Umsteige-Optimierung

Gutachter stellt „Deutschland-Takt“ für Bahn vor

Viele Bahnkunden kennen das: Oft gibt es lange Umsteigezeiten an Bahnhöfen. Dies soll sich mit einem neuen Fahrplan-Modell ändern – langfristig. Der private Anbieter Flixmobility findet aber etwas anderes viel wichtiger.

von dpa, 09.10.2018, 08:27 Uhr
Damit niemand mehr auf den Anschlusszug länger wartet, soll ein „Deutschland-Takt“ eingeführt werden.
Foto: Deutsche Bahn AG

Schnellere Anschlüsse, mehr Pünktlichkeit, abgestimmte Fahrpläne: Das sind Ziele des geplanten neuen Fahrplan-Modells „Deutschland-Takt“. An diesem Dienstag wird im Bundesverkehrsministerium erstmals ein Gutachterentwurf vorgestellt. Das neue Modell ist aber ein langfristiges Projekt – es könnte noch Jahrzehnte dauern, bis es umgesetzt ist.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) berät dazu mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik über die Zukunft des Schienenverkehrs. Die große Koalition will bis 2030 die Zahl der Bahnkunden verdoppeln und mehr Güter von der Straße auf die Schiene verlagern. Eine wichtige Voraussetzung, um diese Ziele zu erreichen, soll der „Deutschland-Takt“ sein.

Das Prinzip: An wichtigen Umsteigestationen treffen Züge ungefähr gleichzeitig ein und fahren kurz darauf wieder ab. Lange Umsteigezeiten von einer halben Stunde und mehr soll es dann nicht mehr geben. Von besser planbaren Fahrzeiten soll auch der Schienengüterverkehr profitieren.

Aus Fahrgastsicht begrüßenswert

Der „Deutschland-Takt“ sei ein „Langfristprojekt“, heißt es in einem Papier, das der dpa vorliegt. „Er benötigt deshalb ein Konzept, in welchen Etappen er umgesetzt werden könnte. Der Deutschland-Takt weckt vielerlei Erwartungen. Nicht alle wird er sofort erfüllen können.“

In der Branche wird der „Deutschland-Takt“ unterschiedlich bewertet. Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßte das Modell. Branchenexperte Gregor Kolbe sagte der dpa, davon könne der Fahrgast profitieren. Die „Reisekette“ könne sehr zügig und verbraucherfreundlich werden. Die Einführung sei aber ein langfristiges Thema, es müsse Infrastruktur geplant und gebaut werden. Ein „Deutschland-Takt“ könne vielleicht in 10, 15 oder 20 Jahren funktionieren, wenn er heute auf den Weg gebracht werde. „Dafür braucht man viel Geld und einen langen Atem.“

Widerspruch von privaten Bahnwettbewerbern

Der private Verkehrsanbieter Flixmobility dagegen sieht das Fahrplan-Modell skeptisch. „Das ist ein politischer Fahrplan“, sagte Geschäftsführer André Schwämmlein der dpa. „Es ist nicht kriegsentscheidend, ob jemand nach einer ICE-Fahrt zum Beispiel in München den Anschluss nach Rosenheim bekommt.“

Viel wichtiger sei, die Hauptstrecken auszubauen, sagte Schwämmlein. „Wir haben ein riesiges Problem bei der Bahn-Infrastruktur und bei der Kapazität des Netzes. Es gibt zu viele Engpässe. Die Infrastruktur muss ausgebaut werden.“ Entscheidend sei, attraktive Angebot für die Passagiere zu schaffen. Dies gehe nur über mehr Wettbewerb. Flixmobility ist vor allem durch seinen Fernbus-Verbund Flixbus bekannt, bietet aber unter dem Namen Flixtrain auf einigen Strecken auch Zugverbindungen an. (dpa)

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