Im Alleingang nach London

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Die Deutsche Bahn drängt mit aller Macht nach London. Außer ab Frankfurt sollen die ICE spätestens von 2013 an auch ab Amsterdam an die Themse fahren. Für das DB-Management ist das ein echter Kraftakt.

Besondere Überraschung gestern: die DB plant nicht nur drei tägliche Dienste ab Frankfurt via Köln und Brüssel sondern will in Kombination dazu mit einem weiteren ICE-Flügelzug auch von Amsterdam via Rotterdam und Brüssel nach London fahren. Damit löst sich die Bahn erstmalig mit einem Fernzug komplett vom deutschen Heimatmarkt.

Noch ist unklar, mit welchem Vertriebskonzept die Deutsche Bahn in den Auslandsmärkten die Züge füllen will. Die Staatsbahnen der Niederlande und Belgiens sind bislang nicht als Partner im Boot. Auch in Großbritannien hat die DB keine heimische Bahn als Kooperationspartner, sondern etabliert sich im Alleingang als Konkurrent zur privaten Bahngesellschaft Eurostar, die mit zunehmendem Erfolg quasi stündlich London mit Paris sowie Brüssel verbindet.

Über Preise und Vertriebswege werde erst später entschieden, hieß es gestern knapp. Tatsächlich hat die Deutsche Bahn noch Zeit, ihre Vertriebs- und Produktstrategie zu verfeinern. Planmäßig sollen die neuen ICE-Dienste erst im Dezember 2013 starten. Ein früherer Start sei allerdings wünschenswert, sagte Bahnchef Rüdiger Grube. Nicht bestätigt aber auch nicht dementiert sind erste ICE-Dienste zu den Olympischen Spielen im Jahr 2012.

Ob das klappt, liegt primär an technischen Fragen. Noch sind die ICE3-Züge nicht für Fahrten durch den Eurotunnel zugelassen. Am Wochenende fanden erste Sicherheitsübungen statt. Damit die Deutsche Bahn die Zulassung bekommt, müssen die Sicherheitsbehörden für die Ärmelkanal-Unterquerung ihre Zulassungsbestimmungen ändern. Bislang verkehren im Eurotunnel nur Autozüge und der Eurostar, die jeweils eine Länge von 400 Metern aufweisen. Eine einzelne ICE3-Einheit kommt nur auf die halbe Länge und zudem ein anderes Antriebskonzept, das auf klassische Triebköpfe an den beiden Spitzen der Züge verzichtet. Derartige Auflagen seien veraltet, heißt es aus DB-Kreisen. Ob die Sicherheitsbehörde, die paritätisch von französischen und britischen Offiziellen besetzt ist, diese Ansicht teilt, ist noch offen.

Die Deutsche Bahn will für ihre London-Dienste 15 neue ICE3-Züge der neuen Baureihe 407 einsetzen, die von 2011 an bis Sommer 2012 ausgeliefert werden. Die DB investiert nach Angaben Grubes eine halbe Milliarde Euro in diese Züge.

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