Klimaschutz-Debatte

Fiebig hält Verbote für keine Lösung

Nimmt Stellung zu Klimaschutzfragen: DRV-Präsident Norbert Fiebig.
DRV/Christian Wyrwa
Nimmt Stellung zu Klimaschutzfragen: DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Wie passen Urlaubsflüge und der Klimawandel zusammen? DRV-Präsident Norbert Fiebig schildert im dpa-Interview seine Sicht der Dinge – und wehrt sich gegen einseitige Schuldzuweisungen.

Müssen wir weniger fliegen? Sollten Flugreisen gar durch Gesetze eingeschränkt werden? Fragen, die angesichts des dramatischen Klimawandels immer häufiger diskutiert werden. Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), nimmt im Gespräch mit dem dpa-Themendienst Stellung zu dem Thema.

Verbote, aber auch überrissene Verteuerungen von Reisen seien keine Lösung, sagt Fiebig. "Reisefreiheit ist ein hohes Gut, das wir erhalten wollen. Ich glaube nicht, dass es uns gelingen wird, den Menschen das Reisen zu verbieten." Denkbar sind theoretisch ein Verbot von Inlandsflügen und hohe Umweltaufschläge auf Flugtickets.

"Wenn die Verteuerung dazu führt, dass die Menschen nicht mehr reisen können, dann wird das Reisen zu einem Luxusgut wie in den 50er Jahren", gibt Fiebig zu bedenken. "Das entspricht nicht unserem Verständnis von sozialer Gerechtigkeit.! Gegen die beschlossene Erhöhung der Luftverkehrssteuer, die Flugtickets ab April teurer macht, sei man aber nicht.

Harte Verbote von Flügen sind derzeit ohnehin nicht in Sicht. Eher geht es darum, anders zu reisen. Sollte man zum Beispiel weniger fliegen, um das Klima zu schonen? "Wenn jemand persönlich verzichtet und statt viermal dreimal in den Urlaub fliegt, um für sich nachhaltiger zu leben, ist das ein vernünftiges Verhalten", sagt Fiebig. "Ich muss nicht mal eben nach Mailand fliegen, um ein Eis zu essen und einkaufen zu gehen."

Also lieber mit dem Zug anreisen, wie Klimaschützer vorschlagen? Dagegen spricht Fiebig zufolge nichts. "Ich bin dafür, dass möglichst verantwortungsbewusst geflogen wird. Aber ich möchte die Menschen nicht bevormunden. Wenn sie sich dazu entscheiden, mit dem Zug nach Bozen zu fahren statt zu fliegen – das ist durchaus zu begrüßen."

Aber wie sieht es zum Beispiel mit einer Woche Malediven aus, um dem deutschen Winter zu entkommen und in der Sonne zu liegen? Wird eine solche Fernreise in 15 Jahren noch ethisch-moralisch vertretbar sein? "Ja, das glaube ich", räumt Fiebig ein. "Es wird Menschen geben, die das gern machen möchten." Der Verbandschef hofft aber, dass die Urlauber dann schon mit einem Flugzeug mit Bio-Kerosin auf die Inseln fliegen können. Den alternativen Treibstoff gibt es, er wird aber in absehbarer Zeit nicht massenhaft eingesetzt werden – auch weil er deutlich teurer als fossiles Kerosin ist.

Fiebig betont dennoch, dass die Antwort auf das Klimaproblem in technologischer Entwicklung zu suchen ist. "Wir müssen Innovationen fördern, um den CO2-Fußabdruck der Mobilität zu senken und damit das Reisen möglichst klimaneutral zu gestalten." Fiebig weiter: "Es gibt Nationen, die gerade erst anfangen zu reisen – wie bei uns vor 50 Jahren. Diese werden sich das Fliegen nicht verbieten lassen wollen. Also müssen wir einen Beitrag dazu leisten, dass der ökologische Fußabdruck möglichst gering ist." Deutschland habe hier eine Vorbildfunktion. Das Ziel sei CO2-neutrale Mobilität.

Fiebig wehrt sich gegen den Eindruck, dass vor allem der Tourismus den Klimawandel befeuert und oft zum alleinigen Sündenbock gemacht wird. «Beim CO2-Ausstoß in Deutschland sind Flüge für 0,3 Prozent und international für 2,7 Prozent verantwortlich, Gebäude für 30 Prozent. Wir reden maßgeblich über Flugscham, nicht aber über ,Einfachverglasungs-Scham’."

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