Studie zu Corona-Auswirkungen

Urlaub ist für Deutsche eine der geringsten Sorgen

In Zeiten von Corona gehen die meisten auf Abstand und bewegen sich deutlich weniger in der Welt als sonst.
Orbon Alija / Gettyimages
In Zeiten von Corona gehen die meisten auf Abstand und bewegen sich deutlich weniger in der Welt als sonst.

Ein Start-up aus Hamburg, das Marktforschungsergebnisse innerhalb weniger Stunden generiert, hat nun eine Verbraucherstudie zu den aktuellen Folgen der Corona-Krise im Alltag durchgeführt. Die Ergebnisse zeichnen kein gutes Bild für die Touristik.

Das Marktforschungsinstitut Appinio hat in einer aktuellen Studie zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf den Alltag und das Konsumverhalten der deutschen Bevölkerung untersucht. Teilaspekte davon waren auch Bereiche, die für die Touristik relevant sind.

Abgefragt wurde beispielsweise, inwiefern verschiedene öffentliche Verkehrsmittel aufgrund der aktuellen Gesamtlage als sicher empfunden werden.

Die Ergebnisse
Als (überhaupt) nicht sicher in Bezug auf Corona eingeschätzt werden von den Befragten:
  • Flugzeuge: 80 Prozent
  • U- und S-Bahnen: 79 Prozent
  • ICE/IC/Regio-Züge: 76 Prozent
  • Busse: 76 Prozent
  • Schiffe/Fähren: 74 Prozent
  • Ride-, Carsharing und Taxis: 58 Prozent
Die Konsumstudien Corona zum Download
Teil III vom 03.04.:  Druckversion herunterladen (PDF)
Teil II vom 27.3.: Druckversion herunterladen (PDF)
Teil I vom 19.3.:  Druckversion herunterladen (PDF)


Fortbewegungsmittel ohne oder mit wenig Fremdkontakt nehmen die Befragten hingegen als deutlich sicherer wahr, wie das Fahren im privaten PKW (80 Prozent), Zufußgehen (52 Prozent) und Fahrradfahren (49 Prozent).

Wenig überraschend ist, dass ein Großteil der Befragten angab, nun weniger Urlaub zu machen (62 Prozent) und weniger Städtetrips zu unternehmen (60 Prozent). 31 Prozent aller Befragten haben aufgrund der Corona-Krise eine Reise verschoben – 15 Prozent davon freiwillig, 16 Prozent waren dazu gezwungen.

19 Prozent gaben hingegen an, ihre geplante Reise nicht verschoben oder abgesagt zu haben. Von den Personen, die überhaupt eine Reise geplant hatten (50 Prozent der Befragten), haben 63 Prozent diese Reise abgesagt oder verschoben. Davon hat die Hälfte die Reise freiwillig gecancelt, die andere Hälfte wurde dazu gezwungen. Die weiteren 37 Prozent haben ihre Reise wie geplant angetreten. 

Gesundheit und Konjunktur wichtiger als Urlaub

Trotz des nur durchschnittlichen Zufriedenheitswertes mit der aktuellen Situation in Bezug auf Reisen (2,99 von 6 Punkten) wird in der Studie deutlich: Reisen und Urlaub sind nicht die Aspekte, die die Deutschen aktuell umtreiben. So gaben nur 13 Prozent der Studienteilnehmer an, wegen verringerter Reisemöglichkeiten (zum Beispiel gestrichene Flüge) besorgt zu sein.

Diese Bedenken fallen damit in die Kategorie "Kleinste Sorgen". An erster Stelle bei den "Größten Sorgen" steht die mögliche Ansteckung von Angehörigen und Freunden mit dem Coronavirus (50 Prozent), gefolgt von Massenpanik (40 Prozent) und langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen (37 Prozent).

Auch zählen Urlaube zu den Käufen, die mit am ehesten wegen der Corona-Pandemie aufgeschoben werden (Platz 3 im Ranking), nur übertroffen von der Anschaffung eines Fernsehers (Platz 2) und vom Autokauf (Platz 1). 

Die Studie soll laut Appinio in den folgenden Wochen regelmäßig neu erhoben werden, um Zeitverlaufsdaten abbilden zu können. Bei der zugrunde liegenden Methodik handelt es sich um einen mobilen Fragebogen mit 34 Fragen, der über die Appinio-App ausgespielt wird.

Die Feldzeit der aktuellen Erhebung waren der 17. und 18. März. Teilgenommen haben 2500 Personen in Deutschland – 1251 Männer und 1249 Frauen – zwischen 16 und 65 Jahren. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug 40,7 Jahre.

Über ein Dashboard können die Ergebnisse der Studie im Real-Time-Verlauf auf der Unternehmens-Website eingesehen werden. Die Zusammenfassung der Studie gibt es als pdf.

Teil II der Erhebung

Appinio führte vom 23. bis 24. März eine zweite Erhebungswelle durch, diesmal mit 500 Männern und 500 Frauen von gleichem Durchschnittsalter wie auch davor (40,7 Jahre). Diese ergab unter anderem, dass die Sorge um verringerte Reisemöglichkeiten unverändert bei 13 Prozent liegt. Die Zufriedenheit mit der aktuellen Situation zu Reisen und Urlaub hat sich leicht verschlechtert, von 2,99 auf 2,71 von 6 Punkten.

Öffentliche Verkehrsmittel meiden jetzt 57 statt wie bisher 50 Prozent der Befragten. Die Wahrnehmung von Verkehrsmitteln als (überhaupt) nicht sicher ist nochmals gestiegen:
  • Flugzeuge: 85 Prozent (+5)
  • U- und S-Bahnen, Tram: 81 Prozent (+1)
  • Regio/ICE/ICE: 81 Prozent (+5)
  • Busse: 80 Prozent (+4)
  • (Kreuzfahrt-)Schiffe/Fähren: 80 Prozent (+6)
  • Carsharing: 65 Prozent (+6)
  • Ridesharing: 64 Prozent (+5)
  • Taxi: 64 Prozent (+6)
69 Prozent (+7) gaben nun an, seltener Urlaube zu machen, 66 Prozent, dass sie seltener Kurzreisen oder Städtetrips unternehmen (+6). 36 Prozent haben Reisen abgesagt (vorher 31 Prozent), davon 20 Prozent gezwungenermaßen (vorher 16 Prozent).

Generell waren die Deutschen laut der zweiten Erhebung noch besorgter um ihre Gesundheit als in der Woche davor (42 statt vorher 35 Prozent). Die Sorgen stiegen in allen Altersgruppen, vor allem aber bei den Befragten von über 55 Jahren, die ohnehin schon am besorgtesten waren (55 statt vorher 44 Prozent).

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