Teurer statt billiger

VDR sauer über Bahnpreis-"Mogelpackung"

Unternehmen sollen für ihre Geschäftsreisen künftig deutlich mehr bezahlen als touristisch Reisende: Das sieht laut VDR die Tarifreform der DB vor.
Deutsche Bahn AG
Unternehmen sollen für ihre Geschäftsreisen künftig deutlich mehr bezahlen als touristisch Reisende: Das sieht laut VDR die Tarifreform der DB vor.

Für Geschäftsreisende soll Bahnfahren künftig teurer werden: Den bisherigen Großkundenrabatt soll es ab 2020 nur noch auf den teuren Flexpreis Business geben.

Eigentlich verlangen Klimaschützer, dass Bahnfahren künftig preisgünstiger wird. Nun plant die Deutsche Bahn aber offenbar das Gegenteil: Geschäftsreisende sollen mit dem kommenden Fahrplanwechsel deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dies sehe eine Tarifreform vor, so der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR). Er spricht denn auch von einer "versteckten Preiserhöhung".

So habe der DB-Konzern mitgeteilt, dass der für viele Unternehmen attraktive Großkundenrabatt ab dem 1. Januar 2020 nur noch auf den sogenannten Flexpreis Business gewährt werde. Für diesen müssten Unternehmen aber deutlich tiefer in die Tasche greifen als für die in den öffentlichen Kanälen angebotenen Flexpreise. Damit diskriminiere die Bahn den Geschäftsreiseverkehr und sorge dafür, dass der von der Politik vorgesehene Umstieg vom Flugzeug auf die Schiene deutlich erschwert werde.

„Die von der Bahn angekündigten stabilen Ticketpreise sind somit nichts anderes als eine Mogelpackung zulasten der Unternehmen und ihrer reisenden Mitarbeiter", kritisiert VDR-Vize-Präsidentin Inge Pirner. Um künftig weiterhin von einer Rabattierung profitieren zu können, müssten Geschäftsreisende mehr für ihre Fahrkarte bezahlen als andere Reisende, sie müssten nämlich zum Flexpreis Business greifen.

Dieser ist nach den Worten des VDR aber "nichts anderes als die Wiedereinführung des abgeschafften früheren Normalpreises, nur teurer und mit Konditionen, die dem Geschäftsreisenden normalerweise nicht viel Mehrwert bieten."

Besonders problematisch für die Unternehmen sei zudem, dass sie vermeintliche Vorteile des Flexpreises Business wie beispielsweise kostenfreie Stornierungen bis 180 Tage nach Reisedatum nicht in ihren Online-Buchungssystemen abbilden könnten, wenn etwa Buchungen bereits nach wenigen Tagen archiviert würden. Zudem verweigere die DB Geschäftskunden im Buchungssystem den Zugriff auf den Sparpreis. Buchbar sei lediglich der nicht stornierbare Super-Sparpreis.

Einige VDR-Mitgliedsunternehmen prognostizierten durch die Tarifreform Mehrkosten in sechsstelliger Höhe. Insbesondere der Mittelstand befürchte angesichts der zu erwartenden Konjunkturdelle eine erhebliche finanzielle Zusatzbelastung.

"Wir wissen von Firmen, die sich bereits jetzt nach Alternativen umschauen und den Fokus ihrer künftigen Mobilitätsstrategie nicht mehr auf die Bahn legen wollen", sagt Inge Pirner. Gewinner könnte der innerdeutsche Flugverkehr sein. Pirner: "Wir befürchten, dass die Bahn die Unternehmen aus der nachhaltigen Mobilität herausdrängt."

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