Butte County

Kalifornien kämpft nach Bränden mit Überflutungen

Die Großfeuer sind kaum überstanden, da ziehen Regenwolken über dem kalifornischen Butte County herauf. Wo Flammen wüteten, drohen nun Überschwemmungen, Erdrutsche und tödliche Schlammlawinen.

30.11.2018, 16:39 Uhr
In Kalifornien drohen nach starken Regenfällen nun Überschwemmungen.
Foto: imago/ZUMA Press

Der Bezirk Butte County im Norden Kaliforniens kommt nicht zur Ruhe. Nach den Bränden mit mindestens 88 Toten folgen nun Regen und Überschwemmungen. Er tränkt Kohle, Trümmer und den wenigen Besitz, der das vor drei Wochen ausgebrochene Feuer überstanden hat. „Ströme aus Asche, Schlamm und Schutt“ seien möglich, warnen die Behörden, auch Schlammlawinen und Steinschläge. Das Paradies, nach dem die mit am schlimmsten betroffene Ortschaft benannt ist, ist zur Hölle geworden.

Der Wetterumbruch stellt Rettungskräfte und Polizei vor neue Herausforderungen. Einige Straßen sind überflutet, Strommasten und Bäume – sofern sie nicht abbrannten – umgestürzt. „Wenn Sie Stromleitungen am Boden sehen, wählen Sie den Notruf und fahren Sie nicht drüber!“, warnt die Polizei im Ort Chico auf Twitter. Statt Löschzügen, Bulldozern und Autos von Anwohnern, die durch brennende Wälder flüchten, sind jetzt auch Wasserfahrzeuge im Einsatz. Ein Team im Ort Butte Creek Canyon sei mit einem Boot und Jet-Skis unterwegs gewesen, um Menschen aus drei Häusern zu retten, teilt die Feuerwehr mit. Einige mussten Medienberichten zufolge aus ihren Autos befreit werden.

Einige Landstriche wirkten Fotos und Videos zufolge schon nach den Bränden wie Geisterstädte. Überschwemmungen könnten die Gegend nun noch unbewohnbarer machen. Die Gefahr ist nach Bränden erhöht, weil in so kurzer Zeit kaum etwas nachwachsen kann, sagt Rick Carhart von der Behörde für Wälder und Brandschutz dem „San Francisco Chronicle“. Bewohner in abgebrannten Gegenden sollten höhere Lagen aufsuchen,wenn sie bemerkten, dass Erde, Schutt oder große Wassermassen sich in der Nähe bewegten, warnen Behörden.

Waldbrände zerstören nicht nur Pflanzen und Gebäude, sie verändern auch die Zusammensetzung des Bodens. Normalerweise kann dieser Wasser aufnehmen, aber nach schweren Bränden bleiben wasserabweisende Materialien wie Steine und Lehm zurück. Die obere Erdschicht wird weniger durchlässig, kann weniger Wasser speichern, flutet schneller und wird im schlimmsten Fall in Schlammlawinen abgetragen.

Ähnlich war es schon beim monströsen „Thomas Fire“, den flächenmäßig zweitgrößten Bränden in der Geschichte Kaliforniens. Sie waren im Dezember 2017 im Raum Santa Barbara ausgebrochen. Bald darauf folgten Regen und Schlammlawinen. 21 Menschen starben. Forschern zufolge könnte die Region möglicherweise über Jahre anfälliger sein für Überflutungen und Erdrutsche, schrieb die „Washington Post“ damals.

Im Butte County wird bis in den Samstag hinein weiterer Regen erwartet. 62.000 Hektar sind im „Camp Fire“ abgebrannt, das entspricht der doppelten Fläche Münchens. Fast 19.000 Gebäude sind zerstört. Knapp 200 Menschen gelten immer noch als vermisst. Erst am Donnerstag hatten Behörden die Suche nach Todesopfern eingestellt. (dpa)

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