Staatshilfe

LH braucht Milliarden und hat 10.000 Stellen zu viel

Die Lufthansa hat auch ihre komplette A-380-Flotte stillgelegt.
Lufthansa
Die Lufthansa hat auch ihre komplette A-380-Flotte stillgelegt.

Deutschlands größte Fluggesellschaft kommt ohne großzügige finanzielle Hilfen nicht aus. Konzernchef Carsten Spohr plant zudem einen drastischen Stellenabbau.

Im Vergleich zu den weitaus meisten anderen Fluggesellschaften der Welt geht es Lufthansa noch recht gut – dennoch braucht auch sie Staatsgeld, um zu überleben. Die Aktie der Fluggesellschaft ging seit der Krise um 40 Prozent zurück.

Laut Marktbeobachtern benötigt die Airline etwa zehn Milliarden Euro, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Lufthansa selbst verfügt über eine Rücklage von fünf Milliarden – weitaus mehr als die meisten anderen Fluggesellschaften, und dennoch zu wenig. Deutschlands größte Airline rechnet nicht damit, dass sich das Passagieraufkommen in den kommenden Jahren normalisiert, sondern geht von einem langanhaltenden Einbruch aus. Viele Menschen würden vorerst keine Flugreisen mehr vornehmen, und auch der Geschäftsreiseverkehr werde drastisch zurückgehen.

Über ein Hilfspaket spricht LH bereits seit Wochen mit dem Staat, lehnt jedoch eine völlige Verstaatlichung nach dem Beispiel der Deutschen Bahn ab. Eine solche fordern bisher allerdings auch nur wenige Politiker. Zuletzt erhob Frankfurts Oberbürgermeister diese Forderung.

Offenbar soll die Airline-Gruppe ingesamt zehn Milliarden Euro erhalten, darunter aus KfW-Krediten. Das Geld sollen die Regierungen Deutschlands, Österreichs, Belgiens und der Schweiz zur Verfügung stellen. Dort agiert die Lufthansa jeweils als mit Abstand größte und wichtigste Fluggesellschaft, auch unter den Marken Austrian, Brussels und Swiss. Kredite allein dürften aber nicht helfen, da die Schuldenlast damit noch weiter ansteigen würde.

Außerdem habe die Lufthansa rechnerisch wegen ihrer geplanten Schrumpfung insgesamt 10.000 Jobs zu viel. Denn statt wie geplant um 70 Maschinen soll die Flotte nun sogar um 100 Flugzeuge verkleinert werden. Das sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in einem Webcast vor den Beschäftigten. Anfänglich hatten Beobachter seine Aussagen sogar dahingehend verstanden, dass die nun überhängenden 10.000 Stellen gestrichen werden sollen. Dies sei missverständlich gewesen, teilte der Konzern später mit. Man bemühe sich, so viele Jobs wie möglich zu erhalten.

Höhere Ticketpreise, mit denen die Lufthansa möglicherweise schneller wieder Geld verdienen würde, sind nach Corona ebenfalls unwahrscheinlich. Im Gegenteil sind in China, wo wieder geflogen werden darf, die Raten völlig in den Keller gegangen. Dort können die Menschen inzwischen für umgerechnet wenige Euro in die Luft gehen. Zum Teil brachen die Ticketpreise um bis zu 90 Prozent ein.

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