere Informationen zum Sabre Beyond NDC Program - inkl. Nennung aller begleitenden NDC Partner - gibt es hier: https://www.sabre.com/page/ndc/

    Bei Fragen stehe ich gern zur Verfügung. kerstin. kories@sabre.com

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