Allbright-Bericht

Karriere-Frauen leiden unter der Krise

Die Grafik zeigt den Frauenanteil in den Vorständen der jeweils 30 größten Unternehmen im nationalen Leitindex am 1. September 2020 im Vergleich zum Vorjahr.
Allbright Stiftung/fvw
Die Grafik zeigt den Frauenanteil in den Vorständen der jeweils 30 größten Unternehmen im nationalen Leitindex am 1. September 2020 im Vergleich zum Vorjahr.

In der Pandemie setzen deutsche Konzerne vermehrt auf Männer in Führungsriegen. Der Frauenanteil in den deutschen DAX-Vorständen sinkt erstmals seit Jahren, während er im Ausland steigt.

Mehr denn je wird in Krisenzeiten im Management umstrukturiert. Vorstände werden verkleinert, Posten neu besetzt. Doch statt auf Neuanfang setzen deutsche Konzerne auf Gewohntes – auf Männer. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Jahresbericht der Allbright Stiftung. "Das ist ein kurzsichtiger Reflex", kommentieren das die Geschäftsführer Wiebke Ankersen und Christian Berg. Die deutsch-schwedische Stiftung, die sich für Diversität in Führungspositionen einsetzt, untersucht jährlich den Frauenanteil zum 1. September in den Vorständen der DAX-30-, M-DAX- und S-DAX-Unternehmen.


„In der Krise auf vertraute Männermannschaften zu setzen ist ein kurzsichtiger Reflex, der sich in Zukunft rächen wird.“
Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der Allbright Stiftung


Im Krisenjahr 2020 sieht es für Top-Managerinnen in Deutschland schlecht aus. Seit September 2019 haben sich deutsche Konzerne viel häufiger als in den Vorjahren von Vorstandsfrauen verabschiedet. Ihr Anteil in den 30 DAX-Unternehmen sei erstmals seit Jahren wieder geschrumpft und liegt aktuell bei 12,8 Prozent. Die Zahl der DAX-Unternehmen ohne Frau im Vorstand sei von sechs auf elf hochgeschnellt. "Das ist eines fortschrittlichen westlichen Industrielands nicht würdig", kritisiert Ankersen.



Auch in den Führungsetagen der Touristikkonzerne dominieren nach wie vor Männer. Die Pandemie macht deutlich, dass Vielfalt an deutschen Unternehmensspitzen längst nicht fest verankert ist. Laut Allbright-Bericht stehen sie im internationalen Vergleich noch schlechter da als in den Vorjahren, denn in anderen westlichen Industrieländern wurden die Vorstände deutlich weiblicher. In den USA, Großbritannien, Schweden, Frankreich und Polen wurden in der Krise kontinuierlich vielfältigere Führungsteams aufgebaut. Ankersen: "Hier ist der notwendige Modernisierungsschub längst in vollem Gange, der in Deutschland fehlt."

Es sei längst nachgewiesen, dass vielfältige Teams durch die unterschiedlichen Perspektiven innovativer und kreativer sind. "Die aktuelle Entwicklung ist ein strategischer Nachteil für den Standort Deutschland, der alarmieren sollte", sagt Ankersen. Den Einwand, dass es an qualifizierten Frauen fehle, lässt Ankersen nicht gelten. Hierzulande gebe es genug gutqualifizierte Frauen. Sie hofft, dass der Rückgang nur eine Delle ist: "Wenn Konzerne wieder mehr die Zukunft im Blick haben, werden sie sich vielfältiger aufstellen."


Hier geht es zum Bericht 2020
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