Piloten gehen aufs Ganze

Piloten stimmen für Streik: Lufthansa-Jets könnten ab dem 22. Februar am Boden bleiben.
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Piloten stimmen für Streik: Lufthansa-Jets könnten ab dem 22. Februar am Boden bleiben.

Die Piloten der Lufthansa sind sich einig: Bei einer Urabstimmung der 4500 Cockpit-Crew-Mitglieder stimmten 93 Prozent für einen Arbeitskampf. Am 22. Februar soll er beginnen.

Georg Jegminat, Rita Münck

Die Gewerkschaft fordert von der Lufthansa 6,4 Prozent mehr Gehalt. Die Piloten zeigen sich aber auch durchaus bereit, eine Nullrunde hinzunehmen, vorausgesetzt die Lufthansa garantiert den Crews im Tarifvertrag eine Arbeitsplatz-Sicherheit in Deutschland und mehr Mitsprache-Rechte.

"Wir verhandeln seit drei Jahren über die Zukunft des Regionalverkehrs, seit eineinhalb Jahren über den Mantel- und den Konzern-Tarifvertrag, gleichzeitig schafft Lufthansa Tatsachen", sagt Thomas von Sturm, Sprecher der Konzern-Tarifkommission Lufthansa bei der VC. Von Sturm spielt damit auf die Gründung der Lufthansa Italia in Mailand sowie die Verlagerung von Verkehr auf Air Dolomiti an. Beides hat die Entstehung neuer Arbeitsplätze in Italien zur Folge. In Deutschland hingegen würden derzeit bei den Regionalpartnern der Lufthansa Arbeitsplätze abgebaut. Die aktuellen Umstrukturierungen dort kosteten 500 Piloten den Job. Allein beim Lufthansa-Partner Contact Air müssen zum 31. März 44 Piloten gehen.

Laut von Sturm bleibt den Piloten jetzt nur der Streik: "Wir müssen nun massive Maßnahmen ergreifen und unsere Entschlossenheit zeigen", so der Gewerkschafter. "Nur ein substanzieller Anruf durch die Konzernspitze kann den Streik verhindern", versicherte von Sturm.

Die Lufthansa rüstet sich bereits für einen der größten Streiks ihrer Geschichte. "Wir müssen uns auf das Szenario Streik einstellen, und natürlich bereiten wir uns darauf vor, um die Auswirkungen für die Fluggäste so gering wie möglich zu halten", so eine Lufthansa-Sprecherin.

Zieht die Gewerkschaft ihre Pläne durch, könnte das die ohnehin schon krisengeprägte und zum Sparen verdonnerte Lufthansa schmerzhaft treffen. Beim jüngsten, großen Pilotenstreik 2001 legten die Piloten drei Tage die Arbeit nieder. Die Lufthansa musste hunderte Flüge streichen, was die Airline 200 Mill. Euro kostete.Auch dieses Mal rechnet Lufthansa mit deutlichen Belastungen. Allein die Streikdrohung habe bereits zu einem Rückgang der Buchungen geführt, sagte der für die Tarif-Verhandlungen zuständige Passage-Vorstand Roland Busch Anfang des Monats. Ein Streik würde die Einsparziele der Gesellschaft "massiv gefährden", sagte Busch. Lufthansa will ihre Kosten bis 2011 jährlich um eine Milliarde  Euro senken.

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