Tote in Ägypten-Hotel

E.-Coli-Grenzwert war im Aqua Magic ums 24-fache überschritten

Der Tod der beiden britischen Urlauber im Steigenberger Aqua Magic scheint geklärt: Laut Obduktionbericht starben sie an den Folgen einer Infektion mit dem Bakterium E. Coli. Genau dieser Erreger war laut fvw-Informationen auch bei einer Untersuchung von Speisen in dem Hotel gefunden worden.

von Tobias Pusch, 13.09.2018, 15:00 Uhr
Das Steigenberger Aqua Magic in Hurghada
Foto: Steigenberger

100 kolonienbildende Einheiten pro Gramm: Das ist der Grenzwert für E.-Coli-Bakterien in Lebensmitteln. Bei der Thomas-Cook-Untersuchung fünf Tage nach dem Tod zweier britischer Urlauber im Steigenberger Aqua Magic in Hurghada wurde jedoch ein stark erhöhter Wert festgestellt. 2400 Einheiten pro Gramm wurden demnach in leicht angebratenem Rindfleisch nachgewiesen. Der entsprechende Hygienebericht liegt der fvw vor.

Noch höher fällt die Belastung beim Bakterium Staphylococcus aureus aus, das ebenfalls tödliche Krankheitsverläufe verursachen kann. Demzufolge lag der Grenzwert in rohem Rindfleisch bei 5200 Einheiten statt der erlaubten 100.

In einem offiziellen Presse-Statement hatte das Unternehmen zuvor sein Mitgefühl mit der betroffenen Familie ausgedrückt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass Steigenberger für makellose Qualität und Sicherheit stehe. „Die Ergebnisse der Autopsie passen nicht mit diesem Anspruch zusammen.“ Derzeit sei allerdings noch nicht sicher, ob die Familie sich an Lebensmitteln aus dem Hotel infiziert habe.

Der ägyptische Autopsiebericht stellt unterdessen fest, dass John Cooper (69) und seine Frau Susan Ellen Cooper (64) an ihrem achten Urlaubstag zur Mittagszeit beim Hotelarzt vorstellig wurden, weil John Cooper bereits seit zwei Uhr morgens an Magen-Darm-Problemen gelitten habe. Zwei Ärzte hätten ihn dann in seinem Zimmer mit Infusionen und anderen Maßnahmen behandelt. Er sei jedoch etwa eine Stunde später einem Herzstillstand erlegen. Ausgelöst worden sei dieser durch die Infektion mit E. Coli und die sich daraus ergebenden Folgen, beispielsweise ein Ungleichgewicht der körpereigenen Elektrolyte.

Wenig später beklagte sich auch die Ehefrau über körperliches Unwohlsein. Nachdem sie nicht auf die Behandlung in der hoteleigenen Krankenstation angesprochen habe, sei ein Rettungswagen gerufen worden. Als wenig später der Kreislauf zusammengebrochen sei und die Atmung gestoppt habe, habe man Susan Cooper 30 Minuten lang wiederbelebt, sie jedoch nicht retten können. Sie verstarb laut dem Bericht um 17.12 Uhr im Krankenhaus.

Der Obduktionsbericht der Frau zeigt anders als bei ihrem Mann keine vorherige Herzerkrankung auf. Sie verstarb demnach an den Folgen des Hämolytisch Urämischen Syndroms (HUS), das hierzulande noch von der EHEC-Epidemie 2011 bekannt ist. Die Folge dieser Erkrankung kann akutes Nierenversagen sein. Ausgelöst wurde das Syndrom „wahrscheinlich durch eine Infektion mit dem E.-Coli-Bakterium“.

Eine zeitweise vermutete Vergiftung mit einem im Nachbarraum versprühten Insektizid wird in dem Bericht ausgeschlossen. Auch die Prüfergebnisse von Klimaanlage und Trinkwasser seien unauffällig.

Korrektur: In einer ersten Version hatten wir berichtet, dass die erhöhte Konzentration an E.-Coli-Bakterien in Medium gebratenem Fleisch entdeckt wurde. Das war nicht zutreffend. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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