Vor dem Quartalsbericht

B-737max-Debakel wird Boeing viel Geld kosten

Die B-737max8 wird von Boeing mit einer Bestuhlung von 162 bis 178 Sitzen angeboten. Der knapp 40 Meter lange Jet kann maximal 6510 Kilometer weit fliegen.
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Die B-737max8 wird von Boeing mit einer Bestuhlung von 162 bis 178 Sitzen angeboten. Der knapp 40 Meter lange Jet kann maximal 6510 Kilometer weit fliegen.

Der US-Flugzeug-Hersteller Boeing ist nach zwei Abstürzen in eine tiefe Krise geraten. Heute veröffentlicht der Konzern erstmals Zahlen, seitdem die Unglücksflieger vom Typ B-737max weltweit aus dem Verkehr gezogen wurden. Boeing-Chef Muilenburg steht enorm unter Druck.

Zwei Unglücke und ein schlimmer Verdacht: Der US-Luftfahrtriese Boeing steht nach den Flugzeug-Abstürzen in Indonesien und Äthiopien massiv in der Kritik und kämpft um seinen Ruf. "Diese letzten Wochen waren die herzzerreißendsten meiner Karriere", sagte Konzernchef Dennis Muilenburg jüngst. Nun wird Boeing den ersten Geschäftsbericht seit den weltweiten Startverboten für die Unglücksflieger der Baureihe B-737max vorlegen.

Die Boeing-Aktionäre wollen vor allem eines wissen: Wie hoch wird die Rechnung für das B-737max-Debakel ausfallen? Beim Quartalsbericht dürfte die Anleger deshalb besonders der Ausblick mit den Prognosen für das restliche Geschäftsjahr interessieren. Unmittelbar damit verknüpft ist die Frage, wie Boeing bei den Bemühungen um eine Wiederzulassung der B-737max vorankommt. Jüngst war hier trotz aller Beteuerungen Muilenburgs wenig Bewegung zu sehen.

Nach den Unglücken in Indonesien und Äthiopien, bei denen insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren, waren weltweit Startverbote für Boeings bestverkaufte Baureihe B-737max erlassen worden. Die Flugzeuge können nicht ausgeliefert werden, was Spuren in der Bilanz hinterlassen wird. Die Produktion der Flieger wurde bereits deutlich gedrosselt. Wegen der noch nicht abschließend geklärten Unfallursachen und Probleme mit einer Steuerungs-Software ist unklar, ob und wann die B-737max von den Aufsichtsbehörden wieder zugelassen werden.

B-737 für Boeing extrem wertvoll

Für den wirtschaftlichen Erfolg von Boeings ist die B-737max-Baureihe von enormer Bedeutung. Laut Analysten der Berenberg Bank steuert die Serie knapp ein Drittel zum Umsatz und einen Großteil des Gewinns bei. Boeing hat zwar jüngst keine neuen Aufträge für die Maschinen erhalten, sitzt aber nach wie vor auf Tausenden Bestellungen, bislang halten sich die Airlines mit Stornierungen zurück. Das ist auch dem Markt an kleineren Passagierflugzeugen geschuldet, der außer dem Konkurrenzmodell A-320 von Airbus – das auf Jahre ausverkauft ist – kaum Alternativen bietet.

Doch auch wenn ein massenhafter Umstieg und eine Stornierungswelle von Fluggesellschaften schon allein aus Mangel an Ausweichmöglichkeiten unwahrscheinlich sein dürfte, wird die Lage für Boeing immer kritischer. Je länger sich die Flugverbote hinziehen, desto stärker gerät der Hersteller gegenüber Kunden in Verzug, was zu Regressforderungen führen kann. Zudem ist es bereits ein logistischer Kraftakt, die vielen Maschinen zu lagern. Brisanter als diese operativen Probleme könnte die Rolle von Boeing bei den Abstürzen sein.

Noch mehr Probleme mit der Steuerungs-Software

Denn nachdem der Konzern Sicherheitsrisiken der B-737max anfangs noch beharrlich zurückgewiesen hatte, räumte Boeing nach und nach immer deutlicher Probleme mit der Steuerungs-Software MCAS ein. Die lassen sich mittlerweile auch kaum noch bestreiten: Denn die vorläufigen Ermittlungsberichte zu den beiden Abstürzen deuten ziemlich deutlich darauf hin, dass das System fälschlicherweise aktiviert wurde und die Maschinen Richtung Boden lenkte. Damit erhärtet sich der schlimme Verdacht, dass ein Herstellerfehler für die Unglücke verantwortlich sein könnte.

Für Boeing wäre dies in mehrerer Hinsicht hochbrisant. Die MCAS-Automatik stand schon nach dem Absturz in Indonesien am 29. Oktober stark in der Kritik. Der Konzern versprach damals bereits ein Update, stritt aber energisch ab, dass es Sicherheitsprobleme gebe. Am 10. März kam es dann zum Absturz einer baugleichen B-737max in Äthiopien, der starke Ähnlichkeiten mit dem ersten hatte. Seitdem ist Boeing mit schweren Vorwürfen und großem Misstrauen konfrontiert. Auch rechtlich könnte der Fall Boeing massiv unter Druck bringen.

Klagewelle von Absturzopfer-Angehörigen rollt an

Es liegen bereits etliche Klagen von Angehörigen der Absturzopfer vor. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass eine hausgemachte fehlerhafte Software der entscheidende Faktor bei den Unglücken war, so würde Boeing eine viel weitreichendere Haftung mit deutlich höherem Schadenersatz drohen. Zudem muss Boeing die staatlichen Strafverfolger fürchten. Der Konzern wird verdächtigt, bei der B-737max-Zulassung Informationen unterschlagen zu haben, was die Angelegenheit zum Kriminalfall machen könnte.

Die schlechten Nachrichten für Boeing reißen zudem nicht ab. Anfang des Monats musste der Konzern zugeben, dass es neben dem MCAS-Programm ein weiteres, möglicherweise sicherheitsrelevantes Software-Problem bei der B-737max gibt. Am Freitag kündigte die US-Luftfahrtbehörde FAA dann an, dass das Verfahren zur Wiederzulassung der Unglücksflieger noch mindestens drei Monate dauern dürfte. Und am Sonntag brachte ein Bericht der "New York Times" über angebliche Produktionsmängel beim Langstreckenjet B-787 ("Dreamliner") Boeing weiter in die Bredouille.

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