Studie

"Entscheidungen in Gruppen sind häufiger rücksichtslos"

Professorin Nora Szech hat in einer verhaltensökonomischen Studie das unterschiedliche Entscheidungsverhalten von Gruppen und Einzelpersonen analysiert.
KIT
Professorin Nora Szech hat in einer verhaltensökonomischen Studie das unterschiedliche Entscheidungsverhalten von Gruppen und Einzelpersonen analysiert.

Wenn Gruppen gemeinsam entscheiden, fallen Entscheidungen deutlich rücksichsloser aus. Das beweist eine Studie der Professorin Nora Szech am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Stimmen Menschen gemeinsam ab, verwässert das Verantwortungsbewusstsein und das individuelle Votum verliert an Gewicht. In der Folge steigt die Gefahr erheblich, dass Gruppen und Gremien unmoralische Entscheidungen fällen und der Einzelne seine Überzeugungen über Bord wirft.

"Gruppen können zwar viele Perspektiven in ihre Entscheidungen einbeziehen, aber sie entscheiden auch deutlich rücksichtsloser und profitorientierter als Individuen, weil die einzelnen Mitglieder das Gefühl haben, selbst kaum noch verantwortlich zu sein", erklärt Professorin Nora Szech vom Lehrstuhl für Politische Ökonomie am KIT.

In einer verhaltensökonomischen Studie haben sie und ihr Team die Teilnehmer vor die Alternative gestellt, das Leben von Mäusen zu retten oder zehn Euro zu bekommen. Bei den Tieren handelte es sich um Labormäuse, die ohne die Studie alle getötet worden wären. Ergebnis: Individuell, außerhalb der Gruppe, entschied sich die Mehrheit für das Mäuseleben, in der anonymen Gruppenabstimmung siegte der Profit über die Moral.  Dieses Ergebnis bestätigte sich auch in einer Folgeerhebung, in der die Teilnehmer die Wahl hatten zwischen einer größeren Spende für krebskranke Kinder und einem Profit von zehn Euro.

"Eine solche Verwässerung von Verantwortung kann überall zum Problem werden – in Unternehmen, Parteien oder allen anderen gesellschaftlichen Institutionen und Gruppen", betont Szech. Um hier vorzubeugen, rät die Professorin dem Unternehmen zu klaren Definitionen, wer für was verantwortlich ist. Entscheidungsträger sollten möglichst individuell in der Verantwortung stehen. Es hilft zudem, auf den Charakter der Entscheider zu achten, denn manche Menschen tragen einen stärkeren moralischen Kompass in sich als andere, betont Szech. Sitzen nur "Machiavellisten" in der Chefetage, brauche es niemanden zu wundern, wenn moralische Aspekte ignoriert werden.
1 Kommentar
  1. Ingo Simandi
    Erstellt 7. Februar 2020 08:48 | Permanent-Link

    Da hat schon Le Bon "Psychologie der Massen. Paris 1895" drauf hingewiesen. Beim Lynchen kann man ein ähnliches Verhalten feststellen.

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