Konjunkturprogramm

Regierung beschließt Hilfe für Reisebüros

Mit einem "Überbrückungsprogramm" will die Bundesregierung auch Reisebüros in der Corona-Krise helfen.
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Mit einem "Überbrückungsprogramm" will die Bundesregierung auch Reisebüros in der Corona-Krise helfen.

Die Bundesregierung hat in ihrem Konjunkturprogramm Hilfe für kleine und mittelständische Unternehmen, darunter Reisebüros, beschlossen. Erstattet werden bis zu 80 Prozent der fixen Betriebskosten. Viele Details sind aber noch offen.

In der Nacht haben sich die Koalititionsspitzen in Berlin nach insgesamt 21 Stunden Beratung auf das Konjunkturprogramm geeinigt, mit dem Deutschland aus der Corona-Krise kommen soll. Auch für Reisebüros sowie mittelständische Veranstalter sind Hilfen vorgesehen.

Für sie wie für weitere kleine und mittelständische Unternehmen mit Corona-bedingtem Umsatzausfall hat die Bundesregierung ein "Programm für Überbrückungshilfen" aufgelegt. Es hat eine Gesamthöhe von 25 Mrd. Euro. Die Finanzhilfe wird für die Monate Juni bis August gewährt.

Hilfen bei Umsatzrückgängen ab 60 Prozent

Antragsberechtigt sind Unternehmen, deren Umsatz Corona-bedingt in April und Mai 2020 um mindestens 60 Prozent gegenüber April und Mai 2019 zurückgegangen ist und deren Umsatzrückgänge in den Monaten Juni bis August 2020 um mindestens 50 Prozent fortdauern.

Bei Unternehmen, die einen Umsatzrückgang von mehr als 70 Prozent verzeichnen, können bis zu 80 Prozent der fixen Betriebskosten erstattet werden. Liegt der Umsatzrückgang bei weniger als 70 Prozent, aber über 50 Prozent, ist eine Erstattung von 50 Prozent der Betriebskosten vorgesehen.

Weiter heißt es im Konjunkturprogramm: "Bei Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten soll der Erstattungsbetrag 9000 Euro, bei Unternehmen bis zehn Beschäftigten 15.000 Euro nur in begründeten Ausnahmen übersteigen."

Weitere Unterstützung für Reisebüros möglich

Insgesamt wirken die Beschlüsse zunächst enttäuschend. Für viele Reisebüros könnten diese Hilfen noch nicht reichen, um durch die Krise zu kommen. Hoffen lässt jedoch, dass die Bundesregierung einige Wendungen mit Interpretationsspielraum in die Beschlüsse eingebaut hat.

So heißt es etwa, dass das Überbrückungsprogramm "den Besonderheiten der besonders betroffenen Branchen" Rechnung tragen solle – und erwähnt dabei ausdrücklich auch Reisebüros. Möglich, dass sich hier weitere finanzielle Unterstützung verbirgt, etwa indem der Begriff "fixe Betriebskosten" extrem weit ausgelegt wird.

Touristik profitiert von Senkung der Mehrwertsteuer

Auch weitere Elemente des insgesamt 130 Mrd. Euro schweren Konjunkturpakets kommen der Reisebranche zugute. So wird die Mehrwertsteuer vom 1. Juli bis Jahresende von 19 auf 16 Prozent gesenkt, der ermäßigte Satz von sieben auf fünf Prozent.

Weitere Teile des Pakets sind ein 300-Euro-Bonus für jedes Kind, eine Förderung von E-Autos und ein Hilfsprogramm für Kommunen und Unternehmen. Auch soll der Anstieg der Energiepreise gedeckelt werden. Die Gewerbesteuerausfälle der Kommunen werden hälftig vom Bund übernommen.

Zu hören ist in Berlin außerdem, dass speziell für Veranstalter und Reisebüros weitere Hilfen geplant sind. Die Verbände fordern einen Kreditfonds, der für Veranstalter die Kundengeldrückzahlungen und die entgangene Provisionen der Reisebüros kompensieren soll.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

9.
Nick Wustlich
Erstellt 5. Juni 2020 16:53 | Permanent-Link

Liebe Kollegen,
Ihr bekommt Geld geschenkt.
Guckt Euch mal andere Länder an, da ist eine Luxusbranche, wie wir sie bedienen, voellig nebensächlich.
Sonnige Reisegruesse
Andrea Nicola Wulotti

thomas schemer
Erstellt 5. Juni 2020 17:37 | Permanent-Link

Juhu-wir bekommen UNSER Geld geschenkt!
Geschenkt bekommt es nur ein Unternehmen, daß hier verdient aber keine Steuern zahlt.
Alle die hier posten kennen von den Caymans höchstens den 3letter code.

8.
Bruno Peters
Erstellt 5. Juni 2020 08:50 | Permanent-Link

Das war kein Wumms, sondern ein Ffft. Dieses Konjunkturpaket ist ein Schlag ins Gesicht aller Kleinstunternehmer*innen (bis 10MA), egal in welcher Branche. Danke Groko für nichts.

7.
Bruno Peters
Erstellt 5. Juni 2020 08:45 | Permanent-Link

Das war kein Wumms, sondern ein Ffft. Dieses Konjunkturpaket ist ein Schlag ins Gesicht aller Kleinstunternehmer*innen (bis 10MA), egal in welcher Branche. Danke Groko für nichts.

6.
Burkhard Lindow
Erstellt 4. Juni 2020 17:51 | Permanent-Link

Es wäre großartig, wenn Teile des Konjunkturpaketes direkt und auch indirekt der Touristikbranche helfen würden. Was aber in Bezug auf die Thematik einer Senkung der Mehrwertsteuer für 6 Monate dringend zu beachten ist, ist u.a. deren organisatorische und/oder technische Abbildung in den vielen Systemen und Prozessen innerhalb der Touristik, die auch noch ineinandergreifen müssen. Insbesondere die Mid- und Backoffice-Systeme der Reisebüros, als auch die Finanzbuchhaltungssysteme, sowie die Veranstalter- und Buchungssysteme müssten hier teils umfangreiche Veränderungen vornehmen. Dabei wären diverse Geschäftsvorfälle erst einmal final zu klären, damit diese während der 6 Monate, aber auch danach steuerlich einwandfrei dargestellt werden können. Neben den reinen Entwicklungs- und Einführungsthemen wären in der Folge zudem Schulung und Support für die sicher vielen Fragen der Anwender zu beachten. Ein nicht geringer Aufwand, und dass in den Zeiten von Kurzarbeit und knappen Ressourcen in den Unternehmen. Ob dieser Einsatz im Moment in den Bereichen Marketing und Verkaufsunterstützung nicht deutlich besser positioniert wären, ist ein weiteres Thema. Auf den ersten Blick ein guter Ansatz, der auf den zweiten Blick aber nicht zu einem sehr hohen Aufwand für die Branche und zu einem immensen Bearbeitungsaufwand im Nachgang führen sollte. Vielleicht hat Berlin ja eine pragmatische Lösung im Auge, die weder die Systeme, vor allem aber nicht die Büros und die Veranstalter zusätzlich belastet. Nebenbei bemerkt, wir schreiben den 04. Juni - der 01.07.2020 ist nicht mehr fern.

Dietmar Rauter
Erstellt 4. Juni 2020 19:00 | Permanent-Link

Alles ganz schön und gut. Aber ohne Umsätze ist die Mehrwertsteuer eigentlich kein Branchenproblem.

Burkhard Lindow
Erstellt 4. Juni 2020 19:24 | Permanent-Link

Das stimmt absolut. Dennoch ist es ein fiskales Thema, welches sehr genau und nachhaltig umzusetzen wäre, ganz unabhängig von der Höhe der Umsätze. Bei Steuern gibt es bekanntermaßen kaum Verhandlungsspielraum mit dem Finanzamt. Umso mehr stellt sich ja die Frage, ob dieser Aufwand mit seinen umfangreichen und weit greifenden Ausprägungen für die Touristik überhaupt zu rechtfertigen ist.

5.
Uwe Liebold
Erstellt 4. Juni 2020 12:45 | Permanent-Link

Absolute Nullnummer. Es ist nicht ein Problem der Veranstalter gelöst worden. Politisch unterlassene Hilfeleistung für Probleme für welche wir nichts können. Es kommt die Zeit massiver Proteste oder des leisen Sterbens Sich hinter europäischen Recht zu verstecken zählt nicht. Nicht wir haben die Reisen abgesagt sondern die Exekutive. Das kann sie ja auch gerne tun, muss aber dann wie in solchen Fällen sonst auch, die Kosten und Rückzahlungen übernehmen.

4.
Martin Pundt
Erstellt 4. Juni 2020 12:32 | Permanent-Link

In der Tat sind zahlreiche Probleme, auf die alle Verbände immer wieder hingewiesen haben, weder behandelt noch gar gelöst worden (Rückzahlungsverpflichtungen, Azubigehälter etc.).
Noch erschreckender ist aber, dass es im Entwurf der Überbrückungshilfe heißt: "Anrechnung von anderen Corona-bedingten Zuschussprogrammen". Damit würde der Großteil der Unternehmen komplett leer ausgehen, denn in fast allen Bundesländern lagen die "Soforthilfen" von Bund und Ländern kumuliert bei den 9.000 (bis 5 MA) bzw. 15.000 Euro (ab 5 MA) oder höher. Zudem sind die Hürden inakzeptabel hoch, so müssen sowohl für den Antrag als auch für den nachträglichen Nachweis Unterlagen durch den Steuerberater erstellt werden (Umsatzprognosen, geprüfte Betriebskostenabrechnungen). Im schlechtesten Falle bezahlen wir den Steuerberater für diese Arbeit - und fallen dann doch durchs Raster ...
Der asr, sicher aber auch andere Verbände, wird hierzu noch einmal Druck machen, denn eine mögliche Verrechnung und der angedachte bürokratische Aufwand sind völlig inakzeptabel - ganz abgesehen von den zahlreichen weiteren Mängeln dieses Entwurfs.

3.
Rainer Maertens
Erstellt 4. Juni 2020 11:39 | Permanent-Link

Bei Deckelung auf 3.000 Euro monatlich für die meisten Büros, dürfte sich die Frage, ob Mitarbeitlöhne oder der Unternehmerlohn mit zu den Fixkosten gehören, erledigt haben.

2.
Christine Kantner
Erstellt 4. Juni 2020 08:57 | Permanent-Link

Leider finde ich jetzt auch keine Sonderregelung mehr für Azubis

Die muss ich jetzt wegen der Schule aus der Kurzarbeit rausnehmen und diese Kosten fallen ja jetzt zusätzlich an und sind bestimmt nicht als Fixkosten anrechenbar

1.
Dietmar Rauter
Erstellt 4. Juni 2020 08:24 | Permanent-Link

Danke für die schnelle Recherche über Nacht. Es zeigt sich: Wir wurden gehört. Ein erster Schritt, wenn auch für viele ziemlich spät. Wie lange 9000 € reichen, haben wir ja schon erlebt. Die Praxis muß zeigen, wie wir mit der teilweisen Übernahme der Betriebskosten klarkommen können und ob die Interpretation durch die Vergabestellen später auch den Unternehmerlohn einschließt. Bis auf Weiteres immer noch Kurzarbeit für alle Mitarbeiter. Wo soll der Umsatz auch herkommen ? Selbst mittelfristige Perspektiven sind nicht in Sicht. Sch ... ade !

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