Touristeninseln von Beben getroffen

Über 90 Tote nach neuem Erdbeben vor Indonesien

Schon wieder wird die indonesische Ferieninsel Lombok von einem Erdbeben erschüttert – dieses Mal noch schlimmer als vor einer Woche. Die Zahl der Toten steigt. Auch die Nachbarinsel Bali ist betroffen.

von dpa, 06.08.2018, 07:00 Uhr

Bei einem neuen schweren Erdbeben auf der indonesischen Ferieninsel Lombok sind mindestens 91 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte Sutopo Nugroho von der nationalen Katastrophenschutzbehörde am Montagvormittag (Ortszeit). „Das ist ein vorläufiger Bericht. Wir gehen davon aus, dass die Zahl noch steigen wird, wenn unsere Such- und Hilfsmannschaften alle Teile von Lombok erreicht haben.“ Zudem gab es auf der Nachbarinsel von Bali mehrere hundert Verletzte. Tausende flohen in Panik aus ihren Häusern. Nach dem schlimmsten Beben der Stärke 7,0 gab es am Montag immer wieder kräftige Nachbeben. Die nationale Katastrophenschutzbehörde fürchtet, dass die Opferzahl noch weiter steigt.

Unklar war am Morgen noch, ob ausländische Touristen unter den Opfern sind. Hinweise, dass auch Deutsche zu Schaden kamen, gab es zunächst nicht. Das Auswärtige Amt teilte mit: „Nach bisherigen Erkenntnissen sind keine Deutschen ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden.“ Die Erschütterungen waren auch auf Bali sowie auf Java zu spüren. Von dort wurden zunächst aber keine größeren Schäden bekannt. Erst vor einer Woche waren bei einem Beben auf Lombok 16 Menschen getötet worden.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Immer wieder bebt dort die Erde oder es brechen Vulkane aus. Lombok ist die kleinere Nachbarinsel von Bali. Lange Zeit galt sie als Geheimtipp für Leute, denen Bali zu touristisch geworden war. Inzwischen sind aber auch dort viele Urlauber unterwegs.

Das neue Beben hatte die Insel gegen 19.46 Uhr Ortszeit am Sonntagabend erschüttert. Das Zentrum des Bebens lag rund 18 Kilometer nordöstlich von Lombok im Meer, in etwa 15 Kilometern Tiefe. Die größten Schäden gab es an der Nordküste. Auch die Hauptstadt Mataram wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Süden und der Westen, wo sich die meisten Urlauber aufhalten, ist weniger betroffen.

Der Sprecher des Katastrophenschutzes, Sutopo Nugroho, sagte: „Es ist wahrscheinlich, dass die Zahl der Opfer noch steigt.“ Die meisten Opfer seien auf herunterfallende Trümmerteile zurückzuführen. Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien - meist ohne Licht, weil durch das Beben auch zahlreiche Stromleitungen gekappt worden waren.

„Wir sammeln uns hier im Dunkeln ohne Strom. Jeder ist draußen im Freie“», sagte der Distriktchef von Nord-Lombok, Najmul Akhyar. Viele Schulen blieben am Montag geschlossen, weil nicht klar war, ob die Gebäude noch sicher sind. Von den kleineren Gili-Inseln wurden mehrere hundert Tauch-Urlauber in Sicherheit gebracht.

An der Nordküste Lomboks wurde zudem eine kleine Tsunamiwelle von 13 Zentimetern Höhe registriert. Der Katastrophenschutz rief die Bevölkerung zunächst auf, Meeresküste und Flussufer zu meiden.

Daraufhin flohen viele Menschen auf höher gelegene Gebiete im Inselinneren. Die Tsunami-Warnung wurde nach einigen Stunden jedoch wieder aufgehoben. Nach lokalen Medienberichten wurden auch auf der bekannteren Nachbarinsel Bali Gebäude beschädigt. Dazu gehört auch das Gebäude des internationalen Flughafens Ngurah Rai. Der Flugbetrieb war davon aber nicht beeinträchtigt.

Wegen des Bebens wurden auch zwei Konferenzen mit Ministern aus Nachbarländern abgesagt, die am Montag auf Bali und Lombok beginnen sollten. Alle bereits angereisten Gäste seien sicher und unversehrt, hieß es von offizieller Seite. Unter ihnen befindet sich auch die australische Außenministerin Julie Bishop. Auf Bali soll im Oktober eine große Tagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank stattfinden.

Lombok war erst vor einer Woche von einem Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert worden. Dabei wurden 16 Menschen getötet. Außerdem gab es mehr als 350 Verletzte. Mehr als 500 Ausflügler wurden in den folgenden Tagen von dem aktiven Vulkan Rinjani in Sicherheit gebracht, wo sie zeitweilig festsaßen. Unter ihnen waren auch annähernd 200 Touristen aus dem Ausland, darunter etwa zwei Dutzend Deutsche. (dpa)

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