Flugbegleiter-Tarifverhandlungen

Ryanair einigt sich mit Verdi

Noch können Ryanair-Kunden nicht aufatmen. Aber es sieht danach aus, als sei eine Lösung im Tarifkonflikt mit den Flugbegleitern in Sicht. Doch es gibt auch noch die Piloten.

08.11.2018, 14:42 Uhr
Streikgefahr gebannt. Ryanair hat sich mit Verdi über die Bezahlung der deutschen Flugbegleiter geeinigt.
Foto: Ryanair

Nach mehreren Streiks bahnt sich im Dauer-Tarifstreit beim Billigflieger Ryanair in Deutschland eine erste Einigung an. Das irische Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi haben sich auf mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für die rund 1000 Flugbegleiter verständigt, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten. Die Einigung beinhalte auch einen Sozialplan für Beschäftigte von Stationen, die geschlossen werden. Ryanair erklärte, es sei ein Tarifvertrag unterzeichnet worden, Verdi hingegen sprach von einer Vorvereinbarung.

Die Gewerkschaft will die Beschäftigten über das zweiseitige Eckpunktepapier bis Dienstag abstimmen lassen. Nehmen die Mitarbeiter an, werde auf dieser Grundlage der Tarifvertrag ausgehandelt, sagte eine Verdi-Sprecherin. Der Tarifkonflikt bei dem Billigflieger läuft seit etwa einem Jahr, verhandelt wird für etwa 1000 Flugbegleiter, darunter rund 700 Leiharbeiter.

„Dies sind weitere konkrete Zeichen für den substanziellen Fortschritt, den Ryanair dabei macht, Vereinbarungen mit unseren Mitarbeitern und ihren Gewerkschaften in mehreren europäischen Ländern zu schließen“, kommentierte Personalchef Eddie Wilson die Übereinkunft mit Verdi.

Die wiederkehrenden Streiks bei dem Billigflieger hatten in diesem Sommer das Chaos an den europäischen Flughäfen noch verstärkt. Lotsenmangel und der harte Wettbewerb der Airlines um Marktanteile der insolventen Air Berlin hatten ohnehin zu zahlreichen Verspätungen und Flugausfällen geführt. Zuletzt hatten Flugbegleiter und Piloten von Ryanair in Deutschland im September zweimal gemeinsam gestreikt.

Verdi warf Europas größtem Billigflieger Arbeitsbedingungen aus dem 19. Jahrhundert vor, auch die Bundesregierung schaltete sich ein. Öl ins Feuer goss das Management, indem es die Basis in Bremen mit zwei stationierten Flugzeugen schloss und aus Weeze nahe der niederländischen Grenze zwei von fünf Maschinen abzog.

Gefahr von Streiks noch nicht gebannt

Weitere Streiks sind derzeit zwar nicht in Sicht, die Gefahr ist aber noch nicht gebannt. So laufen noch die Tarifverhandlungen mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC).

Die Einigung mit Verdi ändere den eigenen Fahrplan nicht, nächste Woche gebe es die nächste Runde mit dem Ryanair-Management, sagte VC-Sprecher Janis Schmitt am Donnerstag. „Jeder beharrt auf seinem Standpunkt, aber man ist gesprächsbereit“, beschrieb er die Verhandlungen für die gut 400 Ryanair-Piloten in Deutschland.

Mit der Eckpunkte-Einigung zeigt sich der größte europäische Billigflieger bereit, Kernforderungen von Verdi zu erfüllen: ein Tarifvertrag nach deutschem Recht, höhere Einkommen, Regelungen für Versetzungen, Abfindungen und Wiedereinstellungen. Details dazu nennen beide Seiten aber noch nicht. Klar ist: Auf die Gründung von Betriebsräten lässt sich Ryanair weiterhin nicht ein.

„Hier ist jetzt die Politik in der Verantwortung“, hob Verdi am Donnerstag hervor. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte zugesagt, noch vor Weihnachten die Bildung von Betriebsräten des fliegenden Personals zu erleichtern.

Ryanair fliegt mehr als 215 Flughäfen in 37 Ländern in Europa und Nordafrika an. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 14.500 Menschen – und steckt in einem tiefgreifenden Wandel, seit sich Piloten und Flugbegleiter zunehmend in Gewerkschaften organisieren und europaweit vernetzen. In mehreren Ländern hat sich das Unternehmen inzwischen mit Gewerkschaften geeinigt.

Im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende März 2019) wird der erste Gewinnrückgang seit fünf Jahren erwartet. Neben hohen Kerosinpreisen, geringeren Ticketpreisen und Entschädigungen für Passagiere sieht Ryanair die Streiks als einen Grund. Nichtsdestotrotz wird noch ein Gewinn von 1,1 bis 1,2 Mrd. Euro erwartet. (dpa)

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