Reisebüro-Proteste (mit Galerie)

Demos erhalten überwältigendes Medienecho

Reisebüros kämpfen um ihr Überleben – eine große Kundgebung fand gestern auch am Flughafen Paderborn-Lippstadt statt.
fvw/privat
Reisebüros kämpfen um ihr Überleben – eine große Kundgebung fand gestern auch am Flughafen Paderborn-Lippstadt statt.

Die bundesweiten Demonstrationen von Reisebüros am Mittwoch haben eine Flut an Presseartikeln sowie Fernseh- und Radiobeiträgen ausgelöst. Derweil diskutiert die Bewegung "Gesicht zeigen!", ob es weitere Kundgebungen geben sollte.

So viel Aufmerksamkeit haben Reisebüros bundesweit noch nie bekommen: Die Protestaktion am Mittwoch war medial ein Volltreffer. Die Flut an Berichten in lokalen und überregionalen Medien ist kaum zu überblicken. Bei ARD und ZDF schafften es die Proteste in die Nachrichten zur besten Sendezeit (siehe beispielsweise die angehängten Videos der "Tagesthemen" und von "ZDF heute"). Auch andere Fernsehsender wie RTL und N-TV griffen das Thema auf. Überregionale Zeitungen wie "Süddeutsche", "Die Welt" und "Bild" berichteten ebenfalls mindestens online.

Was die Aktion politisch bewirken wird, ist derweil noch unklar. Teilnehmer hatten vor allem schnelle Finanzhilfe vom Staat für Reisebüros – aber auch für mittelständische Veranstalter – in der Corona-Krise gefordert. Sie wollen, dass die Politik überhaupt kleine und mittelständische Touristikunternehmen stärker in den Fokus nimmt.

Überblick: So liefen die Protestaktionen in ganz Deutschland




Tatsächlich suchten Politiker bei den Protesten auch das direkte Gespräch mit den Demonstranten. Im "Tagesthemen"-Video ist etwa zu sehen, wie Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart den Teilnehmern in Düsseldorf zusagt, sich der Sache anzunehmen. "Wir wollen alles tun, auch in einem sehr verantwortlichen Rahmen, dass auch der Tourismus seine Arbeit verantwortungsvoll und mit den Pandemie-Notwendigkeiten seine Arbeit wieder aufnehmen kann", sagt er. Außerdem fordert er Reisebüros auf, ihm ihre Verlustrechnungen per E-Mail zu schicken.

Derweil diskutiert die Bewegung nun, ob weitere Demonstrationen notwendig sind. In der Facebook-Gruppe "Vorbereitung bundesweite Demo Reisebüros" sind viele Mitglieder der Ansicht, man dürfe jetzt nicht nachlassen. Es wurde aber auch schon die Meinung geäußert, dass man die erste Protestaktion jetzt erst einmal bei der Politik sacken lassen sollte. Generell herrscht großer Stolz, aber auch Erstaunen darüber, dass es gelungen ist, eine so große bundesweite Aktion ohne Hilfe von Reisebüro-Organisationen und Verbänden zu koordinieren.

Tatsächlich ist die Bewegung eine klassische Grassroots-Bewegung, die von der Reisebüro-Basis angestoßen wurde. Bei der Entstehung spielte die im Alleingang geplante Protestaktion in Dresden eine Rolle. Der wichtigste Anstoß für die Proteste deutschlandweit kam aber von den Reiseprofis Anke Mingerzahn und Marion Tibursky, die am 22. Mai die erwähnte Facebook-Gruppe gründeten.

Sie hat inzwischen mehr als 6000 Mitglieder. Über die Gruppe organisieren sich die Teilnehmer hauptsächlich. Inzwischen haben sich aber auch regionale Untergruppen gegründet. So wollen die Teilnehmer weitere Proteste effektiver planen – ohne freilich die Bedeutung der Hauptgruppe zu schmälern.  


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3.
Dietmar Rauter
Erstellt 30. April 2020 16:34 | Permanent-Link

Apropo: Ist es ein Wunder, daß die grö0te Aktion wohl in Hannover stattfand ? Und zwar in der innenstadt und nicht vor der TUI-Zentrale (da ist wohl auch nichts mehr zu erwarten) .

2.
Dietmar Rauter
Erstellt 30. April 2020 16:18 | Permanent-Link

Ich kann nur sagen, es war toll , wie viele Ideenhier sprudelten, vom leeren Koffer über Tanzaktionen (hier in Kiel vier Stunden vor dem Landeshaus). Presseberichte und Interviews im Radio und Fernsehen . Wenn der Anlaß nicht so besorgniserregend gewesen wäre (manche Kundeberatung fand zwischendurch auf dem Smartphone statt, meistens ging es um Rückzahlungen, Stornierungen und Umbuchungen, das was halt völlig ohne Honorar zu tun bleibt) , könnte man dagen die Stimmung war gut unter den KollegInnen . Zusammenhalten ist so wichtig ! Das Echo in die Gesellschaft hat doch gut geklappt, danke an alle Mitstreiter, jetzt müssen 'nur' noch unsere Kunden mitlaufen, wenn wir wir alle auf die Straße dürfen.

1.
Andre Wittmann
Erstellt 30. April 2020 16:10 | Permanent-Link

Danke den Initiatoren Anke Mingerzahn und Marion Tibursky. Reisebüros waren zum ersten Mal in den wichtigen Medien.

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