Mit dem ICE nach London

Vorstandschef Rüdiger Grube peilt Strecken nach London an.
PR
Vorstandschef Rüdiger Grube peilt Strecken nach London an.

Die Deutsche Bahn will ihren Verkehr ins Ausland massiv ausbauen. Ab 2013 soll der ICE sogar durch den Eurotunnel nach London fahren, kündigte Vorstandschef Rüdiger Grube an.

Klaus Hildebrandt

Da die Bahn aber nicht jedes Jahr schrumpfen könne und Gewinne erzielen müsse, sei deshalb die Expansion im Ausland notwendig. Dies geschieht zum einen durch Übernahmen wie des britischen Transportkonzerns Arriva. Zum anderen aber will die Bahn selbst mehr Verbindungen ins Ausland anbieten. „Die Kunden wollen europäische Städteverbindungen mit einem Ticket und ohne Umsteigen“, ist Grube überzeugt. Dies zeigten etwa die Verbindungen nach Brüssel oder in die Schweiz.

Ab Oktober Testfahrten im Eurotunnel

Für Ende 2013 peilt Grube nun sogar Strecken nach London an. Das Problem war bislang der Eurotunnel: Die auf die französischen Züge abgestellten Sicherheitsbestimmungen sehen vor, dass Züge mindestens auf einer Länge von 400 Metern durchquert werden können, um im Notfall eine Evakuierung zu erleichtern.  

Grube sieht diese Vorschrift als vorgeschoben an und hat nun zusammen mit Verkehrsminister Peter Ramsauer in Gesprächen mit den Ministerien und Bahnen aus Frankreich und Großbritannien die Erlaubnis für Testfahrten erhalten. Schon im Oktober sollen Tests mit dem ICE 3 beginnen. Nach seiner Einschätzung könnten später einmal über eine Million Gäste pro Jahr eine Direktverbindung von Frankfurt oder Köln über Brüssel nach London nutzen.

Arriva Deutschland bis Jahresende verkaufen

Während die Bahn ins Ausland expandiert, wird der Wettbewerb auf der Schiene in Deutschland sogar noch zunehmen. Im Zuge der Arriva-Übernahme muss die Bahn aus kartellrechtlichen Gründen deren deutsches Geschäft mit einem Umsatz von 450 Mill. Euro verkaufen. 60 Mill. Euro davon entfallen auf Busverkehre.

Grube will das Arriva-Geschäft „im Stück“ bis Jahresende an den meistbietenden Investor abgeben.

Denn es handele sich um 50 Einzelgesellschaften. Ein Einzelverkauf dauere zu lange, außerdem würden sich Interessenten dann nur einzelne attraktive Gesellschaften wie den norddeutschen Metronom herauspicken. Wenn der französische Konkurrent SNCF zuschlägt, der wegen des protektionistischen Vorgehens in Frankreich als einer der ärgsten europäischen Konkurrenten gilt, müsse man damit leben, so Grube.

Kunden- und Qualitätsoffensive geplant

Im innerdeutschen Bahnverkehr will Grube nach den jüngsten Klima-Anlagen-Pannen eine „Kunden- und Serviceoffensive“ starten. Die Details sollen Mitte September vorgestellt werden. Es gehe um eine Vielzahl von Maßnahmen, etwa um die Information von Reisenden an den Bahnhöfen und in den Zügen zu verbessern und die Pünktlichkeit zu erhöhen.

Einen weiteren Schwerpunkt setzt der ehemalige Daimler-Vorstand auf die Technik. „Wir müssen unser Brot- und Buttergeschäft in Ordnung bringen“, sagte Grube unter Verweis auf die technischen Probleme bei den ICE-Achsen und die Neigetechnik-Zügen. Außerdem kündigte er an, die Investitionen in die Infrastruktur zu erhöhen. In den nächsten fünf Jahren will die Bahn pro Jahr rund acht Milliarden Euro investieren, in den vergangenen fünf Jahren waren es jeweils rund sechs Milliarden Euro. Von den insgesamt 41 Mrd. Euro gingen zehn Milliarden in neue Produkte wie die Erneuerung der IC-Flotte, der Rest in Infrastrukturprojekte wie das Projekt Stuttgart 21, das Grube erneut vehement verteidigte.

„Stuttgart 21 kommt gesamter Region zugute“

Der neue unterirdische Bahnhof sei 17 Jahre lang geplant worden, ein Ausstieg schon allein wegen der abgeschlossenen Finanzierungsverträge unmöglich. Die Neugestaltung komme nicht nur Stuttgart zugute, sondern beseitige einen Engpass im Verkehrsknoten für die gesamte Region, der durch den alten Kopfbahnhof bestehe. So werde sich durch den neuen Durchgangsbahnhof die Fahrtzeit von Stuttgart nach München auf unter drei Stunden verrringern, die Messe und der Flughafen Stuttgart werden an das ICE-Netz angebunden.

Ein Ausbau des alten Kopfbahnhofes sei illusorisch. Da seit 15 Jahren nicht mehr in die Technik und das Gleisvorfeld investiert worden sei, würde eine Instandsetzung alleine 1,8 Mrd. Euro kosten.

Erleichtert zeigte sich Grube, dass der Börsengang 2008 wegen der Finanzkrise nicht zustande kam. „Dann hätten wir jetzt eine weitere Baustelle mehr“, so der Vorstandschef. Auch zahlreiche Bahnmitarbeiter hätten sicherlich Aktien gekauft und nun wahrscheinlich Kursverluste realisiert. Neue Gedankenspiele über einen Börsengang könnten nach Meinung von Grube frühestens 2013 beginnen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats