Reaktion auf Flugzeugabsturz

Australien, Singapur und Malaysia verhängen Verbot für Boeing B-737 Max 8

Die B-737 Max 8 von Boeing darf momentan in vielen Ländern nicht mehr abheben.
Boeing
Die B-737 Max 8 von Boeing darf momentan in vielen Ländern nicht mehr abheben.

Australien und Singapur lassen keine Boeing B-737 Max 8 mehr starten und landen. Betroffen sind mehrere Fluggesellschaften. Die US-Luftfahrtbehörde will dagegen zunächst kein Verbot aussprechen.

Australien lässt auf seinen Flughäfen keine Passagiermaschinen des Typs Boeing B-737 Max 8 mehr starten und landen. Die nationale Flugsicherheitsbehörde verhängte nach dem Absturz eines Boeing-Flugzeugs in Äthiopien am Dienstag für alle solche Maschinen ein vorübergehendes Verbot.

Betroffen sind die beiden Fluggesellschaften Silk Air aus Singapur und Fiji Airways von den Fidschi-Inseln, die die Boeing B-737 Max 8 in Australien im Einsatz haben. Australische Fluggesellschaften fliegen nicht damit.

Auch auf dem Flughafen Singapur – einem der größten weltweit – dürfen bis auf Weiteres keine Passagiermaschinen des Typs mehr starten und landen. Der südostasiatische Stadtstaat verhängte am gestrigen Dienstag mit sofortiger Wirkung ein vorübergehendes Verbot. 

Das Verbot soll nach einer Mitteilung der nationalen Flugsicherheitsbehörde solange gelten, bis "weitere Informationen gesammelt und das Sicherheitsrisiko neu bewertet" ist. Einen genaueren Zeitraum nannte die Behörde nicht. Betroffen von dem Verbot sind unter anderem die Fluggesellschaften China Southern, Thai Lion, Garuda, Silk Air und Shandong. Mit mehr als 60 Millionen Passagieren gehört der Changi-Flughafen von Singapur zu den 20 größten der Welt. 

Nun hat auch Malaysia allen Flugzeugen des Typs Boeing B-737 Max 8 den Betrieb auf seinem Gebiet verboten. Nachdem es in weniger als fünf Monaten zwei tödliche Unfälle mit Flugzeugen dieses Typs gegeben habe, sei deren Betrieb nach oder von Malaysia bis auf Weiteres ausgesetzt, hieß es in einer Erklärung von Malaysias ziviler Luftfahrtbehörde CAA. Das Verbot gelte ab sofort. Zudem stellte die Behörde klar, dass keine malaysische Fluggesellschaft eine Boeing B-737 Max 8 aktuell nutze. 

Auch die südkoreanische Billigfluggesellschaft Eastar Jet lässt ihre beiden Maschinen des gleichen Typs vorerst auf dem Boden. Die Entscheidung der Airline gab Südkoreas Transportministerium bekannt. Nach Berichten südkoreanischer Medien ist Eastar Jet die einzige Airline des Landes, die diese Flugzeuge derzeit betreibt.

Eastar wolle die B-737 Max 8 solange parken, bis klar sei, dass sie sicher betrieben werden können, wurde der Präsident der Airline vom Ministerium zitiert. Der Betrieb werde von Mittwoch an vorerst eingestellt. Transportminister Kim Jung Ryul habe zuvor das Unternehmen zur Zusammenarbeit bei gründlichen Prüfungen zur Flugsicherheit gebeten. Im Moment gebe es keine ausländischen Fluggesellschaften, die eine B-737 Max 8 in Korea einsetzten, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Eastar habe in diesem Jahr vier weitere B-737 Max 8 zu ihrer Flotte hinzufügen wollen, meldete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Auch andere Airlines des Landes einschließlich Korean Air hätten Aufträge über die Lieferung von Flugzeugen dieses Typs unterzeichnet.



Die US-Luftfahrtbehörde FAA will unterdessen zunächst kein Startverbot für Maschinen dieser Bauart verhängen. "Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilte die FAA mit. 

China, Indonesien und Äthiopiens nationale Fluggesellschaft Ethiopian Airlines hatten am gestrigen Montag ein Startverbot für alle Flugzeuge vom Typ B-737 Max 8 des US-Luftfahrtkonzerns Boeing verfügt. Die größte mexikanische Fluggesellschaft Aeroméxico kündigte an, ihre sechs Maschinen des Typs so lange am Boden zu lassen, bis nähere Informationen zur Absturzursache vorliegen. Ähnliches gilt in Argentinien für fünf Maschinen der Gesellschaft Aerolíneas Argentinas und in Brasilien für sieben Maschinen der Gesellschaft Gol.

Experten der FAA und der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB unterstützen die äthiopischen Behörden bei der Suche nach der Unglücksursache. Die FAA teilte mit, man werde "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist". Die Behörde verwies auf zahlreiche technische Prüfungen nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine am 29. Oktober vergangenen Jahres und auf Maßnahmen, die in Folge dieses Crashs ergriffen worden seien.

Boeing-Flieger landen auch in Deutschland

Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max fliegen einem Bericht zufolge auch mindestens einen Flughafen in Deutschland an: In Düsseldorf nutzten die Airlines Lot (Polen), Smart Wings (Tschechien), Turkish Airlines und Corendon (beide Türkei) Maschinen dieser Reihe, berichtete die "Rheinische Post" mit Verweis auf den Flughafen.

Boeing versprach derweil eine rasche Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware. In den vergangenen Monaten habe Boeing ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen", teilte das Unternehmen im gestrigen späten Montagabend mit. Einen direkten Bezug zu dem in Äthiopien abgestürzten B-737-Max-Flieger stellte Boeing nicht her, sprach den Angehörigen der 157 Todesopfer jedoch ganz am Ende des Statements Anteilnahme aus.

Die Überarbeitung der Software erfolgte Boeings Mitteilung zufolge im Zuge des im Oktober in Indonesien abgestürzten Lion-Air-Flugs 610 und werde in den kommenden Wochen bei sämtlichen B-737-Max-Maschinen installiert. Das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz, bei dem 189 Menschen ums Leben kamen, schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern.

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