Nicht länger Subventionen kassieren

Gulf-Air-CEO Samer Majali leitet einen radikalen Strategiewandel ein.
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Gulf-Air-CEO Samer Majali leitet einen radikalen Strategiewandel ein.

Der CEO von Gulf Air, Samer Majali, will der Regierung nicht länger auf der Tasche liegen. Deshalb stellt er das Geschäft komplett um und verkauft alle Großraumflugzeuge.

Georg Jegminat

CEO Samer Majali will die Flotte umstellen, das Streckennetz neu ausrichten und die Effizienz des Unternehmens deutlich steigern. Zum ersten Mal wird sich Gulf Air speziell auf Bahrain konzentrieren, mehr Ziele und Frequenzen in der Region und ausgewählte Finanz-Metropolen auf drei Kontinenten anfliegen.

Die neue Strategie konzentriert sich auf drei zentrale Bereiche:

Streckennetz: Bahrain soll zum Hub für Nahost und Afrika werden sowie einige Destinationen in Asien und Europa anbinden. Parallel werden 15 Langstrecken eingestellt und die jeweiligen Niederlassungen aufgelöst. So werden Schanghai, Hyderabad und Bangalore gestrichen.Produkt: Das Inflight-Produkt inklusive der Sitze und das Informations- und Unterhaltungssystem wird auf die Bedürfnisse der Passagiere im Nahen Osten ausgerichtet. Flotte: Gulf Air wird sich auf Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge sowie Regionaljets konzentrieren. Für die ausgewählten Fernziele kauft die Airline Flugzeuge mit nur einem Gang. Die Widebody-Jets (mit zwei Gängen) sollen abgestoßen werden. Fünf Airbus A-340 will Majali kurzfristig verkaufen.

Zur Strategie gehört, dass auch Personal abgebaut wird. Majali spricht sogar von Kündigungen, durch die die Wettbewerbsfähigkeit wieder hergesellt wird.

Noch bis vor wenigen Monaten vertrat das Management eine ungebrochene Expansionsstrategie. Sie hatte erst kürzlich allein bei Boeing Flugzeuge im Wert von sechs Milliarden US-Dollar bestellt, darunter 24 B-787. Bei Airbus wurden 35 Jets bestellt, darunter Großraum-Jets vom Typ A-330.

Die neue Strategie dürfte nicht bloß auf die allgemeine Luftfahrtkrise zurückzuführen sein. Denn in der Region am Persischen Golf selbst, wächst das Passagieraufkommen – allerdings nicht so schnell wie früher. Die Wachstumsziele der Golf-Airlines liegen sehr hoch. Entsprechend wurden gigantische Flugzeug-Bestellungen unterschrieben. Außerdem liefern sich Emirates, Qatar Airways und Etihad einen harten Wettbewerb. Gulf Air ist dagegen ein schwächerer Player im Markt.

Außerdem haben sich zahlreiche Low Cost Carrier in der Region etabliert, darunter Jazeera, an deren Spitze der Deutsche Stefan Pichler steht. Gulf Air wird sich auch nach der Restrukturierung einem harten Wettbewerb ausgesetzt sehen.

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