Enorme Resonanz

Über 1900 Hotels klagen gegen Booking.com

IHA-Vorsitzender Otto Lindner
Lindner Hotels &Resorts
IHA-Vorsitzender Otto Lindner

Der Hotelverband Deutschland (IHA) will gegen den Mega-Konzern gerichtlich vorgehen, da er jahrelang kartellrechtswidrige Bestpreis-Klauseln genutzt haben soll.

„Wir sind überwältigt von der enormen Resonanz auf unsere Initiative ‚daBeisein‘", sagt Otto Lindner, Vorsitzender des IHA. "Die über die Kampagnen-Plattform erhobenen Teilnehmerangaben weisen zudem eine so hohe Datenqualität und Fehlerfreiheit auf, dass wir die Registrierungsfrist noch um unseren ursprünglichen Bearbeitungspuffer von drei Werktagen bis zum 20. Mai 2020, 18 Uhr, verlängern können."

Gerade in den vergangenen beiden Tagen habe die IHA einen noch starken Zuspruch zu verzeichnen gehabt, "dass wir sicherstellen wollen, dass alle teilnahmewilligen Hoteliers auch wirklich ‚daBei‘ sein können“, so Lindner.

Im Jahre 2013 hatte das Bundeskartellamt ein Verfahren wegen der Verwendung kartellrechtswidriger Bestpreisklauseln auch gegen Booking.com eingeleitet. Nachdem Bundeskartellamt und Oberlandesgericht Düsseldorf im Parallelfall HRS keine Zweifel daran gelassen hatten, dass insbesondere die „weiten“ Bestpreisklauseln mit deutschem und europäischem Kartellrecht unvereinbar seien, verpflichtete Booking.com sich 2015, die „weiten“ Bestpreisklauseln aus seinen AGB in Deutschland zu entfernen.

„Zu diesem Zeitpunkt hatte der Konzern die weiten Bestpreisklauseln allerdings schon knapp zehn Jahre zur Anwendung gebracht und hierdurch den Wettbewerb zwischen den Hotelbuchungsportalen und zum Direktvertrieb der Hotellerie massiv beschränkt", kritisiert IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe.

Damit sei nicht nur der Provisionswettbewerb zwischen den Buchungsportalen praktisch zum Erliegen gebracht worden, es seien auch der sich im Aufbau befindliche Vertrieb der Hotels über ihre eigenen Homepages erheblich behindert worden. Auf diese Weise habe Booking.com seine Buchungsprovisionen seit 2006 massiv erhöhen können.

Anspruch auf Schadensersatz

Nach den Grundsätzen des deutschen und europäischen Kartellrechts hätten in Deutschland gelegene Hotels, die nach dem Jahr 2006 Zimmer über Booking.com vertrieben haben, nun Anspruch auf Schadensersatz gegen das Portal wegen der zu viel bezahlten Buchungsprovisionen. Da die Durchsetzung der Ansprüche im Alleingang für viele Hotels jedoch mit Kosten und Risiken verbunden sei, habe der Hotelverband die Initiative ‚daBeisein‘ ins Leben gerufen.

In ihrem Rahmen würden die Schadensersatzansprüche gemeinsam geltend gemacht. Durch die Kooperation mit einem renommierten Prozessfinanzierer könnten alle Hotels in Deutschland unabhängig von einer Verbandsmitgliedschaft ohne Kosten oder Kostenrisiken teilnehmen. Die Erfahrungen des Hotelverbandes im Fall HRS, an dem sich im vergangenen Jahr rund 600 Hotels beteiligten, hätten gezeigt, dass die Anspruchsbündelung ungleich mehr Verhandlungsgewicht gibt.

Hoteliers könnten sich auf der Webseite www.hotel-kartellschadensersatz.de über die Initiative des Hotelverbandes Deutschland (IHA) umfassend informieren und sich noch für eine Teilnahme registrieren.

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1.
Dietmar Rauter
Erstellt 18. Mai 2020 12:51 | Permanent-Link

Der Zusammenschluß ist wichtig. Aber als Verbraucher kommt auch eine kleine Träne, war es booking doch gelungen, Überkapazitäten im Hotelbereich so auszunutzen , daß sie durch ihre Marktmacht Sonderpreise durchsetzen konnten. Gegen eine Aldisierung der Unterkünfte (booking hat ja auch viele Privatvermieter im Programm) hilft nur, Überkapazitäten möglichst zu vermeiden, sonst herrscht das Recht des Stärkeren. Im Übrigen gibt es ja auch noch Expedia.

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