Tarifstreit

Verdi will mehr Geld für Sicherheitspersonal

Auch Fluggast-Kontrolleure können den Luftverkehr lahmlegen. Mit dieser Macht im Rücken hat Verdi in den vergangenen Jahren hohe Lohnsteigerungen durchgesetzt – und will dies auch weiter tun.

An deutschen Flughäfen könnte es schon bald wieder zu heftigen Tarifauseinandersetzungen kommen. Die Gewerkschaft Verdi will für die privaten Passagier- und Gepäckkontrolleure erneut hohe zweistellige Zuwachsraten beim Gehalt durchsetzen. Im Pilotbezirk Berlin-Brandenburg soll der Stundengrundlohn für Personenkontrolleure an den Sicherheitsschleusen von jetzt 15,64 Euro auf 19 Euro steigen – ein Plus von mehr als 21 Prozent.

Noch kräftiger fällt die von der Tarifkommission aufgestellte Forderung für Wachleute aus, die nicht im Auftrag der Bundespolizei, sondern für Flughafen und Fluggesellschaften tätig sind: Ihr Stundengrundlohn soll von 11,72 Euro auf 16 Euro steigen, ein Plus von 37 Prozent. Dazu kommen Forderungen nach höheren Funktionszulagen und einer neuen „Erschwerniszulage“ von 1,50 Euro pro Stunde bei ungünstigen Witterungs- und Temperaturverhältnissen.

Der bestehende Tarifvertrag für Sicherheitsleute im Luftverkehr in Berlin-Brandenburg läuft bereits Ende September aus, die übrigen Länder folgen zum Jahresende. In der Vergangenheit hatte es immer wieder punktuelle Streiks der Kontrolleure mit heftigen Folgen für Passagiere und Flugbetrieb gegeben.

Die Arbeitgeber reagierten mit Empörung auf die Verdi-Vorstellungen. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheitswirtschaft (BDSW), Harald Olschok, verwies auf die hohen Gehaltssteigerungen in den vergangenen Jahren. „Das kann nicht ewig so weitergehen, zumal wir längst ein sehr hohes Niveau erreicht haben.“ Mit einer normalen Tarifpolitik habe das nichts mehr zu tun, hatte er der „FAZ“ gesagt und Verdi vorgeworfen, die Tarifmacht der Kontrolleure in aller Härte zur Mitgliederwerbung einzusetzen.

„Wir wollen unsere Marktmacht nicht missbrauchen. Es ist unser Ziel, die Bezahlung zu harmonisieren, damit gleicher Lohn für die gleiche Dienstleistung gezahlt wird“, sagte hingegen das Verdi- Bundesvorstandsmitglied Ute Kittel der Deutschen Presse-Agentur. Es müsse auch nicht zwangsläufig zu Streiks kommen. „Ich sehe auf beiden Seiten eine hohe Bereitschaft, das nicht komplett eskalieren zu lassen.“ (dpa)

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