Corona-Krise

So sollten Betroffene auf Kündigungen reagieren

Viele Beschäftigte fürchten in der Krise um ihren Arbeitsplatz. Wenn es zur Kündigung kommt, heißt es Fristen einhalten und den Neustart angehen.
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Viele Beschäftigte fürchten in der Krise um ihren Arbeitsplatz. Wenn es zur Kündigung kommt, heißt es Fristen einhalten und den Neustart angehen.

Mal trifft es Einzelne, mal Hunderte. Infolge der Corona-Krise verlieren immer mehr Touristiker ihren Job. Was Betroffene rund um Kündigung, Aufhebungsvertrag, Arbeitslosengeld und Meldefristen wissen sollten.

Die Streichliste wird immer länger: 60 Reisebüros von TUI Deutschland, 25 Prozent beim Portalbetreiber Booking.com, 100 Mitarbeiter bei Holidaycheck, 11.000 Stellen bei Lufthansa in Deutschland, 100 Arbeitsplätze beim Direktveranstalter Berge & Meer – plus die Kolleginnen und Kollegen bei FTI, DER Touristik und in Reisebüros.

"Der Arbeitsmarkt steht wegen der Corona-Pandemie unter Druck", sagt Daniel Terzenbach von der Bundesagentur für Arbeit (BA). Trotzdem gibt er sich optimistisch. Aktuell scheint der coronabedingte Anstieg bei der Arbeitslosigkeit gestoppt zu sein. So stieg die Arbeitslosenzahl im Juli nur leicht auf 2,91 Mio.

Das entspreche einer Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei das ein Plus von 1,3 Prozentpunkten. "Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat stärkere Anstiege der Arbeitslosigkeit verhindert", sagt Terzenbach.

Massive Kosteneinsparungen in der Touristik

In der Touristikbranche sieht die Situation jedoch ganz anders aus. Hier geht es um massive Kosteneinsparungen, und die sind vor allem über Personalabbau zu erzielen. Noch bis zur Krise wurden Fachkräfte umschmeichelt. Damit ist es vorerst vorbei.

"Für die meisten ist die Kündigung ein Schock", weiß denn auch Coach Kirsten Gahlen. Trotzdem gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Denn nach einer Kündigung heißt es: arbeitslos melden, Zeugnis anfordern, Lebenslauf aktualisieren.

Und auch wenn es schwer fällt: "Wer bis zum Ende der Kündigungsfrist ins Büro muss, sollte Emotionen zurückstellen, Aufgaben professionell erledigen und die verbleibende Zeit für sein Netzwerk nutzen", betont Carsten Schaefer vom Korn-Ferry-Institut. Folgende Punkte sollten Betroffene jetzt besonders beachten:

Kündigung oder Aufhebungsvertrag

Was ist der Unterschied zwischen Kündigung und Aufhebungsvertrag? Während eine Kündigung ein Arbeitsverhältnis einseitig beendet, geschieht dies bei einem Aufhebungsvertrag einvernehmlich. Das klingt zunächst netter, und viele Arbeitnehmer glauben, dass ein Aufhebungsvertrag besser ist als eine Kündigung, weil sie dann im Bewerbungsgespräch nicht offenlegen müssen, dass ihnen gekündigt wurde.

"Glauben Sie das nie", warnt Anwalt Hubert Menken von Arbeitsrecht-Online. Für Mitarbeiter habe so ein Vertrag in der Regel eher Nachteile. So führt ein Aufhebungsvertrag in den allermeisten Fällen zu einer Sperrzeit von mindestens zwölf Wochen beim Arbeitslosengeld.

Grundsätzlich müssen bei einem Aufhebungsvertrag die Voraussetzungen einer Kündigung nicht vorliegen, es gelten weder Kündigungsfristen noch Kündigungsschutz. Auch der Betriebsrat bleibt in diesem Fall außen vor.

Lassen Sie sich vom Arbeitgeber nicht überrumpeln: Aufhebungsverträge sind nämlich auch wirksam, wenn dem Mitarbeiter vor der Unterzeichnung keine Bedenkzeit eingeräumt wird. Einmal unterschrieben, kann der Vertrag nicht widerrufen werden.

Für Arbeitnehmer lohnt sich ein Aufhebungsvertrag normalerweise nur, wenn sie schon eine neue Stelle haben und es schneller als mit einer Kündigung gehen soll.


Meldefristen und Arbeitslosengeld

Melden Sie sich umgehend bei Ihrem zuständigen Arbeitsamt, rät der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Arbeitsagenturen und Jobcenter sind zurzeit in der Regel nur online und telefonisch erreichbar. Anträge auf Arbeitslosengeld können auch online gestellt werden (arbeitsagentur.de).

Entscheidend ist, dass Sie die Fristen einhalten: Nach der Kündigung müssen Sie sich innerhalb von drei Tagen arbeitslos melden. Sie sollten grundsätzlich "erwerbsfähig" sein und in den vergangenen 30 Monaten vor der Arbeitslosigkeit mindestens zwölf Monate lang versicherungspflichtig gearbeitet haben. Ist diese Anwartschaftszeit erfüllt, erhalten Sie mindestens sechs Monate Arbeitslosengeld.

Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach dem Nettogehalt. In der Regel erhalten Arbeitslose 60 Prozent ihres Nettoeinkommens. Menschen mit Kindern erhalten 67 Prozent.

Im Fall von Kurzarbeit wird das Arbeitslosengeld nach dem Gehalt berechnet, was ohne den Arbeitsausfall erzielt worden wäre. Um eine schnelle Orientierung zum Anspruch, zur Höhe des Arbeitslosengeldes und Dauer des Anspruchs zu bekommen, stellt die Bundesagentur für Arbeit (BA) online einen Rechner zur Verfügung.

Damit eine Kündigung rechtmäßig ist, muss sie jedoch sozial gerechtfertigt sein, so die Gewerkschaft. Dafür braucht es sachliche Gründe; "wegen Corona" reicht nicht. Daher sollten Sie die Kündigung in jedem Fall rechtlich überprüfen lassen, so der DGB. Wichtig: Eine Klage gegen die Kündigung muss innerhalb von drei Wochen beim Arbeitsgericht eingehen.

Arbeitszeugnis und Lebenslauf

Achten Sie auf ein Arbeitszeugnis, das Erfolge klar ausweist, rät Berater Carsten Schaefer vom Korn-Ferry-Institut. Viele qualifizierte Arbeitszeugnisse erfüllen nur die Mindestanforderungen: Sie beschreiben Aufgaben und bewerten wohlwollend die Arbeitsleistung.

"Um Ihr Arbeitszeugnis wertvoller zu machen, setzen Sie sich gemeinsam mit Ihren Vorgesetzten und der Personalabteilung hin und bitten Sie darum, auch Ihre wichtigsten Erfolge aufzuführen", sagt Schaefer. Das könne die erfolgreiche Einführung eines neuen IT-Systems oder das Erreichen von fünf neuen Zielgruppen durch eine innovative Marketing-Kampagne sein. Sehr hilfreich seien auch persönliche Empfehlungsschreiben von Führungskräften, die nicht Bewerter im Arbeitszeugnis sind.

Zudem sollte der Lebenslauf aktuellen Standards angepasst werden, rät Schaefer. Seine Tipps: Stellen Sie auch hier Ihre Erfolge in den Vordergrund, nicht nur Ihre Aufgaben. Verzichten Sie auf zu viele Details – der Lebenslauf sollte maximal drei Seiten umfassen.

Passen Sie die Inhalte spezifisch einer möglichen Position, Unternehmung und derjenigen Person an, bei der Sie sich bewerben. Versetzen Sie sich in deren Perspektive: Was muss sie von Ihnen wissen, um Interesse an einem Gespräch mit Ihnen zu entwickeln.

"Aber", sagt Schaefer, "verlassen Sie sich nicht zu sehr auf Ihren Lebenslauf!" Er sei ein wichtiger Baustein vor einem Bewerbungsgespräch. Nicht mehr, nicht weniger. In dieser Situation sei vor allem Direktvertrieb in eigener Sache gefragt: "Rufen Sie an, nutzen Sie Ihre Netzwerke!"

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