VDR zur Bahn-Debatte

Söder mit Mehrwertsteuer-Senkung auf Holzweg

Markus Söder will der Bahn weniger Steuern in Rechnung stellen. Den Geschäftsreisenden, die dadurch auf innerdeutsche Flüge verzichten sollen, bringt das aber praktisch nichts.
Flughafen Muenchen GmbH
Markus Söder will der Bahn weniger Steuern in Rechnung stellen. Den Geschäftsreisenden, die dadurch auf innerdeutsche Flüge verzichten sollen, bringt das aber praktisch nichts.

Allein eine reduzierte Mehrwertsteuer würde Bahnfahren nicht attraktiver machen, zeigt sich der VDR überzeugt. Vorsteuerabzugsberechtigten Unternehmen bringe eine solche Maßnahme nichts. Wichtiger sei es, Bahncards steuerlich zu begünstigen.

Grundsätzlich sei die Idee im Sinne des Klimaschutzes zwar begrüßenswert, sagt VDR-Vizepräsidentin Inge Pirner. Für Geschäftsreisen, die im Fernverkehr bislang rund ein Drittel des Bahn-Umsatzes ausmachen, griffen solche Überlegungen aber zu kurz. "Vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen erzielen dadurch keine Einsparungen und erhalten dadurch auch keinen zusätzlichen Anreiz, auf die Bahn umzusteigen", so Pirner. "Innerdeutsche Flugreisen reduzieren zu können, ist auch aus diesem Grund eher Wunschdenken – zumal diese Flüge vornehmlich von Geschäftsreisenden genutzt werden." 



Der VDR hatte bereits im April dieses Jahres einen ähnlichen Vorstoß von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer als unzureichend kritisiert. „Es bleibt dabei, dass insbesondere Geschäftsreisende in erster Linie pünktliche, verlässliche und komfortable Zugverbindungen in enger Taktung und mit gutem Service erwarten", erklärt Inge Pirner. "Nur Investitionen in Infrastruktur, Kapazitäten und Personal schaffen Abhilfe." Die nun angekündigten 86 Milliarden Euro seien der richtige Weg, aber nur ein Anfang.

Für Geschäftsreisen werde die Bahn attraktiver, wenn die private Nutzung von dienstlichen Bahncard 100 steuerbegünstigt würde. Dadurch würden weit mehr Firmen die Karte ihren Mitarbeitern statt eines Dienstautos zur Verfügung stellen, argumentiert der VDR.



Zudem kritisieren Geschäftsreiseexperten die jüngste Aussage von DB-Chef Lutz, eine Mehrwertsteuer-Senkung nicht im gleichen Maße an die Kunden weiterzugeben. Die angeregte Steuersenkung sei nicht als Wohltat für den Bahnkonzern gedacht, sondern habe zum Ziel, das Bahnfahren für die Kunden preisgünstiger zu machen. Diese sollten dazu gebracht werden, aus Klimagründen auf die Schiene umzusteigen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Wolfram Schneppe
    Erstellt 29. Juli 2019 17:08 | Permanent-Link

    Ja, zum einen sollte die Mehrwertsteuersenkung natürlich voll und ganz an die Bahnkunden weitergegeben werden. Und dann, liebe Frau Pirner, werden dass die Kunden, die 2/3 des Bahnumsatzes ausmachen - die große Mehrheit als die "nur" 1/3 von Ihnen vertretenen Geschäftsreisekunden - sehr wohl zu danken wissen, nehme ich an! Und die Umwelt... Aber zunächst müssen mehr Gleise und Fahrzeuge her, wenn ich zu irgendwann den Verkehr verdoppeln will. Und ich sehe schon unseren Zukunftsverhinderer BUND, wie er aufschreit, wenn für neue Trassen Bäume gefällt werden sollen...

  2. Joachim Horn
    Erstellt 31. Juli 2019 09:38 | Permanent-Link

    Die Deutsche Bahn dürfte eine evtl. MWSt.-Senkung gar nicht aus eigenem Ermessen an die Kunden weitergeben, da die Bahn keine Tarifhoheit besitzt. Alleiniger Entscheidungsträger für eine solche Weitergabe des Preisvorteils durch eine MWST.-Absenkung wäre das EBA (Eisenbahnbundesamt).

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