Köln kassiert jetzt

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Ab heute müssen Reisende in Köln eine Bettensteuer für Hotel-Übernachtungen zahlen. Fünf Prozent auf den Übernachtungspreis werden fällig. Andere Kommunen wie Hamburg und München wollen nachziehen.

Elf Millionen Euro will Köln dank der so genannten Kulturförder-Abgabe einnehmen. Gedacht sind die Gelder unter anderem für Stadtverschönerungsmaßnahmen (1,2 Mill. Euro), die Renovierung örtlicher Museen und Kulturbauten (2,6 Mill. Euro) sowie für die Finanzierung des Internationalen Tages der Städtepartnerschaften (50.000 Euro).

Bei der Stadt Köln dagegen gibt man sich zuversichtlich. Man habe die Zulässigkeit der Kulturförder-Abgabe "umfassend geprüft" heißt es in einer Mitteilung. Da auch andere Städte wie München oder Hamburg ähnliche Abgaben einführen wollen, sieht man sich auf der sicheren Seite.

Bis zu einer juristischen Klärung der umstrittenen Bettensteuer dürfte in jedem Fall einige Zeit vergehen. Bis dahin kommt auf Hotels und Reisende jedenfalls ein enormer Aufwand zu. "Systeme müssen angepasst, Personal speziell trainiert und Abläufe neu definiert werden", sagt Tom Tröbs, Koordinator der 18 von der Bettensteuer betroffenen Accor-Hotels in Köln. "Insgesamt ist das ein sehr hoher Aufwand bezüglich Zeit und Kosten."

Zumal noch viele Fragen ungeklärt sind. So gibt's es unterschiedliche Aussagen darüber, ob der fünfprozentige Aufschlag mehrwertsteuerpflichtig ist oder nicht. Beim Dehoga geht man davon aus, der Vertreter einer großen deutschen Hotelkette sieht dies anders. Für Streit dürfte auch die Frage sorgen, ob Hotelvermittler wie HRS oder Hotel.de für den Aufschlag Provision kassieren dürfen oder nicht. Einig ist sich die Branche allerdings in der Bewertung der neuen Abgabe. Gäste, so die allgemeine Befürchtung, werden aufgrund der zusätzlichen Belastung wegbleiben. "Die Bettensteuer stellt einen weiteren Wettbewerbsnachteil für den Kölner Tourismus dar", so Tröbs.

Geschäftsreisende können sich die Kulturförder-Abgabe in Höhe von fünf Prozent auf den Übernachtungspreis zwar erstatten lassen, doch einfach ist das nicht. So müssen die Reisenden innerhalb von vier Wochen einen Erstattungsantrag bei der Stadt Köln stellen. Dabei müssen sie schriftlich erläutern, weshalb die Kulturförder-Abgabe in ihrem Fall nicht greift, außerdem müssen sie dem Antrag die Original-Rechnung oder zumindest eine beglaubigte Kopie beifügen. "Das ganze ist eine Farce", findet dann auch Christa Degen-Kodinger, Travel Managerin des in Köln ansässigen Motoren-Herstellers Deutz.

Das Prozedere sei viel zu kompliziert und verursache nur zusätzliche Verwaltungskosten, kritisiert Degen-Kodinger. Zumal die Erstattungsbeiträge manuell den einzelnen Kostenstellen zugeordnet werden müssten. Sie vermutet Kalkül und wird wohl aller Voraussicht auf eine Erstattung verzichten. Die Organisatoren des Internationalen Tages der Städtepartnerschaften wird's freuen.

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