Mitflug-Start-up

Wie Wingly Privatpiloten und Passagiere zusammenbringt

Die Wingly-Gründer: (von links) CTO Lars Klein, COO Bertrand Joab-Cornu und CEO Emeric de Waziers.
Wingly
Die Wingly-Gründer: (von links) CTO Lars Klein, COO Bertrand Joab-Cornu und CEO Emeric de Waziers.

Die Mitflugzentrale Wingly bietet ein Sharing-Erlebnis der besonderen Art. Das deutsch-französische Start-up macht private Rund-, Tages- und Streckenflüge mit Hobbypiloten für Flugfans buchbar.

Zehn Millionen Sitze in Kleinflugzeugen bleiben europaweit jedes Jahr leer, obwohl die private Fliegerei für die Piloten ein teures Hobby ist. Was, wenn sich das Erlebnis und die Kosten mit anderen Flugfans teilen ließen? Das fragte sich IT-ler Lars Klein, als er von Koblenz nach Berlin zog und dort mühsam per Telefon nach einem günstigen Rundflug suchte. Über die Start-up-Börse Angellist lernte er 2014 seine französischen Mitgründer Emeric de Waziers und Bertrand Joab-Cornu kennen. Alle drei teilten die Begeisterung für das Fliegen und starteten 2015 die Mitflugzentrale Wingly in Paris.

Dort gab es damals hitzige Proteste gegen den Fahrvermittler Uber und prompt auch gegen Wingly, das von einer Berufspiloten-Gewerkschaft als "Uber der Luftfahrt" attackiert wurde. "Das waren wir nie", betont Technikchef Klein. "Uber-Fahrer können damit ihren Lebensunterhalt bestreiten", erläutert der 25-Jährige. Freizeitpiloten dürften laut EU-Recht dagegen keinen Profit aus Fluggästen schlagen, sondern lediglich direkte Kosten wie Flugzeugmiete und Landegebühren umlegen.

Wingly funktioniert deshalb wie eine Mitfahrzentrale: Der Hobbypilot macht ein Mitnahmeangebot, die Kosten werden geteilt durch alle Mitflieger inklusive Pilot. Ein Rundflug kostet im Schnitt ab 50 Euro pro Person. Bei Ausflügen hängt der Preis von der Distanz ab: Ein Tagestrip von Berlin nach Rügen und zurück kostet 140 Euro, von München nach Bozen 179 Euro.
Private Flüge buchbar machen
Wingly ist bislang in Deutschland, Frankreich und Großbritannien aktiv. Eine Series-A-Finanzierungsrunde über mehrere Millionen Euro wollen die Gründer möglichst noch 2019 abschließen. Mit dem zusätzlichen Kapital wollen sie in weitere europäische Märkte expandieren. Derzeit beschäftigt die Mitflugzentrale mehr als 20 Mitarbeiter – alle am Firmensitz in Paris. 2016 hatte das Start-up erstmals Geld von Business Angels erhalten. Ende 2017 folgte eine Runde über zwei Millionen Euro. Investiert haben unter anderen der Venture-Fonds Howzat Partners sowie der ehemalige FDP-Chef und Vizekanzler Philipp Rösler, der selbst Pilot ist.

Für die Vermittlung erhebt Wingly Gebühren – eine variable Fee in Höhe von 15 Prozent sowie fix zehn Euro pro Sitzplatz plus Mehrwertsteuer inklusive Versicherung. Zusammen entspricht das rund 20 Prozent der Buchungssumme, was laut Klein unter den 30 bis 35 Prozent liegt, die im Sharing-Bereich üblich seien.

Geflogen wird mit Propeller- sowie Einturbinenmaschinen mit zwei bis sechs Sitzen oder mit Hubschraubern, weil das EU-Recht Flüge auf Kostenteilungsbasis nur dafür erlaubt. Piloten müssen ihre Lizenz und ihr ärztliches Flugtauglichkeitszeugnis hochladen. 16.800 Piloten und 285.000 Mitglieder sind bei Wingly registriert. 25.000 Gäste wurden bisher vermittelt.
Jede Menge Kapital im Spiel
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Anders als im Hans-Albers-Schlager "Flieger, grüß mir die Sonne" wird nur bei schönem Wetter gestartet. Für Geschäftsreisende ist das Angebot somit kaum geeignet und stattdessen klar freizeitorientiert: Mehr als 50 Prozent sind Rundflüge, weitere 40 bis 45 Prozent Tagesausflüge, der Rest Streckenflüge. Insgesamt werden 10.500 Flüge offeriert, womit Wingly Rivalen wie Coavmi.com klar abgehängt hat. Zwei Ziele nennt CTO Klein für die nähere Zukunft: mit Wingly wachsen und selbst den Pilotenschein machen, den seine beiden Mitgründer schon lange besitzen.
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