Kein Hochwasser am Ballermann

Mallorca kämpft um seine Touristen

Die Bilder und Nachrichten aus Mallorcas Katastrophengebiet sind verstörend. Urlauber sind verunsichert – dabei kam der Sturzregen nur in einem kleinen Gebiet im Osten nieder. Der Ballermann war von der Flut überhaupt nicht betroffen. Dennoch gibt es Stornierungen.

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von DPA, 15.10.2018, 07:04 Uhr

Mallorca macht in diesen Tagen weltweit Schlagzeilen. So mancher Tourist ist angesichts der dramatischen Bilder von schmierigen Schlammmassen, verwüsteten Häusern und eingestürzten Brücken verunsichert. Am Dienstagabend waren in einer Region im Nordosten der Urlaubsinsel urplötzlich mehr als 230 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel gefallen – es gibt Tote, Chaos und Schäden in Millionenhöhe. Nur 60 Kilometer weiter westlich, wo Urlauber an der Playa de Palma die Oktobersonne genießen, ist von dem Drama jedoch nichts zu spüren.

Das Thermometer an der Partymeile Ballermann zeigt angenehme 21 Grad, der Himmel ist blau, nur am Horizont haben sich über dem Meer ein paar Wolken aufgetürmt. Viele Feriengäste in den mallorquinischen Tourismushochburgen hatten von der Flutkatastrophe zunächst gar nichts mitbekommen. Erst durch Medien, soziale Netzwerke oder Anrufe besorgter Verwandter hörten sie von der Tragödie.

„Hier an der Playa hat es ja nur ein wenig geregnet“, sagt Irene aus Nordrhein-Westfalen, die zum ersten Mal auf der Insel ist. „Ich habe erst am Mittwochmorgen einen Anruf von meiner besorgten Nichte bekommen. Ein Arbeitskollege hatte sie beim Frühstück gefragt, ob sie „das mit Mallorca“ mitbekommen habe, erzählt die ältere Dame. „In manchen Medien wurde das ja offenbar so dargestellt, als sei auf der ganzen Insel Weltuntergang angesagt.“

„Was da alles passiert ist, haben wir erst aus den Medien erfahren“, sagen auch zwei Männer aus Jülich, die an der Playa de Palma Ferien machen. Die Holländerin Ellen, die mit einer Radgruppe auf der Insel unterwegs ist, berichtet ebenfalls, sie habe von der Katastrophe durch Verwandte in den Niederlanden gehört. „Das Dorf Sant Llorenç des Cardassar kenne ich nicht, aber wir waren oft in der Gegend zwischen Manacor und Artà im Inselosten mit den Fahrrädern unterwegs.“ Was dort passiert sei, sei „einfach schrecklich“.

Die Region um Sant Llorenç des Cardassar war besonders schlimm von dem Sturzregen betroffen, der Straßen in reißende Flüsse verwandelt und Autos wie Spielzeug mitgerissen hatte. Bislang wurden zwölf Leichen geborgen, darunter drei Deutsche, zwei Briten und eine Niederländering. Ein achtjähriger Junge wird noch vermisst –die Helfer befürchten, dass er ins Meer gespült worden sein könnte. Die Suche mit Booten sei am Sonntag auf acht Seemeilen vor der Küste ausgedehnt worden, berichteten mallorquinische Medien. Am Mittwochabend soll in der Pfarrkirche Nuestra Señora dels Dolors in Manacor ein Trauergottesdienst für die Opfer stattfinden.

 
 
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