Forschung

Professor räumt mit Mythos "New Work" auf

Professor Carsten Schermuly beschäftigt sich seit zehn Jahren mit New Work.
SRH Hochschule
Professor Carsten Schermuly beschäftigt sich seit zehn Jahren mit New Work.

Was nennt sich nicht alles New Work: Großraumbüros, Kicker, Kreativ-Wokshops und Sinnsuche. Professor Carsten Schermuly von der SRH Hochschule Berlin räumt damit auf.

"New Work hat sich zu einem Containerbegriff entwickelt, in den jeder hineinwerfen darf, was er will", kritisiert Professor Carsten Schermuly. Er arbeitet seit zehn Jahren daran, die Wirkung von New Work wissenschaftlich zu belegen und hat dafür einen Fragebogen entwickelt. Damit können Unternehmen prüfen, ob ihre New-Work-Instrumente überhaupt wirksam sind. "New Work ist messbar", ist er überzeugt. Aktuell liegt der Fokus der meisten Unternehmen auf Strukturen und nicht auf Mitarbeitern, die in diesen Strukturen arbeiten müssen, kritisiert Schermuly. "Das halte ich für ein großes Defizit."

Für ihn geht es vielmehr um psychologisches Empowerment der Mitarbeiter. "Das ist die Messlatte für New Work", betont Schermuly. Doch meist seien Führungskräfte darauf konditioniert, alles im Griff zu haben und kontrollieren zu müssen. "Die Komplexität der Arbeitswelt bekommen Führungskräfte nicht mit mehr Kontrollen in den Griff", beobachtet Schermuly. Das mache Mitarbeiter nur hilfloser und die Probleme größer.

Im New-Work-Prozess müssten Führungskräfte eine neue Rolle lernen und annehmen. "Chefs müssen Macht weiterreichen, loslassen, stimulieren und schlicht auf die Selbstverantwortung der Mitarbeiter vertrauen", sagt der Wirtschaftspsychologe. Das falle vielen sehr schwer, weil es unter Mitarbeitern immer auch rund drei Prozent gibt, die Vertrauen missbrauchen. Schermuly: "Diese Fälle sollte man gleich von Anfang an mit einkalkulieren, statt die New-Work-Maßnahmen beim ersten kleinen Misserfolg zurückzuschrauben."

Wichtig seien auch verschiedene Wechselwirkungen beim Empowerment-Erleben: "Es hilft wenig, einen Job als total bedeutsam zu erleben und selbstbestimmt vorgehen zu können, wenn man sich nicht kompetent genug fühlt, die Aufgabe zu meistern. Dann sind wir nicht in der Lage, Freiräume proaktiv zu nutzen." Zudem sei die Arbeitsgestaltung nicht für jeden Mitarbeiter geeignet. "Manche Persönlichkeiten haben prinzipiell mehr Empowerment, andere kommen zum Beispiel mit kreativen Tools weniger klar."


Eine weitere zentrale Erkenntnis seiner Studien: "Empowerment ist ansteckend." Positiv, aber auch negativ: Wenn Führungskräfte aus einer höheren Hierarchieebene wenig Bedeutsamkeit, Kompetenz, Einfluss und Selbstbestimmung erleben, weil sie durch Bürokratie oder andere Umstände gegängelt werden, geben sie das an Abteilungs- und Teamleiter weiter – bis runter zu den Praktikanten. New Work werde so nicht funktionieren.


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2.
Wirklich seltsam
Erstellt 3. Februar 2020 18:08 | Permanent-Link

Das ist eine Interessante Frage, da sollte Prof. Schermuly bzw. fvw.de doch mal nachfragen!

1.
Seltsamer Artikel
Erstellt 28. Januar 2020 15:24 | Permanent-Link

Ja, stimmt. Alles ist heute New Work.
Hat Professor Schermuly nicht eigentlich 10 Jahre lang an Coaching geforscht? Wann ist ihm denn eingefallen, dass er eigentlich an New Work arbeitet?

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