Chancengleichheit

Absolventinnen rechnen mit geringeren Einstiegsgehältern

Warten auf das Vorstellungsgespräch: Uni-Absolventinnen fordern weniger Geld als ihre männlichen Akademiker-Kollegen.
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Warten auf das Vorstellungsgespräch: Uni-Absolventinnen fordern weniger Geld als ihre männlichen Akademiker-Kollegen.

Seit vielen Jahren untersucht McKinsey, was die Chancengleichheit von Männern und Frauen im Beruf hemmt und was sie fördert. Eine Umfrage unter 7000 Studierenden zeigt nun, dass die Gehaltserwartungen von Frauen immer noch deutlich niedriger sind als die der Männer – selbst unter Top-Absolventen.

Männer rechnen bei ihrem Berufseinstieg mit einem Jahresgehalt von rund 62.000 Euro, Frauen mit 50.000 Euro. Das entspricht fast der viel diskutierten Gender Pay Gap von 21 Prozent. Julia Klier, Partnerin bei McKinsey und Junior-Professorin an der Universität Regensburg, versucht, die Zaghaftigkeit selbst unter Top-Studentinnen zu begründen. Denn befragt wurden nur Mitglieder des von McKinsey und Partnern gesponsorten Netzwerks E-Fellows, welches nach eigenen Angaben nur Top-Studenten aufnimmt.

Zu 50 Prozent erklären für Klier Studienfach, bevorzugte Branchen und Karrierewünsche die Unterschiede im erwarteten Gehalt. "So lange Frauen häufiger Geisteswissenschaften wählen als MINT-Fächer und Branchen wie Gesundheitswesen oder Konsumgüter den Tech-Unternehmen vorziehen, ist es nachvollziehbar, dass sie sich an ihrem Umfeld orientieren."

Zudem zeige die Studie, wie sehr sich Karrierewünsche immer noch unterscheiden. "Junge Frauen ziehen Fachkarrieren einer Führungsposition vor. Planbare, stabile Karrieremöglichkeiten sind ihnen wichtiger als steilere, schnellere, vielleicht auch riskantere Wege." Gleiches gelte für das Gehalt. Männer präferieren eher die erfolgsabhängige, außertarifliche Vergütung. "Dennoch bleibt ein Teil der Differenz von 12.000 Euro unerklärlich und hat immer noch mit Sozialisation, Selbstbewusstsein und Einschätzung der eigenen Kompetenzen zu tun", sagt Klier.

Wie sollen Arbeitgeber damit umgehen? "Sie sollten konsequent bei gleichen Chancen und gleicher Bezahlung für alle bleiben und – nur wenn nötig – weitere Anreize setzen", meint Klier. "Die junge Generation legt viel Wert auf Fairness und Sinnhaftigkeit." Mehr Transparenz bei der Bezahlung trage zum Employer Branding bei. "Ich hoffe sehr, dass sich die Diskussion um Gehalt weiter enttabuisiert. Wer seine hoch ausgebildeten Fähigkeiten einem Arbeitgeber zur Verfügung stellt, für den sollte es kulturell möglich sein, die Gehaltshöhe offen zu diskutieren", sagt Klier. "Die Studie zeigt, dass das Gehalt für beide Geschlechter eine wichtige Rolle spielt. Daher frage ich mich, warum die Forderung der Frauen nicht eine andere ist. Besser als in dem aktuellen positiven Arbeitsumfeld, wird es nicht mehr."

Dieser Artikel stammt aus der ebenfalls im Deutschen Fachverlag erscheinenden Lebensmittel Zeitung.

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