Großprojekte

Berlins Flughafen-Chef beklagt Überregulierung beim Bauen

Knapp 800 technische Anlagen gibt es im künftigen Hauptstadt-Flughafen BER. Seit einem Jahr prüft der TÜV, vermutlich kommt noch eins hinzu. Der Flughafen-Chef meint: Die Deutschen machen es sich unnötig schwer.

12.11.2018, 07:45 Uhr

Ein wachsender Wust von Normen macht aus Sicht des Berliner Flughafen-Chefs Engelbert Lütke Daldrup große Bauvorhaben immer schwieriger. „Vor 20 Jahren hatten wir nur 25 Prozent der Normen, die wir heute haben“, sagte Lütke Daldrup der Architektur-Zeitschrift „ARCH+“. „Ließe man von diesen die Hälfte weg, wäre es generell einfacher, billiger und effizienter in Deutschland zu bauen.“

Lütke Daldrup arbeitet seit gut eineinhalb Jahren daran, den neuen Hauptstadt-Flughafen BER in Schönefeld vor den Toren Berlins an den Start zu bringen. Der sollte eigentlich seit sieben Jahren in Betrieb sein. Die Eröffnung musste aber mehrfach verschoben werden, weil Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme die Zeitpläne zunichte machten. Auch Lütke Daldrups Vor-Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte über deutsche Regelungswut geklagt.

„Es geht nicht nur um Berlin“, versicherte Lütke Daldrup. „Fast alle Großprojekte in Deutschland haben Probleme.“ Normen gingen über das vernünftige Maß hinaus, es werde kontraproduktiv. „Wir fesseln uns durch ein regulatorisches Korsett und werden dadurch immer unbeweglicher.“

Der gelernte Stadtplaner nannte als Beispiel Kabeltrassen, wie sie im BER-Terminal umfangreich saniert werden mussten. Es sei geregelt, wie Kabel voneinander getrennt werden, wie sie beschriftet werden, wie viele Aufhängungen in welchen Abständen es geben müsse, wie Kabel gebogen werden müssen und so weiter. Keinerlei Abweichung werde toleriert.

Hinter der wachsenden Zahl von Normen vermutet Lütke Daldrup Eigeninteresse von Ingenieuren in Normungsausschüssen, die auf Gutachteraufträge hofften. Er schlug vor, Normen zu befristen und ein Moratorium für weitere Regeln zu verhängen. „Man sollte den niedrigsten Baustandard aller Bundesländer zum bundesrechtlichen Regelstandard machen.“

Baunormen seien nicht die Hauptursache, aber ein Grund dafür, dass der neue Flughafen mit seinen 786 technischen Anlagen nicht fertig ist, sagte Lütke Daldrup. „Seit einem Jahr werden wir vom TÜV geprüft und haben wahrscheinlich noch ein weiteres Jahr vor uns.“ (dpa)

0

Neues Top-Event für Airliner

EU-Luftfahrt am Scheideweg?

Am Himmel wird es enger denn je. Wie geht es weiter? Antworten gibt das European Aviation Symposium vom 29. bis 30. Januar in München. Diskutieren Sie mit hochkarätigen Experten und Top-Speakern eine der spannendsten Marktentwicklungen in der europäischen Wirtschaft.

 

Zuletzt kommentiert

  1. 1. Nach 17 Jahren an der Spitze
    (0)
    Münchens Flughafen-Chef Kerkloh geht in Ruhestand Letzter Kommentar: 09.12.2018 von Andreas W. Schulz
  2. 2. Anflugoptionen
    (0)
    Chancen für Emirates-Expansion stehen gut Letzter Kommentar: 08.12.2018 von Dieter Rohde
  3. 3. SEPA-Verfahren
    (0)
    DER Touristik weitet Zahlung per Lastschrift aus Letzter Kommentar: 08.12.2018 von Wolfram Schneppe
  4. 4. Zu Lasten der Kunden
    (0)
    Rechnungshof wirft Bahn schwere Mängel vor Letzter Kommentar: 07.12.2018 von Dietmar Rauter
 

Das Archiv der dfv Mediengruppe bietet Ihnen bequemen Zugriff auf alle Ausgaben des fvw Magazins seit 1996. im Print-Archiv suchen

 
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten