Messe-Absage (Blog)

Jetzt kommt die virtuelle ITB der fvw

Klaus Hildebrandt ist Chefredakteur der fvw – und wäre nächste Woche zum 27. mal auf der ITB gewesen.
fvw
Klaus Hildebrandt ist Chefredakteur der fvw – und wäre nächste Woche zum 27. mal auf der ITB gewesen.

Die Absage der ITB war zuletzt unvermeidlich, die lange Hängepartie schädlich. Nur: Gerade jetzt gibt es in der Branche so viel Kommunikationsbedarf wie nie zuvor. Chefredakteur Klaus Hildebrandt über die Touristik ohne ITB und die Pläne der fvw.

Den ganzen Tag über wartete die Reisebranche auf diese Entscheidung: Nun ist die ITB endgültig abgesagt. Vor allem die vielen Besucher aus dem Ausland, die sich am Wochenende auf dem Weg machen wollten, hofften händeringend auf eine klare Ansage.

Zuletzt blieb der Messe Berlin kaum noch eine andere Entscheidung. Eine ITB mit deutlich niedrigeren Besucherzahlen, ausgedünnten Standbesetzungen, abgesagten Abendveranstaltungen, Teilnehmern mit Mundschutz, vielen Medienberichten über mögliche Ansteckungsgefahren und dem alles beherrschenden Thema Coronavirus wäre für die Reisebranche ohnehin nicht gerade eine Werbung gewesen. Wenn wichtige Geschäftspartner aus dem In- und Ausland gar nicht erst anreisen, wäre zudem der Nutzwert für die Fachbesucher deutlich niedriger gewesen.

Viele Unternehmen haben seit Wochen und Monaten auf die ITB hingearbeitet. Und so nachvollziehbar die Absage ist, so sehr schmerzt auch jeden Touristiker, dass die Messe nicht stattfindet. Für mich wäre es die 27. ITB gewesen, und ich freue mich jedes Jahr aufs Neue auf die vielen Gespräche und das Treffen interessanter Menschen aus aller Welt.

Bei der fvw arbeitet das Team ebenfalls seit Wochen auf die ITB hin. Am Freitag ist unsere neue Ausgabe pünktlich zur Messe erschienen. Im Leitkommentar, den ich Anfang der Woche verfasst habe, plädiere ich noch dafür, die ITB durchzuführen: Es sei ein verheerendes Signal, wenn Touristiker selbst nicht mehr reisen. Allerdings hat sich das Umfeld und auch die Stimmungslage in der Branche innerhalb von 48 Stunden gedreht, nachdem sich das Coronavirus in Europa und auch in Deutschland ausbreitet.

Am Mittwoch gingen in der Redaktion die ersten Terminabsagen von ausländischen Gesprächspartnern ein, am Donnerstag und am Freitag häuften sich die Meldungen von Unternehmen, die der Messe fernbleiben.

Auf der anderen Seite hat die Reisebranche in dieser Zeit einen Kommunikationsbedarf wie nie zuvor: Wie gehen Destinationen und Unternehmen mit der Epidemie um, welche neuen Tourismusprojekte kommen oder werden aufgeschoben, wie können Veranstalter, Fremdenverkehrsämter und Vertrieb gemeinsam die Sommersaison retten?

Ob man die ITB nicht einfach virtuell abhalten könne, kommentierte ein Leser auf fvw.de. Wir greifen diesen Gedanken auf: Wir werden das fvw Daily, das seit 20 Jahren als offizielle Zeitung der Messe an den Eingängen und in vielen Hotels verteilt wird, von Mittwoch bis Freitag nächster Woche als E-Paper an unsere Abonnenten versenden. Die Aussteller haben schließlich ihre News, die sie in Berlin verkünden wollten, vorbereitet und Interviews lassen sich auch telefonisch und per Mail statt am Stand führen.

Wir halten Sie also nächste Woche mit unseren von den Fachbesuchern stets hoch geschätzten fvw Dailys über die Neuigkeiten in der internationalen Touristik auf dem Laufenden – fast so, als gäbe es die reale ITB. Nur den kühlen Drink auf der Abendveranstaltung müssen Sie sich leider selbst besorgen.

P.S.: Ich höre von einigen Touristikern, dass Sie doch nach Berlin fahren. Zum Beispiel weil sie Flüge und Hotels zu nicht-erstattbaren Tarifen gebucht hatten und firmeninterne Meetings abhalten wollen oder weil Gesprächspartner aus dem Ausland schon in Berlin sind und man sich dann eben in einem Hotel trifft. Eine Bitte von mir: Senden Sie mir doch ein Handyfoto mit ein paar Zeilen Erläuterung von ihrer ganz privaten ITB für unsere "virtuelle ITB". Meine Mail: k.hildebrandt@fvw-medien.de.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

12.
Andreas Stefanis
Erstellt 2. März 2020 09:05 | Permanent-Link

Die ITB Berlin gehört zweifelsfrei zu den wichtigsten Tourismusmessen weltweit - auch weil viele der Aussteller mit den DACH-B2B-Playern Verträge machen wollen und weil man, den Konsumenten in den DACH-Ländern Ihre Destinationen nähere bringen wollen. Das ist alles schön und gut. Allerdings sollte man sich nun als Messegesellschaft die Frage stellen, ob das seit Jahren mit Erfolg gefahrene Konzept durch eine "leider" schwache, peinliche Krisenkommunikation Bestand hat? Umdenken ist erforderlich. Ob die angesprochenen Mrd. Verträge tatsächlich während einer ITB zustande kommen ist es etwas, was die Aussteller besser beurteilen können. Vielmehr musste man doch überlegen, ob man den Messetermin vor der WTM stattfinden lässt und nicht Ende des ersten Quartals im laufenden Jahr, welches sowieso vertragstechnisch abgelaufen ist. Man merkt jetzt wegen der Auswirkungen eines globalen "Shutdown"-Falls wie der Coronavirus, wie empfindlich die Branche ist. Langfristige Planungen und Verträge sind sicherlich gut, aber "kurzfristige" Emergency-Szenarien sollte man auch "nicht außen vor" lassen.

11.
Tomas Garcia Hertz
Erstellt 2. März 2020 08:41 | Permanent-Link

Disruption ist doch gerade für die Reisebranche -meistens mit Blick auf IT, das ist wahr- eines der Schlagwörter und weltweit Teil jeder strategischen Planung. Glauben wir wirklich noch daran, dass die ITB (über-)lebenswichtig für die Touristik ist? Kollabiert unsere Branche in 2021, weil heuer keine ITB stattgefunden hat? Niemand kann das ernsthaft glauben!
Von den genannten EU 7 Mrd, die auf der Messe geschrieben werden sollten, werden m.E. im besten Fall sogar mehr per Slack, Skype, Whatsapp oder bei persönlichen Meetings in kleinem Rahmen umgesetzt werden. Und das reisende Publikum der public days informiert sich ohnehin seit geraumer Zeit eher online denn auf Messen.
Was weg fällt ist das gesamte "Socializing" - fraglos schlecht für Berlin und das Umfeld, aber sicher nicht Überlebens-bedrohend für die lokale Gastronomie oder Hotellerie und Transport.
Es fallen aber eben auch jede Menge negative Auswirkungen weg: Tonnen und Tonnen von Müll, Aufwendung und Verschwendung von Ressourcen von Print bis Co2 - you name it.
Und last but not least: Kosten. Emirates als Beispiel kommt seit ein paar Jahren schon nicht mehr als Aussteller zur ITB - geht es denen im Vergleich schlechter als der Konkurrenz, nur weil sie sich diesen Aufwand sparen? Doch wohl nicht.
Und wenn sogar die Automobil-Branche mittlerweile ein großes Fragezeichen hinter deren IAA stellt, sollte man vielleicht über eine ehrliche Kosten-Nutzen Analyse rund um die ITB nachdenken und - ja, genau: disruptive Ansätze erwägen!

10.
Andreas Stefanis
Erstellt 2. März 2020 08:27 | Permanent-Link

Lieber Klaus, die fvw Daily Ausgaben virtuell anzubieten, ist es eine erste Maßnahme in die richtige Richtung. Fakt ist: Die Tourismusbranche muss sich umdenken und Kommunikationswege nutzen, mit denen solche Messeausfälle doch mit "virtuellem" Leben gefüllt werden. Vielleicht sollte man parallel zu einer "stationären" messe auch virtuelle Messen anbieten. Das wäre vielleicht interessant auch für Aussteller, die nicht präsent mit einem stationären Stand sind. Warum nicht mit einem virtuellen Stand?

9.
Johannes Härle
Erstellt 29. Februar 2020 12:12 | Permanent-Link

Interessantes über Spahn und Corona bevor Kramp-Karrenbauer hingeworfen hat.
https://www.n-tv.de/panorama/Coronavirus-Patienten-reisten-symptomfrei-ein-article21550811.html
Bereiten wir uns nun für eine digitale Zukunft des Messeplatzes Berlin vor. Der DRV sagt danke den Urgesteinen fvw und TUI.

8.
Jan Lehmann
Erstellt 29. Februar 2020 11:57 | Permanent-Link

Lieber Klaus, der denkende Mensch ändert seine Meinung ! Meinen Respekt, daß man nicht die Augen vor der Realität verschließt - es wäre viel schlimmer gewesen, in der nächsten Woche Meldungen von Coronafällen auf der ITB zu lesen. Momentan interessiert es niemanden, ob Touristiker reisen oder nicht - da bildet sich jeder seine eigene Meinung. Es ist in Ordnung so, wie es ist und die virtuelle Variante ist eine sehr gute Alternative.

7.
Michael Ricken
Erstellt 29. Februar 2020 10:37 | Permanent-Link

Schon heute redet keiner mehr über die ITB. Die Hysteriker und die Medien haben ihr Ziel erreicht. Die Touristik ist tot, wenn wir schon selbst nicht mehr reisen. Da die meisten Politiker ja gerne Fußball schauen, werden Großveranstaltungen aus der Bundesliga
nicht abgesagt. Mit der Touristik hat man ja ein Bauernopfer gefunden. Eine Lobby hat die Branche nicht. Was wird uns Touristikern als nächstes zugemutet?

6.
Dietmar Pedersen
Erstellt 29. Februar 2020 10:15 | Permanent-Link

In Dortmund und Köln kommen heute bei zwei Fussballspielen mehr Menschen zusammen als auf der gesamten ITB.

Müssen die Zuschauer in Dortmund und Köln jetzt alle sterben?

Wenn man Aussteller und Besucher aus China gestoppt hätte, das hätte Sinn gemacht.

5.
Sabine Krämer
Erstellt 29. Februar 2020 09:28 | Permanent-Link

Auf Twitter wurde ein Nachholtermim von der ITB Leitung bereits verneint. Schade... :-(

4.
Rainer Schlage
Erstellt 29. Februar 2020 08:17 | Permanent-Link

Hallo Klaus, vielen Dank für Dein Statement und Deine wie immer sinnvollen Vorschläge. Die derzeitige Situation ist schmerzlich, aber war wohl nicht zu umgehen. ITB-Ersatztermin im Herbst ist DIE Idee; hoffentlich sieht man das in Berlin ebenso!

3.
Hans-Mario Praetor
Erstellt 28. Februar 2020 23:45 | Permanent-Link

Im September nachholen - das wäre perfekt mit Ausblick auf das neue Urlaubsjahr 2021! Mit Trends und Perspektiven bevor Kunden ihren Urlaub buchen!

2.
Berthold Holly
Erstellt 28. Februar 2020 20:56 | Permanent-Link

Danke Klaus fuer Deine Worte, sowie proaktives wie positives Denken der FVW! Ja es tut weh - andererseits war das final heute am Tag das sehr richtige Tun. Forward, never backward!

1.
Sebastian v. Stein
Erstellt 28. Februar 2020 20:11 | Permanent-Link

Endlich ist die längst überfällige, offizielle Absage erfolgt! Auch wenn es natürlich schade und schmerzhaft ist, so stimme ich hier voll zu, so wie sehr viele andere auch.
Gibt es denn Überlegungen zu einem Nachholtermin z.B. im September?

stats