Nach der Cook-Insolvenz

DRV-Präsident fordert höhere Pauschalreise-Absicherung

Norbert Fiebig ist Präsident des Deutschen Reiseverbands.
DRV/Christian Wyrwa
Norbert Fiebig ist Präsident des Deutschen Reiseverbands.

Der Präsident des Deutschen Reiseverbands DRV, Norbert Fiebig, will sich nach der Insolvenz von Thomas Cook für eine bessere Absicherung von Pauschalreisen einsetzen. "Wir sind gemeinsam gefordert, Lücken im bestehenden Sicherungssystem zu schließen", sagt Fiebig.

Angesichts der Thomas-Cook-Pleite will der DRV Pauschalurlauber künftig besser absichern. "Dafür müssen wir das System der Kundengeld-Absicherung für die organisierte Reise zukunftssicher und wirtschaftlich tragfähig machen", so Fiebig in einem Interview für die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Politik, Versicherungen und Reisewirtschaft müssten hier eine Lösung finden.

Mehr Schutz als heute "wird sicherlich mit höheren Kosten verbunden sein, die unabhängig von der Konstruktion zukünftiger Sicherungssysteme die Reisen für den Kunden verteuern werden", sagte Fiebig aber in Richtung der Reisenden.

Die Haftung bei Pleiten von Reiseveranstaltern ist in Deutschland auf 110 Mio. Euro beschränkt. Diese Summe wird bei Thomas Cook nach Angaben des Versicherers Zurich wohl nicht ausreichen. Sprich: Aller Voraussicht nach wird es Kunden geben, die trotz Sicherungsschein die Kosten für ihre gebuchten und nicht angetretenen Reisen nicht zu 100 Prozent erstattet bekommen werden.

Thomas Cook in Deutschland hatte am 25. September Insolvenzantrag gestellt, nachdem zuvor die britische Muttergesellschaft in die Insolvenz gerutscht war. Zunächst bis Ende Oktober sind alle Reisen der deutschen Cook-Marken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin abgesagt.

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  1. Guido Borde
    Erstellt 8. Oktober 2019 09:38 | Permanent-Link

    2017 hat sich der DRV noch ausdrücklich gegen ein Veränderung des Insolvenzschutzes eingesetzt. Aber was interessiert mich mein Geschwätz von gestern....

  2. Rainer Maertens
    Erstellt 8. Oktober 2019 12:45 | Permanent-Link

    Das System mit 110 Mio hat bisher funktioniert. Ob JT, GTI, Unister, Deilmann oder Transocean, kein Kunde hatte sein Geld verloren. Nur ist das aktuelle System nicht für Grossveranstalter ausgelegt. Da muss nachgelegt werden. Aber ich befürchte, dass letztendlich die Mittelständler die Zeche der Großen bezahlen müssen.

  3. Ibrahim Attalla
    Erstellt 8. Oktober 2019 15:11 | Permanent-Link

    Als ob das alles nicht bekannt war!
    Herr Fiebig war überrascht.....

  4. Deniz Ugur
    Erstellt 8. Oktober 2019 15:25 | Permanent-Link

    Diese 110 Mio Deckelung hat nur den grossen VAs gedient damit Ihre Prämie nicht zu teuer wurde. Für die kleineren und mittleren VAs hat die Summe in der Vergangenheit gereicht und würde auch in der Zukunft ausreichen. Aber ja, da stimme ich Herrn Maertens zu wahrscheinlich wird künftig die Umlage schön gleich verteilt von allen getragen.

  5. Reimar Lange
    Erstellt 8. Oktober 2019 15:53 | Permanent-Link

    ....es tut im Kopf weh wenn man die holen Worte Reiserecht und Sicherung für die Kunden hört.....
    Im Endeffekt sind wir die Leidtragenden als Reisebüro und der über den Tisch gezogene Kunde...
    Was für eine Lobby muß es geben das Politiker sich derart kaufen lassen oder die Frage wie Politiker ihren Job machen.....wenn wir so arbeiten würden würde es uns schon lange nicht mehr geben...
    Und zum Sicherungsschein gesagt: Ware gegen Leistung und wenn das nicht geht nur gegen 100ige Absicherung was kein Problem versicherungstechnisch darstellt....es kann und darf nicht sein das der Kunde auf der Strecke bleibt...wenn einer im Haftungsjahr 500 Millionen bucht dann muß er auch 500 Millionen versichern...

  6. Walter Krombach
    Erstellt 8. Oktober 2019 17:43 | Permanent-Link

    Stellungnahme des DRV von 2017 (S.3): https://www.bundestag.de/.../d56c5bbb.../drv_fiebig-data.pdf

  7. Egon Dobat
    Erstellt 8. Oktober 2019 23:08 | Permanent-Link

    Wenn man Flüge und manche Pauschalreisen nicht monatelang im Voraus bezahlen müsste, wäre der Schaden signifikant geringer. Man darf es gesetzlich nicht zulassen, dass die eine Seite konzertiert ungerechtfertigt hohe Vorauszahlungen fordert und diese die Anzahlungen im laufenden Geschäftsverkehr verbraucht. Mehr noch, dass die Lieferanten, d.h. Hotels und Agenturen immer später bezahlt werden. Das zu beschränken ist Aufgabe des gesetzlichen Verbraucherschutz. Das zu fordern ist Pflicht der Verbände.

  8. Deniz Ugur
    Erstellt 9. Oktober 2019 10:38 | Permanent-Link

    Anstatt den Staat in die Wirtschaft zu zwingen sollte man sich vielmehr bewusst machen das es wie es bereits bei Portalen wie zum Beispiel Booking.com 2 Preise geben kann, den Erstattungsfähigen (teurer) der erst bei Anreise bezahlt wird und den Sofortzahlpreis (günstiger, nicht erstattbar) Last doch den Kunden selber entscheiden was er möchte und entmündigt Ihn nicht. Oder glaubt hier jemand das wenn es zu noch mehr und deutlich höheren Versicherungsprämien kommt das dies nicht am Ende auch gepreist und somit entsprechend wieder vom Kunde bezahlt wird.

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