Vor der Flug-Hochsaison

Schlichter erwarten Beschwerde-Rekorde, Lufthansa wappnet sich

Am Flugchaos im Sommer 2018 waren auch die Fluggesellschaften nicht unschuldig. Der Lufthansa-Konzern überprüft daher viele Prozesse, fordert aber auch von anderen verstärkte Anstrengungen. Schlichter, die Streit mit Airlines lösen, erwarten erneut einen heißen Sommer.

Verspätungen, Ausfälle, verschollenes Gepäck: Solche Probleme dürften Fluggäste auch in diesem Jahr plagen. Die Branche erwartet einen schwierigen Sommer – und die zuständige Stelle Tausende Beschwerden. "Es ist damit zu rechnen, dass es auch im Sommerflugplan 2019 wieder zu Unregelmäßigkeiten kommt, die der Schlichtungsstelle viel Arbeit bescheren", sagte Heinz Klewe, der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP), der dpa.

Die Lufthansa will mit zusätzlichen Mitarbeitern, Flugzeugen und Ersatzteilen eine Neuauflage des Chaos-Sommers vom vergangenen Jahr verhindern. Vor dem Hamburger Luftverkehrsgipfel am Donnerstag (28. März) sieht sich Europas größter Luftfahrtkonzern gut aufgestellt. Vorstandsmitglied Detlef Kayser hat aber Forderungen an Flughäfen, die Flugsicherungsorganisationen und nicht zuletzt an die Politik.

An die Schlichtungsstelle können sich Kunden mit Beschwerden nach Reisen mit Bahn, Bus, Flugzeug oder Schiff wenden. Im Flugchaos des vergangenen Sommers hatte sich die Beschwerdezahl 2018 auf das Rekordniveau von mehr als 32.000 verdoppelt. Sieben von acht Anträgen kamen von Fluggästen. Die Beschwerdeflut hält an. Im Januar und Februar wandten sich doppelt so viele Fluggäste an die Schlichtungsstelle wie in den entsprechenden Vorjahresmonaten. "Die SÖP erwartet für 2019 ein ähnlich hohes Schlichtungsaufkommen wie im Berichtsjahr 2018", heißt es im Jahresbericht, der der dpa vorliegt.

Im vergangenen Jahr hatten Engpässe bei den Flugsicherungen, Fluglotsen-Streiks, lange Wartezeiten bei den Passagierkontrollen und eine Häufung von Unwettern den Luftverkehr durcheinandergewirbelt. Zudem hatten die Airlines Mühe, die Lücke zu füllen, die die insolvente Air Berlin hinterlassen hatte.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft warnte kürzlich, dass auch der Sommer 2019 schwierig werden dürfte. Die Probleme sind auch Thema bei einem "Luftfahrtgipfel" an diesem Donnerstag in Hamburg. Klewe erwartet, dass auch die Folgen zweier Abstürze von Flugzeugen des Typs Boeing B-737max8 Schwierigkeiten für Passagiere bringen wird. Denn zahlreiche Länder erließen für Maschinen dieses Typs Flugverbote.

Lufthansa hält nach eigenen Angaben im Sommer 600 zusätzliche Mitarbeiter und 37 Reserveflugzeuge bereit, 15 mehr als im vergangenen Jahr. Zudem habe man für rund 100 Mio. Euro den Vorrat an Ersatztriebwerken und -teilen erweitert, sagte Kayser der dpa. Die Gesamtaufwendungen seien noch höher. "Im vergangenen Sommer haben wir wegen der Verspätungen rund 250 Mio. Euro zusätzlich verloren, unter anderem durch Entschädigungszahlungen an Passagiere. Dieses Jahr setzen wir in etwa diese Summe ein, um unseren Flugbetrieb zuverlässiger zu machen."

Deutliche Effekte erhofft sich der Manager von schnelleren Prozessen bei der Abfertigung der Flieger am Boden. So solle künftig noch häufiger getankt werden, während die Passagiere bereits an Bord gehen. Die Zeitgewinne wolle man dann als Pünktlichkeitspuffer nutzen und nicht etwa sofort in einen engeren Flugplan einbauen.

Auch die Kommunikation zum Kunden werde auf digitalen Wegen deutlich verbessert. Es sei erklärtes Ziel, bei einem Flugausfall zügig eine Reisealternative anbieten zu können. Kayser kündigte auch einen klareren Umgang mit den Handgepäckregeln an. Bei der Tochter Eurowings habe man bereits damit begonnen, häufiger als bisher Handgepäckstücke in den Frachtraum zu verladen, wenn die Kabine zu voll werde. Die bislang noch tolerantere Auslegung werde in den kommenden Monaten überprüft und die Gäste voraussichtlich häufiger gebeten, ihr Handgepäck möglichst aufzugeben, um Zeit zu sparen.

Weit entfernt vom Prädikat "Premium" seien die Abläufe bei der Flugsicherung, erklärte Kayser. Er hoffe sehr, dass es der Deutschen Flugsicherung kurzfristig noch gelinge, die Lotsen zu mehr Überstunden im Sommer zu bewegen. Mittelfristig sei neben mehr Lotsenausbildung der Einsatz moderner Technik sowie ein flexiblerer Personaleinsatz notwendig, um die Engpässe im Luftraum zu beseitigen.

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