Nach Ottos Katalog-Aus

Klassischer Urlaubskatalog hat weiter eine Zukunft

Versandriese Otto stellt den gedruckten Katalog ein. In der Reisebranche ist dieser Schritt bislang kein Thema – die Kunden wollen es so.

26.11.2018, 07:13 Uhr

Der klassische Urlaubskatalog steht trotz Konkurrenz durch das Internet der Reisebranche zufolge bei vielen Sonnenhungrigen weiter hoch im Kurs. „Er ist nach wie vor beliebt und wird von den Kunden verlangt“, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes DRV auf Anfrage. Während der Versandhändler Otto mangels Nachfrage jüngst das Ende seines gedruckten Einkaufsführers einläutete, setzen Reiseveranstalter weiterhin auch auf klassische Kataloge. Das Interesse der Urlauber in Deutschland daran bleibe groß, bestätigten mehrere Tourismus-Unternehmen.

„Kataloge haben heute nicht mehr den Stellenwert wie vor 15 Jahren, aber überflüssig sind sie deshalb noch nicht“, sagte eine TUI-Sprecherin. Kunden könnten sich von der Vielzahl an Angeboten im Internet leicht überfordert fühlen. „Kataloge bieten hier eine Entscheidungshilfe.“ Der Branchenprimus setzt auf einen Medien-Mix. Dazu zählen unter anderem Internet-Auftritte und eine TUI-App für aktuellere und vertiefende Informationen.

Auch Wettbewerber Thomas Cook will trotz Online-Auftritten und Präsenz in den Sozialen Medien grundsätzlich an den Print-Versionen festhalten. „Da die Urlaubsplanung und die damit verbundene Hotelauswahl für die Kunden ein besonderes Erlebnis ist, bevorzuge sie dabei nach wie vor, einen Katalog in den Händen zu halten“, heißt es bei dem Unternehmen.

Nach Einschätzung von DER Touristik hat der gedruckte Katalog weiter eine Zukunft und „ist nicht in Frage gestellt“, wie eine Sprecherin sagte. „Die Kunden wollen sich inspirieren lassen und fragen ihn nach.“ Das Unternehmen mit den Veranstaltern Dertour, Jahn Reisen, ITS, Meiers Weltreisen, ADAC Reisen und Travelix geht den Angaben zufolge mit 52 verschiedenen Druckwerken in die nächste Sommersaison. Hinzu kommen 24 Jahreskataloge.

„Die Nachfrage unserer Kunden nach Katalogen ist und bleibt ungebrochen hoch, deshalb bieten wir diese auch weiterhin an“, sagte auch Ralph Schiller, Geschäftsführer bei der FTI Group. Aktuell umfasse das Programm 24 Kataloge zu den rund 120 Ländern, die FTI im Angebot hat. Für Hauptzielgebiete, zum Beispiel die ägyptische Lagunenstadt El Gouna, setzt FTI zusätzlich auf eine Kombination aus klassischem Katalog und Artikeln in Magazinform.

Preisteil ist Ärgernis

Ein Ärgernis ist aus Sicht der Branche allerdings die Verpflichtung, auch in Internet-Zeiten den Katalogen einen gedruckten Preisteil beizulegen. „Keiner braucht sie – weder Verbraucher noch die Reisebüros“, kritisierte DRV-Präsident Norbert Fiebig jüngst. Rund 3000 Tonnen Papier würden jedes Jahr für die Preisteile bedruckt. Das entspreche etwa 3500 Fußballfeldern, wenn man die Blätter nebeneinander lege.

Urlauber könnten sich vor der Buchung im weltweiten Netz, bei Veranstaltern und im Reisebüro über den aktuellen Preis informieren. In Zeiten der Digitalisierung verändere sich alles, aber der gedruckte Preisteil solle bleiben. Das mache keinen Sinn. (dpa)

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