BTW-Tourismusindex

Deutsche geben mehr Geld für Reisen aus

Die Bundesbürger lassen sich ihre Reiselaune weder von internationalen Handelskonflikten noch von innenpolitischen Querelen verderben – im Gegenteil. Schon jetzt fällt die Zwischenbilanz des wichtigen Sommerreisegeschäfts ungewöhnlich stark aus. Einen Wermutstropfen gibt es aber.

von dpa, 06.08.2018, 07:38 Uhr

Supersommer für Deutschlands Tourismusbranche: Veranstalter, Reisebüros, Hoteliers und Gaststätten steuern nach Einschätzung von Experten auf ein Topjahr zu. Einen Großteil des Geschäfts haben viele Reiseprofis schon in der Tasche, auch wenn die Sommerreisesaison noch bis Oktober läuft. Ein Ende des positiven Trends ist nicht abzusehen. „Die Deutschen wollen noch mehr Geld für private Reisen und Ausflüge ausgeben als in den vergangenen Jahren“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), Michael Frenzel.

Die Bereitschaft, für Kurztrips und längere Reisen Geld auszugeben, ist weiter gestiegen, wie aus Daten des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) hervorgeht. Unter dem Strich würden sich die Bundesbürger in diesem Jahr voraussichtlich rund 30 Mio. Reisetage mehr gönnen als 2017. Der BTW-Tourismusindex wird zwei Mal im Jahr veröffentlicht. Das Reisebarometer kletterte zur Jahresmitte auf 1,9 Punkte. Zum Jahreswechsel 2017/2018 waren es 1,5 Punkte.

Bis Ende April 2018 waren die Bundesbürger erstmals mehr als 400 Mio. Reisetage in den ersten vier Monaten eines Jahres unterwegs. Die Zahl stieg um 2,6 Prozent auf 404 Mio. Tage.

Ein Gewinner des Jahres 2018 dürfte nach Einschätzung des BTW Deutschland sein. Laut Tourismusindex legten die Tagestrips, die zum größten Teil innerhalb des eigenen Landes stattfinden, bis April um 5 Prozent zu. „Vieles spricht dafür, dass dieser ‚Deutschlandtrend‘ der ersten Monate uns auch durch das weitere Jahr begleitet“, sagte Frenzel. Dabei spiele sicher auch das anhaltend schöne Wetter eine Rolle.

Last-Minute-Geschäft leidet

Im Last-Minute-Geschäft mancher Veranstalter hinterlässt die Hitzewelle dagegen Spuren. Statt ans Mittelmeer zu fahren, macht der eine oder andere Kurzentschlossene Ferien in Deutschland – ob an Nord- oder Ostsee, in den Bergen oder auf dem eigenen Balkon. So erklärte beispielsweise der in mehreren Ländern operierende Reisekonzern Thomas Cook jüngst, viele Kunden entschieden sich, die derzeitigen Rekordtemperaturen zu Hause zu genießen.

„Was aktuell noch reinkommt, sind vor allem Last-Minute-Buchungen“, erläutert GfK-Tourismusexperte Roland Gaßner. „Unser regelmäßiges Konsumenten-Panel zeigt, dass in Jahren mit besonders schönem Sommerwetter in Deutschland der Trend etwas nach oben zeigt, Urlaub im eigenen Land zu machen.“

Nach Daten der GfK-Konsumforscher stieg der Buchungsumsatz für das wichtige Sommergeschäft bei klassischen Reisebüros, Onlineportalen der Veranstalter und Internet-Portalen mit Pauschalreiseschwerpunkt bis Ende Juni um insgesamt 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Gfk spricht von einem bemerkenswert hohen Umsatzplus.

Sommer gut verkauft

Den Großteil des Sommergeschäfts hat die Branche bereits in der Tasche. So hatte beispielsweise Branchenprimus TUI schon im Mai nach eigenen Angaben 60 Prozent des Sommerprogramms verkauft. Nach Angaben des Reiseverbandes DRV haben die Bundesbürger in diesem Jahr deutlich früher als sonst die schönsten Wochen des Jahres gebucht.

GfK-Experte Gaßner rechnet damit, dass 2018 eines der Topjahre für die Tourismusbranche wird – sowohl im Inland als auch im klassischen Veranstaltergeschäft. DRV-Präsident Norbert Fiebig erwartet steigende Umsätze im laufenden Touristikjahr. Zuletzt rechnete er mit einem Erlösplus der Veranstalter im mittleren einstelligen Bereich.

Die Umsätze der Veranstalter waren 2017 im Vergleich zum schwachen Vorjahr um 8 Prozent auf 33,7 Milliarden Euro gestiegen. Reisebüros verzeichneten ein Plus von 1,2 Mrd. Euro auf 26,4 Mrd. Euro.

Der BTW-Tourismusindex wird zwei Mal im Jahr veröffentlicht. Grundlage ist unter anderem der monatliche GfK-Konsumklimaindex, für den etwa 2000 Verbraucher befragt werden. Erhebungszeitraum für den aktuellen Index war der 4. Juni bis 15. Juni. (dpa)

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