Wettbewerbsexperte fordert Aufspaltung

Derzeit sind Infrastruktur und Fahrbetrieb in der Hand der Bahn.
PR
Derzeit sind Infrastruktur und Fahrbetrieb in der Hand der Bahn.

Eigentlich schien die Diskussion ausgestanden, ob sich die Bahn von ihrem Schienennetz trennen soll. Doch jetzt meldet sich der Chef der Monopolkommission mit einem klaren Votum.

Der Chef des Gremiums Justus Haucap fordert jetzt gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung eine Abspaltung des Schienennetzes, weil der Konzern Konkurrenten massiv behindere.

Die Bahn sei nicht bereit, langfristige Verträge für die Nutzung des Schienennetzes abzuschließen, bemängelt Haucap und schlägt vor, den Konzern in ein Infrastrukturunternehmen und einen Verkehrsbetrieb aufzuspalten.

Die Frage, ob die Bahn weiter Eigentümer des Schienennetzes sein kann, hatte sich in den vergangenen Jahren an dem geplanten und dann abgesagten Börsengang des Konzerns entzündet und für heftige Debatten gesorgt. Nach der reinen Lehre, für die auch die Monopolkommission steht, ist eine Aufspaltung unerlässlich, um für alle Anbieter von Bahnleistungen identische Wettbewerbsvoraussetzungen zu schaffen.

Die Bundesregierung hatte sich gegen eine Trennung der beiden Bereiche ausgesprochen. Das Schienennetz gehört der DB Netz AG, die vom Bahnkonzern getrennt arbeitet und die Infrastrukturleistungen auch Bahn-Konkurrenten zu einem angemessen Preis zur Verfügung stellen muss.

Für die EU-Kommission reicht diese Konstruktion nicht aus. Sie prüft, ob sie per Klage für mehr Wettbewerb sorgen soll und zielt ebenfalls auf eine Trennung von Schiene und Betrieb.

Andere Bahnen tun sich im übrigen besonders schwer mit der im vergangenen Dezember EU-weit proklamierten Öffnung der Bahnmärkte.

Frankreich etwa wehrt sich mit allen Finessen gegen ausländische Konkurrenz auf den heimischen Schienen. So müssen grenzüberschreitende Züge mehrheitlich mit international reisenden Fahrgästen besetzt sein. Für den Regionalverkehr dürfen ausschließlich Verträge mit der Staatsbahn SNCF abgeschlossen werden.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats