Aufstieg aus einem tiefen Tal

Gähnende Leere: 2009 ging die Zahl der Geschäftsreisen zurück - jetzt steigt sie wieder.
iStockphoto
Gähnende Leere: 2009 ging die Zahl der Geschäftsreisen zurück - jetzt steigt sie wieder.

Die Geschäftsreisebranche erholt sich wieder von der Wirtschaftskrise. Großer Anlass zum Jubeln besteht aber nicht, wie die aktuelle Geschäftsreiseanalyse des VDR zeigt.

Martin Jürs

Überraschend sind die Negativ-Zahlen in der Geschäftsreiseanalyse nicht. Dafür ist die Branche in den vergangenen eineinhalb Jahren „im globalen Sturm der Konjunkturwellen“, so die Autoren in schönster Prosa, zu offensichtlich ins Schlingern geraten.Um in der Finanz- und Wirtschaftskrise Kosten zu sparen, haben die Firmen dabei zuerst auf Geschäftsreisen verzichtet. Ihre Anzahl ist – analog zu den Gesamtausgaben – um elf Prozent auf noch 145,1 Mill. zurückgegangen. Rechnet man den öffentlichen Sektor heraus, nahm die Zahl der Reisen sogar um 14,7 Prozent ab.

Außerdem wurde an der Dauer der Dienstfahrten geschraubt. So ist der Anteil der eintägigen Geschäftsreisen 2009 von 49 auf 51 Prozent gestiegen, während der Anteil der Reisen, die vier Tage und länger dauerten um drei Prozentpunkte auf noch 18 Prozent zurückgegangen ist. Für die Reisenden selbst, dürfte sich durch diese Verschiebung der Zeit- und Termindruck deutlich erhöht haben.

Große Auswirkungen auf die Gesamtkosten hat die verkürzte Reisezeit allerdings nicht gehabt. Denn die durchschnittlichen Ausgaben pro Geschäftsreise 2009 lagen mit 312 Euro auf dem Niveau des Vorjahres.Dies macht deutlich, dass die Sparpotentiale in den Firmen weitgehend ausgeschöpft sind. Viel günstiger lassen sich die Mitarbeiter wohl einfach nicht mehr auf Dienstfahrt schicken. Was auch zeigt, dass die Travel Manager und Reiseverantwortlichen bereits in den Jahren zuvor vielfach ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Wobei das Travel Management in der Krise mehr und mehr zur Chefsache geworden ist. Laut Studie kümmert sich mittlerweile in zwei Drittel aller Unternehmen die Geschäftsführung direkt um die Kernaufgaben des Geschäftsreisemanagements. Im Vergleich zu 2004 immerhin ein Anstieg von zehn Prozentpunkten. Daneben werden zusehends auch die Vorstands- und Chefsekretariate mit Aufgaben des Travel Management betreut.

Dass der Anteil der Firmen, in denen ausgewiesene Travel Manager für die Organisation der Dienstfahrten zuständig sind, im gleichen Zeitraum nur moderat von 27 auf 30 Prozent zugelegt hat, hängt vor allem mit der mittelständischen Struktur der deutschen Wirtschaft zusammen. Denn während es in über der Hälfte der größeren Unternehmen einen eigenen Travel Manager gibt, liegt diese Quote im Mittelstand lediglich bei zehn Prozent.

Gleichzeitig übernehmen die existierenden Geschäftsreisemanager immer mehr Aufgaben vor allem im operativen und administrativen Bereich. Insbesondere Reisekosten-Abrechnungen landen vermehrt auf ihrem Schreibtisch. Doch auch im Veranstaltungsmanagement und beim Abschluss von Geschäftsreise-Versicherungen sind sie zunehmend involviert. Der VDR sieht diese Entwicklung mit Unbehagen. Auch weil dadurch die Steuerung aller mobilitätsrelevanter Bereiche in einem Unternehmen auf der Strecke bleibt. „Hier scheint am falschen Ende gespart“ zu werden, so der Verband.

Mit Blick auf die Zukunft äußern sich die befragten Unternehmen und Travel Manager verhalten optimistisch. Immerhin rund ein Viertel der Befragten erwartet für 2011 ein steigendes Reisevolumen. Zwei Drittel gehen von einem stabilen Niveau aus. Wobei sich die Mehrheit der Reisenden auf dauerhaft verschärfte Reisebedingungen einrichten muss. Denn in 60 Prozent der von der Wirtschaftskrise betroffenen Unternehmen sollen die in den vergangenen eineinhalb Jahren eingeführten Reise-Restriktionen zunächst beibehalten werden.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats