Schwere Schäden (Update)

Nordjapan von Erdbeben erschüttert

Wieder schlägt die Natur in Japan zu. Nach dem schwersten Taifun seit 25 Jahren sucht ein starkes Erdbeben die Menschen im Norden des Inselreichs heim. Und wieder gibt es Opfer und enorme Schäden.

von DPA, 06.09.2018, 07:44 Uhr

Bei einem schweren Erdbeben im Norden Japans sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen und rund 300 weitere verletzt worden. Etwa 30 Menschen wurden am Donnerstagabend noch vermisst, nachdem am frühen Morgen zahlreiche Erdrutsche niedergegangen waren und Häuser auf Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido verschüttet wurden. Japans Fernsehsender zeigten Bilder von völlig zerstörten Wohngebäuden und aufgerissenen sowie mit Schlamm überschwemmten Straßen. In drei Millionen Haushalten fiel der Strom aus.

Das Beben der Stärke 6,7 hatte die Menschen um kurz nach 3 Uhr im Schlaf überrascht. „Mein gesamtes Haus ist vollkommen verwüstet. So ein Erdbeben habe ich noch nie erlebt“, schilderte ein 87-jähriger Japaner in der schwer betroffenen Stadt Atsuma Reportern. Einige Wohnhäuser wurden teils vollkommen zerstört. Auf Luftaufnahmen japanischer Fernsehsender waren gewaltige Erdrutsche zu sehen. Wo zuvor Bäume auf Anhöhen standen, klaffen jetzt nur noch kahle Hänge.

Dutzende von Krankenhäusern, Telefonanbieter sowie TV-Stationen waren von dem weitflächigen Stromausfall betroffen. Auch der Zugbetrieb kam zum Erliegen, Fabriken standen still. Ein Milchbauer in der stark bäuerlich geprägten Provinz schilderte, dass seine Kühe wegen des Stromausfalls vorübergehend nicht maschinell gemolken werden konnten.

Im Atomkraftwerk Tomari musste ein Abklingbecken mit Hilfe von Notstrom-Aggregaten gekühlt werden. Radioaktivität sei jedoch nicht in die Umwelt ausgetreten, hieß es unter Berufung auf den Betreiber. Eine Warnung vor einem Tsunami in Folge des Erdbebens gab es nicht. 2011 hatten ein noch stärkeres Erdbeben und ein gewaltiger Taifun den Nordosten des Landes verwüstet, rund 18.500 Menschen kamen damals in den Fluten ums Leben. Im Atomkraftwerk Fukushima kam es zum Gau.

Vor Tankstellen und Supermärkten auf Hokkaido bildeten sich lange Warteschlangen. „Selbst die Ampeln funktionieren nicht, es war unheimlich“, schilderte eine Japanerin in der ebenfalls von dem Erdbeben betroffenen Provinzhauptstadt Sapporo Reportern. Im späteren Tagesverlauf lief die Stromversorgung in einigen Gebieten wieder.

In Muroran brach ein Feuer in einer Chemieanlage aus, konnte aber gelöscht werden. Der Bahn- und Flugverkehr wurde beeinträchtigt. Hokkaidos wichtigster Flughafen Chitose musste für den gesamten Tag geschlossen werden, als ein Dach einstürzte und der Strom ausfiel.

Mehrere Menschen mussten mit Helikoptern in Sicherheit gebracht werden. Knapp 2000 Bewohner suchten Schutz in Notunterkünften. Hilfskräfte organisierten Trinkwasser-Tanks, da in einigen Haushalten auch die Wasserversorgung in Folge der starken Erschütterung ausfiel. Unterdessen wurde die Region von Nachbeben heimgesucht, die auch in den nächsten Tagen andauern könnten, wie die Behörden warnten.

Die Zentralregierung in Tokio stellte bis zu 25.000 Soldaten ab, damit sie die Bergungskräfte auf Hokkaido unterstützen. Japan ist eines der am stärksten erdbebengefährdeten Länder der Welt.

Kurz zuvor hatte ein gewaltiger Taifun Japan heimgesucht, mehrere Menschen starben. Der bei dem Sturm teils überschwemmte Flughafen Kansai in der westlichen Provinz Osaka werde Freitag für den Inlandsflugverkehr wieder geöffnet, wie die Regierung bekanntgab. Auch der internationale Flugbetrieb werde wieder aufgenommen, sobald der Flughafen wieder dazu bereit sei, hieß es. Hinzu kam in diesem Sommer eine Hitzewelle, der ebenfalls viele Menschen zum Opfer fielen. (dpa)

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