Konferenz in Jerusalem

Tourismusvertreter diskutieren über Maßnahmen gegen Terrorangst

Nach Terroranschlägen oder Naturkatastrophen in Urlaubszentren bleiben oft die Gäste weg, Jobs geraten in Gefahr. Eine erste internationale Tagung zu Terrorismus und Sicherheit in Jerusalem soll nun Wege aus der Krise aufzeigen.

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von dpa, 05.10.2018, 10:44 Uhr

Barcelona, Paris, London, Nizza – Terroranschläge können Touristen fast überall auf der Welt treffen. Doch auch Naturkatastrophen wie der Tsunami in Indonesien oder die Waldbrände in Griechenland bedrohen Urlaubsparadiese. Wie können Behörden am besten mit solchen Vorfällen umgehen, damit die Gäste nicht wegbleiben und ein ganzer Wirtschaftssektor in Gefahr gerät? Vertreter aus aller Welt, darunter Tourismus- und Sicherheitsexperten, UN-Repräsentanten und Wissenschaftler, wollen dafür bei einer internationalen Konferenz in Jerusalem eine effektive Strategie entwerfen.

Früher habe vor allem Israel mit dem Thema Terror zu kämpfen gehabt, „aber in den letzten Jahren hat sich das stark verändert“, sagt Ilanit Melchior, die bei der Jerusalemer Stadtverwaltung für Tourismusfragen verantwortlich ist. Heute seien Touristenstädte auf aller Welt betroffen. Für sie wolle man gemeinsam einen „Werkzeugkasten“ für einen angemessenen Umgang mit Extremsituationen entwerfen.

Ziel sei auch ein internationales Abkommen zwischen Touristenstädten und -organistionen, „damit es in Krisenzeiten Zusammenarbeit und Austausch geben kann“. Es sei die erste Tagung dieser Art, man wolle sie künftig jedes Jahr in Jerusalem abhalten, sagt Melchior.

Aus ihrer Sicht ist es besonders wichtig, das Thema Terror „nicht unter den Teppich zu kehren, sondern auf den Tisch zu bringen“. Das Tourismusgewerbe dürfe sich nicht von Anschlägen beherrschen lassen, sondern müsse aktiv damit umzugehen. „Dieses Phänomen wird leider nicht verschwinden, die ganze Welt ist davon betroffen.“ Für das Tourismusgewerbe gehe es um sehr viel Geld und auch Arbeitsplätze. Schwerpunkte bei der Konferenz seien die richtige Kommunikation mit den Medien sowie die Image-Rettung betroffener Urlaubsziele.

Wie Krisenmanagement nach einem Terroranschlag dem Vertrauen in ein Land noch weiter schaden kann, zeigte Ägypten in den vergangenen Jahren. Nach dem Bombenattentat auf einen russischen Ferienflieger 2015 schwiegen die Behörden weitgehend, obwohl es Hinweise auch ausländischer Geheimdienste auf einen Sprengsatz an Bord sowie ein Bekenntnis der Terrormiliz IS gegeben hatte.

Russland setzte Flüge nach Ägypten daraufhin ganz aus, andere Länder strichen die Verbindungen in den betroffenen Badeort Scharm el Scheich. Obwohl der Kollaps des enorm wichtigen Tourismus in dem Land damit vorgezeichnet war, scheute die Regierung klare Aussagen und zog sich auf ein vermeintlich bewährtes Mittel zurück: Verschleppen der Ermittlungen.

Immer wieder betonten Regierungsvertreter, man wolle die Untersuchung abwarten – ein abschließender Bericht liegt bis heute nicht vor. Erst vier Monate nach dem Anschlag sprach Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi erstmals von Terror. Der Tourismus im Land war zu diesem Zeitpunkt schon längst auf Talfahrt.

Heute sind die Urlauber wieder zurück in dem nordafrikanischen Land. Die Zahlen von 2010 – vor den Turbulenzen wegen der Arabischen Aufstände – sind aber noch Welten entfernt. Experten attestieren den Urlaubsgebieten in Ägypten zwar eine relativ gute Sicherheitslage, das Land leide allerdings unter einem Glaubwürdigkeitsproblem.

 
 
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