Touristiker-Aktionsbündnis

Neue Vorschläge zur Überbrückungshilfe III

Rechnen, rechnen, rechnen: Das Aktionsbündnis "Rettet die Reisebranche" hat sich Gedanken gemacht, wie Reisebüros von der Überbrückungshilfe III besser profitieren können.
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Rechnen, rechnen, rechnen: Das Aktionsbündnis "Rettet die Reisebranche" hat sich Gedanken gemacht, wie Reisebüros von der Überbrückungshilfe III besser profitieren können.

Das Aktionsbündnis "Rettet die Reisebranche" legt Vorschläge zur Überbrückungshilfe III vor. Verbunden sind sie mit dem Appell, jetzt mit Politikern ins Gespräch darüber zu gehen.

Sie verhandeln noch. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für die Überbrückungshilfe III. Kürzlich präsentierte die Bundesregierung zwar erste Eckpunkte. So soll das dritte Hilfsprogramm dieser Art für die Monate Januar bis Juni 2021 gelten. Auch soll die maximale Betriebskosten-Erstattung von 50.000 Euro auf 200.000 Euro pro Monat steigen. Doch vieles am künftigen Hilfsprogramm ist ungewiss, was in der Touristik große Sorgen auslöst. Was, wenn die nächste Finanzhilfe nicht mehr reicht, um die Unternehmen durch die Corona-Krise zu bringen?

In Kürze sollen die Details der nächsten Hilfsrunde vorgelegt werden. Derweil hat das Aktionsbündnis "Rettet die Reisebranche", hervorgegangen aus den bundesweiten Touristiker-Protesten im Frühjahr, eigene Vorschläge zur Ausgestaltung der weiteren Unterstützung vorgelegt. Konkret fordert die Initiative zweierlei: Verbesserungen bei den Personalaufwendungen und eine Anpassung der Bemessungsgrundlage in Punkt 13 des Eckpunktepapiers der Bundesregierung, der die Erstattung von Provisionen regelt.

Bei den Personalaufwendungen fordert das Aktionsbündnis, die Erstattung der Kosten von 20 Prozent auf 50 Prozent zu erhöhen. Der Grund: "Viele Büros können nach wie vor nicht gänzlich auf Mitarbeiter verzichten", heißt es in dem Papier, in dem die Initiative ihre Vorschläge gebündelt hat. Eben diese Büros, deren Mitarbeiter nicht zu 100 Prozent in Kurzarbeit seien, benötigten Unterstützung bei den Personalkosten.

Zum Thema Anpassung der Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Erstattung von Provisionsausfällen schreibt die Initiative: Hier sollten künftig Provisionsumsätze der BWA 2019 oder 2018 für die Berechnung herangezogen werden. Die Staffelung der monatlichen, prozentualen Erstattung sähe dann je nach Umsatzverlust beispielsweise so aus:
  • 60 Prozent Erstattung bei mehr als 70 Prozent Umsatzverlust,
  • 40 Prozent Erstattung bei 50 Prozent und weniger als 70 Prozent Umsatzverlust,
  • 20 Prozent Erstattung bei 30 Prozent und weniger als 50 Prozent Umsatzverlust.
"Die nötige Verlängerung der Überbrückungshilfe II allein wird der Reisebranche, insbesondere den Reisebüros, nicht reichen, da wir für Januar bis Juni 2021 aufgrund degressiver Buchungszahlen noch keine Möglichkeit hatten, Umsatz zu generieren", heißt es in dem Papier. Die Hauptbuchungszeit für Reisen im Folgejahr seien bisher die Monate November bis Februar.

Darüber hinaus macht das Aktionsbündnis Vorschläge, wie den Reisebüros über die Überbrückungshilfe III hinaus geholfen werden könnte. So hält die Initiative eine Wahlmöglichkeit zwischen Novemberhilfe und Überbrückungshilfe II für sinnvoll. Grund dafür: Zahlreiche Reisebüros hätten im November null oder so gut wie keinen Umsatz gemacht. Diesen Büros wäre mit der Novemberhilfe deutlich besser geholfen.

"Absurde Quarantänepflicht"

An politischen Maßnahmen wünscht sich das Bündnis eine Ausweitung der europaweiten Teststrategie mit verpflichtenden Schnelltests. Zudem fordert es eine "Aufhebung der absurden, unverhältnismäßigen Quarantänepflicht und der widersinnigen Einreiseregelungen", wie es für Nordrhein-Westfalen bereits gerichtlich erfolgt sei.

Generell wünscht sich das Aktionsbündnis, dass sich die Politik positiver zum Thema Urlaub äußert, sowie die Vorteile einer Beratung und Buchung im Reisebüro betont. Jüngst hatten Politiker immer wieder pauschal von Urlaubsreisen abgeraten. Reisebüros sollten sich nun an die Verantwortlichen wenden und ihnen die Vorschläge zeigen. "Nutzt Eure Kontakte und sucht das direkte Gespräch! Die Erfahrung hat gezeigt, dass es nur funktioniert, wenn wir alle gemeinsam agieren", sagt Kirstin Heinrichs vom TUI Reisecenter Mönchengladbach und eine Sprecherin des Aktionsbündnisses.
6 Kommentare Kommentieren

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2.
Udo Pass
Erstellt 27. November 2020 08:57 | Permanent-Link

Manchmal kann ich die Verbände verstehen, wenn sie nicht alles veröffentlichen.
Bevor ein Politiker so einen Vorschlag nur zu 30% gelesen hat, kommt auf den Socialmediakanälen aus eigenen Reihen schon wieder Kritik, dass "alles nicht genug sei und die Hilfen nicht reichen würden".
Und meist noch ohne vernüftige Erklärung/Begründung geschweige denn einem konkreten Gegenvorschlag.

1.
Ronald Krispin
Erstellt 26. November 2020 13:20 | Permanent-Link

Mehrfache Ansprache ist immer gut! Ein Prinzip, dass sich nicht allein in der Werbung bewährt hat - eben auch in der politischen Auseinandersetzung. Und besonders im direkten Miteinander und Austausch mit den Entscheidungsträgern bei Bund und Ländern, die wir zur Ü-Hilfe III bereits seit geraumer Zeit pflegen.

Ebenso gut ist es, dass hier dann nochmals die Inhalte vorgebracht werden, die bereits seit Mitte Oktober in Berlin zur Ausgestaltung der Ü-Hilfe III vorliegen und dort schon intensiv diskutiert wurden, während andere noch mit der bloßen Kritik an der U-Hilfe II beschäftigt waren.

In Punkt 13 ging es ja nicht um die augenscheinliche Berechnung der Erstattung von Provisionen bzw. deren Ausfällen. Vielmehr werden hier weitere "Kosten" (genauso in 10-12) den allgemein gültigen Fixkosten der Punkte 1-9 gleichgestellt.
Dieser Punkt 13 soll nun anders ausgestaltet werden. Oder er wird bei einer wesentlichen Verbesserung der Förderungsgrundlagen für alle betroffnenen Unternehmen/Branchen (z.B. durch eine hochprozentige Förderung von zu erwartend ausfallenden Umsatzerlösen) in einem anderen Punkt ersetzt.

Die späte Vorlage jetzt bestätigt zum guten Schluss nochmal allen dort Beteiligten, dass die bisher und auch jetzt bereits getroffenen Entscheidungen - die kurz ja vor Veröffentlichung stehen - keine falschen Schritte sind. Wieso auch nicht am 23.12. den Eltern schnell noch mitteilen, was man sich für den 24.12. so alles wünscht. Das hilft Mama und Papa zu prüfen, ob auch wirklich alles bedacht wurde.

Der Politik - wie auch anderen Branchenpartnern in Kooperationen und den Partner-Reisebüros - fiel bereits die Handschrift auf, die diese neuen Forderungen und eigenen Vorschläge tragen. Und das macht es nicht schlechter - und eben auch nicht besser.

Hoffen wir für alle Beteiligten das Beste und dass sich in 2021 neue Chancen für Reisen und die echte Ausübung unserer Berufe und Berufungen ergeben. (VUSR Bundesverband/rok)

Rainer Maertens
Erstellt 26. November 2020 14:47 | Permanent-Link
bearbeitet

@Ronald Krispin: Bist Du bitte so lieb, die Forderungen des VUSR zu nennen? Ich habe gerade innerhalb der fvw versucht was zu finden. Leider habe ich kein offizielles Papier im Leitmedium gefunden. Falls ich einen Bericht übersehen habe, bitte ich um Entschuldigung.

Marija Linnhoff
Erstellt 26. November 2020 21:34 | Permanent-Link

@Rainer Maertens: der VUSR hat in der fvw (oder sonstwo in Medien) nichts veröffentlicht.

der VUSR macht seine Arbeit, hat sein Positionspapier bereits Mitte Oktober -im Hinblick auf die Ü-III- der Bundesregierung zugeleitet.

wichtig ist es am Ball zu bleiben und nachlegen zu können wenn etwas in die falsche Richtung läuft. Und das Ganze muss unaufgeregt, sachlich, konstruktiv und (vor allem) zielführend passieren!

Aber das weisst Du ja alles selbst - Du engagierst Dich ja auch politisch

Rainer Maertens
Erstellt 26. November 2020 23:08 | Permanent-Link
bearbeitet

@Marija Linnhoff: lieben Dank für Deine Antwort. Ich bin mir sicher, dass auch der VUSR gute Lösungsansätze vorgelegt hat. Es ist nur schade, dass es im Stillen gemacht wird und nicht um Unterstützung von außerhalb des VUSR geworben wird. Egal wie die Ü3 aussehen wird, hoffen wir alle gemeinsam, dass wir bald wieder von eigener Arbeit leben können und nicht noch auf eine Ü4 angewiesen sein müssen.

Ronald Krispin
Erstellt 27. November 2020 13:17 | Permanent-Link
bearbeitet

@Rainer Maertens:
Bereits seit Herbst 2015 fördert der „Verband unabhängiger selbständiger Reisebüros e.V. - Bundesverband“ Reisevermittler in gewerblichen, politischen, wirtschaftlichen, beruflichen und rechtlichen Belangen. Leitlinie dabei ist: „Die Situation mit den Augen der Reisebüros betrachten, den Fokus auf die Anliegen der Reisebüros legen und dabei die Partner nicht aus dem Blick verlieren. Inzwischen vertritt der VUSR Bundesverband die Interessen von gut 6.500 Reisebüros in ganz Deutschland.

Bei der Kommunikation politischer Posititionen stehen auf dieser Grundlage somit zwei direkte Partner im Vordergrund: 1. Die Mitglieder des VUSR Bundesverbandes als gute Basis und Zielgruppe für die Entwicklung der zu vertretenden Standpunkte und den hieraus resultierenden Forderungen sowie den guten Ideen für die Umsetzung derselben.
2. Die Politikerinnen und Politiker in Bund, Ländern und EU (Parlament und Kommission) als Entscheidungsträger.

Der Vorstand steht jedem Mitglied des VUSR Bundesverbandes gern und immer Rede und Antwort. Zum Gespräch mit anderen Interessengemeinschaften und Verbänden usw. ist der VUSR Bundesverband gern bereit. Diverse Anliegen werden zudem und pointiert auch über die Fachpresse und/oder Publikumspresse kommuniziert bzw. veröffentlicht.

Nicht nur in der jüngsten Vergangenheit hat sich erwiesen, das zuweilen ein "Weniger ist mehr" dem Wesen der Verbandsmitgliedschaft und einem guten und positiv motivierten Austausch mit der Politik am nächsten kommt. Und nicht immer ist es förderlich, alles - z.B. über Pressemitteilungen - direkt und gleich "an die große Glocke" zu hängen. Dazu würde dem VUSR Bundesverband dann womöglich Profilierungssucht o.ä. unterstellt. Viel wichtiger ist und bleibt, dass die benannten Kommunikationspartner wissen, worum es geht.

Auf Vorlagen zur Umgestaltung der Überbrückungshilfe bezogen heißt dies konkret, dass Anfang/Mitte Oktober nach einer ersten gemeinsamen Beurteilung gemeinsam mit Mitgliedern des VUSR Bundesverbandes notwendige Anpassungen der Ü-Hilfe III definiert wurden, die in einem Positionspapier den entscheidenden Politikerinnen und Politkern in Berlin und anderen Städten übermittelt wurden. Das gehört zur tagtäglichen Arbeit und bedarf keiner direkten Publikation (z.B. hier in der FVW), die weder üblich und so auch gar nicht immer möglich wäre, bei den vielen tagtäglichen Kontakten.

Bereits seit spätestens 18. Oktober dient das Positionspapier des VUSR Bundesverbandes zu einer an die Realität anzupassenden Ü-Hilfe III auch als Gesprächsgundlage bei vielen Austauschrunden u.a. in den Arbeitskreisen des Deutschen Bundestages, diversen Ausschussitzungen dort und auch zwischen den Ministerien der Finzanzen und für Wirtschaft und Energie. Vielen Mitgliedern des VUSR Bundesverbandes - u.a. auch den Spitzen der befreundeten Reisebüro-Kooperationen - liegt das Schriftstück im Original vor. Spätestens bei der Mitgliederversammlung Ende Oktober in Köln wurde die Mitglieder bereits über erste Reaktionen aus Reihen der Politik informiert.

Schlussendlich: Man kann der 1. Vorsitzenden und dem VUSR Bundesverband sicher vieles nachsagen. Stille und Vermeidung von Aufmerksamkeit gehören bestimmt nicht dazu. Allerdings eben zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Dem herzlichen Wunsch und der guten Hoffnung, dass wir bald wieder von eigener Arbeit leben können und nicht noch auf eine Ü-Hilfe IV angewiesen sein müssen, will und kann sich der VUSR Bundesverband nur anschließen! (VUSR Bundesverband/rok)

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