Air-Berlin-Chef Joachim Hunold führt nach Bischoffs Tod Germania weiter

14.11.2005, 00:00 Uhr

Hinrich Bischoff wurde 69 Jahre alt und hat noch kurz vor seinem Tod in der Klinik auf der Bühler Höhe im Schwarzwald den Fortbestand der Germania geregelt. Bischoff beauftragte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, die Germania weiterzuführen. Dieser Zug bezeugt, dass beide unternehmerisch aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Allerdings hatte gerade das jahrelang für einen harten Wettbewerb zwischen den Unternehmen gesorgt. Erst seit wenigen Jahren hatten sie sich menschlich angenähert. "Ich bin tief bewegt und stolz zugleich, dass mir Dr. Bischoff so viel Vertrauen geschenkt hat", sagte Hunold. Nur Stunden vor seinem Tod hatte Bischoff mit der Germania-Geschäftsführerin Edda Gauch, seinem Generalbevollnächtigten, Rechtsanwalt und Notar Jürgen Vogt, und Joachim Hunold die Fortführung der Germania juristisch geregelt. Hunold will Germania in Kürze durch einen Managementvertrag an Air Berlin binden. Germania besitzt derzeit 44 Flugzeuge, von denen viele verleast sind. So fliegen Lufthansa, DBA, Air Berlin und HLX mit Germania-Gerät. Andere Flugzeuge sind weltweit verleast. Gewiefter Taktiker und Jet-Händler Bischoff war ein Airliner der besonderen Art. Er galt als gewiefter Taktiker, der andere Airlines mit eigenen Plänen unter Druck zu setzen wusste. Immer wieder endeten diese Aktionen in Leasingverträgen für seine Flugzeuge. Im Leasinggeschäft galt er als Größe, der mit wenigen Telefonaten weltweit Flugzeuge besorgen oder unterbringen konnte. Gegenüber den 577 Mitarbeitern in seiner Unternehmensgruppe trat Bischoff als Patron auf, als strenges, aber auch sorgendes Familienoberhaupt. Mit seinem Vermächtnis an Joachim Hunold hat er das ein letztes Mal bewiesen. Bischoff hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder. Bischoff liebte öffentliche Auftritte überhaupt nicht. Nur widerwillig hatte er im Frühjahr 2005 eine Pressekonferenz bei der Übernahme der DBA-Mehrheitsanteile über sich ergehen lassen. Bei der Auflösung drei Monate später trat er gar nicht mehr auf. Er bevorzugte Polohemden und Cordhose, selbst bei offiziellen Anlässen. Er hat in Berlin und Tübingen Jura studiert und war dann zum Versicherungskonzern Gerling gegangen. Dort erhielt er bereits mit 29 Jahren als Abteilungsleiter Prokura. Bischoff baute Hapag-Lloyd Flug auf 1973 gründete er die Hapag-Lloyd Fluggesellschaft mit, wurde deren Geschäftsführer und entwickelte sie zur zweitgrößten deutschen Charterfluggesellschaft. Nachdem ihm aber eine Beteiligung an der Airline verweigert wurde, stieg Bischoff aus und kaufte 1978 die marode Fluggesellschaft SAT für eine D-Mark. Innerhalb von drei Jahren war SAT saniert. 1986 gründete er auf der Basis der SAT die Germania Fluggesellschaft und stieg ins operative Fluggeschäft ein. Museen zeigen seine Ölgemälde Zu seinen eher unbekannten Seiten gehört seine Kunstpassion. Er sammelte Werke alter flämischer Meister. Die Mythen um Bischoff besagen, dass er auch schon mal rasch Flugzeuge verkaufte, wenn ein wertvolles Ölgemälde auf dem Markt zu kaufen war und er Bargeld benötigte. Die Werke verlieh er an Museen. So sind einige in der Neuen Berliner Gemäldegalerie zu sehen. Bischoff hat sich einen Ruf als Sammler in der internationalen Kunstszene erworben. Bischoff hatte auch sein eigenes Programm "Aufbau Ost" entwickelt. So kaufte und renovierte er das Gestüt Görlsdorf in Brandenburg. Er sanierte ein Hotel auf Usedom und half in Not geratenen Leistungssportlern aus der früheren DDR. Bischoff, der mit Leidenschaft Skat spielte, hatte einen trockenen Humor. Vor einigen Jahren frotzelte er noch gern: "Wir sind eine heilige Branche." Er bezog sich damit auf die drei Bischoffs im Airline-Geschäft. Neben ihm selbst waren da Malte Bischoff, damals Chef der Condor, und Michael Bishop, Chef der damaligen British-Midland-Airline.

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