Marktdruck erzwingt Einigung

Lufthansa-Manager Josef Bogdanski
Andreas Böttcher
Lufthansa-Manager Josef Bogdanski

Ab 1. März setzt Lufthansa das Entgelt für die Buchungen von Vorzugspreisen auf Null. Lufthansa-Manager Josef Bogdanski ist mit dem Ergebnis der Einigung mit Amadeus zufrieden.

Georg Jegminat

Reisebüros können ab 1. März die Lufthansa-Vorzugspreise über Amadeus ohne zusätzliche Entgelte buchen. Offenkundig wurde der Druck auf beide Seiten so groß, dass man sich noch vor dem Jahreswechsel einigen musste. Dabei betonen beide Seiten, man hätte noch weiter verhandeln können.

Über Details wollen sich weder Amadeus noch Lufthansa äußern, da Stillschweigen vereinbart sei. Doch es liegt auf der Hand, dass die Wirtschaftskrise eine Rolle gespielt hat. Amadeus hat im deutschen Markt nach Flugbuchungen mindestens zehn Prozentpunkte verloren. Außerdem soll die Amadeus IT Group an die Börse zurückkehren. Dafür ist ein offener Konflikt mit einem Gesellschafter und deshalb sinkenden Erlösen im GDS-Geschäft die falsche Begleitmusik.

Die Fluggesellschaften der Lufthansa-Gruppe wiederum können derzeit jede Buchung gebrauchen. Zu den möglichen Beeinträchtungen durch die Entgelte auf die LH-Vorzugspreise sagt Bogdanski kurz und knapp: "Wir haben mit dem Vorzugspreis-Programm keine kommerziellen Nachteile, sondern nur Vorteile gehabt."

Lufthansa muss nun auf jeden Fall vermeiden, dass bei einer langsam einsetzenden Erholung der Wirtschaft und der Flugnachfrage die Firmenkunden im Europa- und Langstrecken-Geschäft auf andere Airlines umgesteuert werden. "Die Reisebüros und die Firmenkunden haben nun für fünf Jahre Planungssicherheit", hebt er einen wichtigen Punkt hervor. Und er legt nach: "Außerdem können die Firmenkunden verringerte Preise erwarten, Amadeus hat – aus unserer Sicht – mit dem größten Airline-Ssystem Europas fünf Jahre GDS-Planungssicherheit und  schließlich hat die Lufthansa-Gruppe einen kommerziell vorteilhaften und langfristigen Vertrag mit Amadeus geschlossen."

Wie die Einigung tatsächlich aussieht, bleibt aber vorerst Geschäftsgeheimnis. Auf die Frage, ob man sich mit den Buchungskonditionen in der Mitte getroffen hat, antwortet Bogdanski: "Ein Treffen auf halben Weg wäre für uns ein schlechtes Ergebnis gewesen. Dann hätten wir noch ein weiteres Jahr weiter verhandelt."

Aus Richtung Amadeus ist zu vernehmen, dass man über die vereinbarten Konditionen nicht unglücklich sei. Offiziell sagt Amadeus' Executive Vice President Commercial, Philippe Chérèque: "Wir sind über diese Vereinbarung sehr erfreut." Daraus ist zu schließen, dass der Vertrag weniger teuer wird als zunächst befürchtet.

Da der Vertrag für fünf Jahre geschlossen wurde, gibt es auch eine Planungsperspektive, die potenziellen Aktionären im Rahmen eines Börsengangs vermittelt werden kann. Denn dabei sitzen Lufthansa und Amadeus wiederum in einem Boot. Beim Börsengang wollen beide einen guten Preis für die Aktien erzielen. Lufthansa profitiert als Anteilseigner schließlich direkt von diesen Verkaufserlösen. Dauer und Vehemenz dieser GDS-Verhandlungen sind in Europa ohne Beispiel.

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