Ein bisschen Freundlichkeit

Grußlosigkeit, Armlehnen-Kampf und Sitz-Domino: Mit guten Manieren ist es an Bord mitunter nicht weit her. Schade, findet BizTravel-Chefredakteur Oliver Graue.

Von Oliver GraueMeist beginnt er, sobald man sich hingesetzt hat – der Kampf um die Armlehne. Als wäre es selbstverständlich, nimmt der Mann auf dem Mittelsitz beide Lehnen für sich in Anspruch. Insgeheim hält er das für sein gutes Recht: Schließlich sitzt er eh schon "eingequetscht" zwischen zwei Mit-Passagieren. Ärgerlich? Naja, ein bisschen. Denn tatsächlich steht mir, der am liebsten direkt am Fenster sitzt, ein wenig mehr Platz zur Verfügung als ihm. Blöd nur die Selbstverständlichkeit, mit der mein Sitznachbar handelt. Ein kurzer Blick – freundlich fragend – hätte gereicht und man wäre sich einig geworden. Und wieso hat der Mann eigentlich nicht gegrüßt, als er sich neben mich gesetzt hat? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir fällt eine solche Wortlosigkeit ganz besonders auf, wenn ich von einer Geschäftsreise aus England, Amerika oder Skandinavien zurückkomme. Das freundliche "Hallo" gehört dort dazu – übrigens auch im Hotelfahrstuhl.Kann es sein, dass wir es manchmal nicht nur mit der Höflichkeit ein wenig zu locker nehmen, sondern auch eine gewisse Besserwisserei an den Tag legen? Ich meine wirklich: nur manchmal und in bestimmten Fällen. Denn von ausländischen Besuchern höre ich immer wieder, wie freundlich sie in Deutschland empfangen würden.Aber dieses "manchmal" stößt mir unangenehm auf, wenn sich Passagiere über den Applaus nach einer guten Landung lustig machen. Was wollen sie damit bezwecken? Dass sie "erfahrener" und cooler sind als andere? Eine sanfte Landung ist eine Leistung. Und wer klatschen will, der kann doch klatschen!Als ähnlich unangenehm empfinde ich das Gelächter über die englischen Ansagen der Zug-Schaffner. Getreu dem Motto: Oh, ist der doof! Der kann das "th" ja nicht mal richtig aussprechen! Und welch heftigen deutschen Akzent der hat! Unter uns gesagt: Kein Franzose und kein Engländer würde sich jemals die Mühe machen, ein deutsches Wort deutsch auszusprechen. Amüsieren tut sich darüber niemand.Eine für mich vordringliche Frage ist schließlich das berühmte Sitzlehnen-Domino im Flieger. Ein Reisender lastet seine Lehne bis zur äußersten Neigungsgrenze aus (es ist übrigens immer derjenige, der vor mir sitzt). Woraufhin seine Hintermänner oder -frauen rasch ihren Kaffee und ihre Füße retten müssen. Dabei hätte auch hier ein freundlicher Blick nach hinten genügt. Wobei: In diesem Punkt bin ich ein großer Freund eines irischen Billigfliegers. Dieser mag mit seinem Benehmen den Passagieren gegenüber auch nicht immer die Grundsätze der Höflichkeit befolgen, aber eines schätze ich sehr: Seine Sitze lassen sich nicht verstellen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats