Protestübersicht (mit Galerie und Video)

Reiseverkäufer gehen für Soforthilfen auf die Straßen

Safety first: Die Maske dient bei der Demo der Minimierung der Ansteckungsgefahr, ist aber auch ein Mode-Accessoire.
fvw/privat
Safety first: Die Maske dient bei der Demo der Minimierung der Ansteckungsgefahr, ist aber auch ein Mode-Accessoire.

Alle für einen und einer für alle: Tausende Reiseverkäufer demonstrierten bundesweit für finanzielle Soforthilfen. "Rettet die Reisebüros!" hallte es vor dem Hamburger Rathaus.

Es ist fünf vor zwölf und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bundesweit gab es um diese Uhrzeit am Mittwoch in zahlreichen Städten Kundgebungen und Protestaktionen von Reisebüro-Mitarbeitern. Sie wollen damit auf ihre prekäre Lage in der Corona-Krise aufmerksam machen und fordern Unterstützung vom Staat.

Reisebüros: Weitere Bilder der deutschlandweiten Protestaktionen



"Wir müssen an einem Strang ziehen", sagt Gabriele Kausche von der Reiselounge Hamburg. In 48 Stunden hatte sie die Demonstration in Hamburg auf die Beine gestellt, 25 Teilnehmer wurden genehmigt. "Es ging alles ganz schnell: Diese neue Solidarität unter den Reisebüros ist der Hammer", freut sie sich. Mit Liegestühlen, Plakaten, aufgepusteten Fliegern und selbstgesbastelten Rettungsschirmen machte die Gruppe vor laufenden Fernsehkameras auf die Not der Reisebüros aufmerksam. "Viele Kunden wissen gar nicht, dass wir im Moment umsonst arbeiten", sagt Kausche und stampft mit ihrem Koffer auf den Boden.

In Köln etwa haben sich 20 Reisebüro-Mitarbeiter mit Plakaten, leeren Koffern und Liegestühlen vor der imposanten Kulisse des Kölner Doms versammelt, um auf ihre existenzbedrohende Lage durch die Corona-Krise aufmerksam zu machen. Durch die Krise wurde die Teilnehmerzahl in den meisten Städten stark begrenzt.

Überblick: So liefen die Protestaktionen in ganz Deutschland



Mit dabei in Köln ist auch Jens Kamp vom Reisebüro Artz Reisen in Rheinberg. "Es fühlt sich merkwürdig an hier zu stehen, aber ich bin mir sicher, dass es etwas bewirken wird", sagt der Büroleiter. Zwar sei es beinahe gespenstisch, wie leer der Domplatz sei, aber die wenigen Passanten, die vorbeikämen, blieben stehen, fotografierten und fragten nach. "Wir erklären immer wieder, warum wir heute hier stehen, vielen ist unsere Lage gar nicht bewusst", sagt Kamp.

In Dresden fährt indes ein Buskonvoi durch die Stadt, in Kiel tanzen Reiseprofis vor dem Landtag zu lauter Musik und am Flughafen Paderborn-Lippstadt haben sich Expis mit ihren Autos und Plakaten in einem Halbkreis positioniert. An allen Aktionen lassen die Reisebüro-Mitarbeiter ihre Kollegen in den sozialen Medien teilhaben. Auf Facebook posten Expis zahlreiche Fotos und Videos von ihren Aktionen und auf der eigenes dafür eingerichteten Instagram-Seite @rettet_die_reisebueros trudeln auch immer mehr Bilder ein.

Michael Faber auf Reisebüro-Demo in Koblenz


In Nürnberg ist sogar ein wahrer Presseauflauf von Radio- und Fernsehsendern zu beobachten. Und das ist genau das, was das Aktionsbündnis "Wir zeigen Gesicht! Rettet die Reisebüros – rettet die Touristik!" mit der Aktion bezwecken will: Mehr Aufmerksamkeit in den Medien, die den Weg in die Politik ebnet und den Reisebüros dort Gehör verschafft. Denn: Die Reisebüro-Mitarbeiter fordern finanzielle Soforthilfen, damit sie eine Chance haben die Corona-Krise zu überstehen.

Die Demonstration in Hannover gehört zu den Größten, hier sind knapp 200 Teilnehmer dabei. In Kiel wurden zwar nur 30 Teilnehmer zugelassen, der Protest ist aber trotzdem lautstark. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz sei der einzige Politiker gewesen, der mit den Kollegen gesprochen habe, sagte Reiseverkäufer Dietmar Rauter, der ebenfalls vor Ort ist. "Versprechen wollte er nichts, wortwörtlich sagte er, dass er prüfen müsse, ob er aus einem 'besonderen Etat' noch Mittel abzweigen könne", erzählt Rauter.

Die Proteste sollen noch den ganzen Tag weitergehen, "wir bleiben so lange wie es nötig ist", sagt Reiseverkäufer Jens Kamp in Köln.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

10.
Maria S.
Erstellt 30. April 2020 21:38 | Permanent-Link

Muss es erst zu kollektivem Suizid kommen? Man nimmt uns wirklich alles ! Wer Vollblut-Touristiker(in) ist, dem wird gerade ein großes Stück aus dem Herzen gerissen!
Die Herren und Damen Regierenden sollen endlichaufwachen und kapieren, welches Leid hier verursacht wird.
Man nimmt einer ganzen Branche die Existenz. Dies nicht nur für ein paar Wochen, sondern für mindestens 18 Monate. Wir haben doch alle gut Steuern bezahlt, oder? Vermutlich rechnet man damit, dass sich das Problem durch oben angsprochene Maßnahme von alleine löst.

9.
Stephanie Partes
Erstellt 30. April 2020 14:11 | Permanent-Link

Da kann ich mich nur anschliessen, es wäre so wichtig, jetzt nicht noch weiter tote Zeit an das Thema zu verschwenden!
Hoffentlich wird das nun allgemein erkannt und: Fehler machen ist ok, dann dazu stehen würde Größe zeigen und das brauchen wir momentan, auch solche Aktionen etc.

8.
Andrea Brückner
Erstellt 30. April 2020 14:02 | Permanent-Link

Nur der Deutsche Reise_Rettungsfonds "DRRF" wird das Überleben der Reisebüros ermöglichen! Wie enttäuschend, dass niemand unserer "Vertreter" die falsch lagen und immer noch glauben, die EU wird gegen Verbraucherinteressen entscheiden, den Mumm hat, zuzugeben, dass die geforderten Gutscheine ein großer Fehler waren, was jetzt dazu führt, dass es umso länger dauert, bis der "DRRF "hoffentlich ins Leben gerufen wird. Der VUSR hat hier rasch erkannt, dass Gutscheine dem Vertrieb nichts bringen und auch die Veranstalter erhalten dadurch nur kurzfristig Kapital, wenn die Gutscheine eingelöst werden, folgt die Pleite, wenn jetzt schon kein Geld da ist und man nur überleben kann, wenn man kurzfristig vom Kunden das Geld erhält. Das war ein Fehler, schade, dass man das nicht zugeben kann und jetzt den VUSR unterstützt. Es wäre als menschliche Größe zu werten, wenn man öffentlich einen Fehler zugibt, das Ruder herumreißt und jetzt gemeinsam mit dem VUSR einen Weg geht, der uns rettet.

7.
Axel Keller
Erstellt 30. April 2020 12:06 | Permanent-Link

Vielen Dank an alle Reisebüro-Kollegen für Euren Einsatz!

6.
Manfred Pues
Erstellt 30. April 2020 10:12 | Permanent-Link

Die Situation für die Reisebüros ist dramatischer als man auf den ersten Blick erkennen kann. Durch die Mehrfachbearbeitung der
Buchungen 2020 kann die Kurzarbeit nicht voll in Anspruch genommen werden. Damit sammeln sich durch die laufenden
Kosten bis Ende des Jahres nicht mehr vertretbare hohe Schulden an.
Unausdenkbar, wenn dann das Jahr 2021 auch noch nicht wieder
" normal " läuft und zusätzlich die Rückforderungen der Provisonen der Veranstalter kommen, es wird das Ende sehr
vieler Reisebüros sein. Hoffentlich hat unser Wirtschaftsminister
Herr Altmeier diese Situation richtig erkannt. Ohne Hilfe geht es nicht ! 1000 Dank für die Demos ! Bitte mehr Druck durch die großen Reisebüro-Organisationen; ein Brief ist da nicht sehr effektiv.

5.
Dietmar Rauter
Erstellt 30. April 2020 08:37 | Permanent-Link

@Alexander
Gruß zurück in den Süden. Es muß ja nicht AIDA sein. Hier auf der Förde ist viel Platz für eine Hochzeit unter weißen Segeln (und ohne Visum) . Einen Standesbeamten mit Kapitänsmütze würde ich wohl auch noch auftreiben. Für alles 'drum rum' helfe ich gern weiter, auch ohne eigenes Boot und Neigung zur Seekrankheit.

4.
Gerd Laatz
Erstellt 30. April 2020 08:25 | Permanent-Link

Toll! wir bringen den Konzernen 80% des Umsatzes - das muss bekannt gemacht und VOR ALLEM honoriert werden! Arbeit kostet Geld. Besonders nach der Krise muss sich ALLES grundlegend ändern. @Andreas Steif in Facebook sind die Gruppen für die Demo/s

3.
Andreas Steif
Erstellt 29. April 2020 19:17 | Permanent-Link

Hallo miteinander und zunächst natürlich auch 1000 Dank! Ich wusste gar nichts von der Aktion, sonst hätte ich mich auch beteiligt! Wie kann man(n) helfen? ! Diese Krise (bzw. das, was daraus gemacht wird) wird für viele kleine Unternehmen am Ende die Insolvenz bedeuten und den Verlust von vielen, vielen Arbeitsplätzen. Ob das wirklich allen handelnden Akteuren in der Politik bewußt ist? Oder sind wir so unwichtig, dass es ihnen egal ist? Jedenfalls: DANKE!

2.
Beate Schaaf
Erstellt 29. April 2020 18:58 | Permanent-Link

Heute waren die kleinen Unternehmen ganz groß(artig) - vielen Dank an alle Organisatoren die sich eingesetzt haben!!!!

1.
Alexander Wacker
Erstellt 29. April 2020 17:42 | Permanent-Link

Danke liebe Kollegen, dass ihr euch für uns alle einsetzt! Und ein Gruß an Dietmar Rauter, der augenscheinlich schreiben UND handeln kann.

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