Körperscannertest wackelt

ddp

Die Bundespolizei will ab Ende September in Hamburg zwei sogenannte Körperscanner testen. Doch jetzt gibt es Ärger: Der Lieferant der Geräte soll angeblich auch Streubomben herstellen.

Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" sollen die Scanner von der Firma L3 Communications Security and Detection Systems bezogen werden. Das Unternehmen aus den USA sei eine Tochterfirma des sechstgrößten US-Rüstungskonzerns L3 Communications, der laut der aktuellen Analyse einer Hilfsorganisation zu den weltweit noch sieben Herstellern international geächteter Streubomben gehöre. Komme es zur Vertragsauflösung für die Testgeräte, würde es teuer: Der Bund müsste in jedem Fall mit einer Vertragsstrafe rechnen.

Im Fall einer Geräterückgabe, würde sich zwangsläufig auch der Testlauf am Hamburger Flughafen verzögern. Bisher war geplant, dass zwei Scanner von L3 im September in Hamburg aufgestellt und dann ab Ende September etwa sechs Monate lang getestet werden sollten. Die Geräte sollten ursprünglich in bestehende Kontrolllinien eingebaut werden. Die Passagiere könnten dann frei entscheiden, ob sie die neuen Scanner oder die herkömmlichen Torsonden nutzen wollten, sagte der Geschäftsführer des Hamburger Flughafens, Michael Eggenschwiler, am Mittwoch.

Das Bundesinnenminsiterium habe bei der Wahl der Geräte darauf geachtet, dass sie nicht gesundheitsgefährdend seien und die Persönlichkeitsrechte der Reisenden gewahrt bleiben. Von Nacktscannern könne nicht die Rede sein. "Die Menschen werden auf den Bildschirmen nur als Strichmännchen dargestellt", so Eggenschwiler. Ein vollständiges Abtasten, wie heute oft notwendig, entfalle.

Es sei der richtige Weg, die neue Technologien erst zu erproben und nicht vorschnell einzuführen, sagte Eggenschwiler. "Uns ist ein gutgemachter Test mit klaren Ergebnissen lieber als eine schnelle Lösung", erklärte der Flughafen-Chef, der den Einsatz der Geräte begrüßt. Während der Testphase sollen sowohl die Passagiere als auch das Sicherheitspersonal befragt werden. Auch werde die Probephase zeigen, ob die Abfertigung der Passagiere länger dauert als bisher.

Erst nach Abschluss des Tests soll entschieden werden, «ob die Einführung von Körperscannern in Deutschland das Richtige ist», sagte der Flughafen-Chef. Entscheidend dafür sei die Zuverlässigkeit für den Betrieb eines Flughafens, die Sicherheit sowie die Akzeptanz bei den Passagieren. Der flächendeckende Einsatz der Technik in Deutschland ist frühestens von Mitte 2011 an vorgesehen.

Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr entschieden, die Einführung von Körperscannern zu prüfen. Auslöser war der vereitelte Sprengstoff-Anschlag eines Nigerianers auf ein US-Passagierflugzeug Ende 2009. Der Mann hatte den Sprengstoff in seiner Unterhose versteckt.

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