Urteil steht bevor

LH klagt vor BGH gegen Kostenübernahme für Sky Marshals

Auf den teureren Sitzen in der Nähe vom Cockpit nehmen die Sky Marshals für gewöhnlich Platz.
Lufthansa
Auf den teureren Sitzen in der Nähe vom Cockpit nehmen die Sky Marshals für gewöhnlich Platz.

Sie fliegen unerkannt im ein oder anderen Flieger mit und sollen im Ernstfall einen Terroranschlag verhindern: „Sky Marshals“ sorgen für Sicherheit an Bord. Doch wer soll das bezahlen? Der BGH prüft eine Millionen-Klage der Lufthansa.

Müssen Airlines alle Kosten für mitfliegende Bundespolizisten („Sky Marshals“) übernehmen? Das prüft der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Am 26. Juli will er sein Urteil sprechen. Die Flugsicherheitsbegleiter – so ihr offizieller Name – sind seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf gefährdeten Strecken unerkannt an Bord und sollen im Ernstfall einen Terroranschlag verhindern. Die bewaffneten Zivilpolizisten müssen laut Gesetz kostenlos befördert werden. Die Lufthansa will für sie aber nicht noch Steuern, Einreise- oder Zollgebühren sowie Start- und Landeentgelte zahlen. Sie fordert über 2,3 Mio. Euro an Kosten zurück (Aktenzeichen III ZR 391/17).

Vor dem Landgericht Potsdam blieb die Fluggesellschaft mit ihrer Klage ebenso erfolglos wie vor dem Brandenburgischen Oberlandesgericht. Mit der kostenlosen Beförderungspflicht würden ihre Rechte nicht unangemessen eingeschränkt. Auch seien die jährlichen Zusatzkosten für die „Sky Marshals“ in Höhe von 300.000 Euro angesichts eines 30-Milliarden-Euro-Umsatzes „von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung“, so das OLG.

„Fliegen ist teuer“, meinte hingegen der Lufthansa-Anwalt am Donnerstag vor dem BGH. Er verwies auf hohe Kosten für die Anschaffung der Flieger, für Personal und Kerosin – und darauf, dass die Polizisten „hochpreisige Plätze“ besetzten. Die Fluggesellschaft sieht sich gegenüber der ausländischen Konkurrenz benachteiligt und auch gegenüber Gesellschaften, die nur Inlandsflüge anbieten. Sie werde als „unbeteiligte Dritte“ zu einem „Sonderopfer“ herangezogen. Polizeipräsenz wegen Einbrüchen in einem Geschäftsviertel würden schließlich auch von der Allgemeinheit bezahlt.

Aus Sicht des Anwaltes der Bundespolizei fliegen die „Sky Marshals“ hingegen im Interesse der Lufthansa mit. Auch könne ein Flugzeug – im Gegensatz zum Zug zum Abstürzen gebracht und als „Waffe“ eingesetzt werden. Zudem ende die Beförderungspflicht nicht im fremden Luftraum. Der BGH könnte dies ähnlich sehen: „Die Beamten können nicht mit dem Fallschirm abspringen“, meinte der Vorsitzende Richter. (dpa)

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