Probleme im Kabinenbereich

Airbus kappt für 2019 das Auslieferungsziel

Im Airbus-Werk von Hamburg-Finkenwerder hakt es ein wenig bei der A-321neo-Produktion.
Airbus/M. Lindner
Im Airbus-Werk von Hamburg-Finkenwerder hakt es ein wenig bei der A-321neo-Produktion.

Der europäische Flugzeug-Hersteller verdient aktuell kräftig. Doch von der Krise seines US-Rivalen Boeing kann er nur bedingt profitieren. Die Produktionsausweitung ist eine größere Herausforderung als gedacht.

Der europäische Flugzeug-Hersteller Airbus kürzt wegen Problemen beim Bau des Mittelstreckenjets A-321neo die Auslieferungspläne. Statt 880 bis 890 Verkehrsflugzeugen dürften im laufenden Jahr nur rund 860 Maschinen den Weg zu den Airlines finden, kündigte Vorstandschef Guillaume Faury an. Von der Krise seines US-Rivalen Boeing kann Airbus nur beschränkt profitieren – denn der Produktionsausbau hält mit der Nachfrage nicht Schritt. An der Börse kamen die Nachrichten zunächst nicht gut an. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier allerdings fast 50 Prozent an Wert gewonnen.

Im Sommer verdiente der Luftfahrt- und Rüstungskonzern mehr als von Analysten erwartet. Finanzchef Dominik Asam sieht auch das Gewinnziel für 2019 trotz der gekappten Auslieferungspläne nicht in Gefahr. So soll das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) von im Vorjahr 5,8 Mrd. Euro in diesem Jahr um etwa 15 Prozent steigen. Obwohl der Umsatz im dritten Quartal mit 15,3 Mrd. Euro rund ein Prozent niedriger ausfiel als ein Jahr zuvor, steigerte Airbus seinen Gewinn. Das bereinigte Ebit stieg um zwei Prozent auf 1,6 Mrd. Euro, der Überschuss um drei Prozent auf 989 Mio. Euro.

Allerdings stellt die geplante Produktionsausweitung bei den Mittelstreckenjets der A-320neo-Modellfamilie den Hersteller vor größere Herausforderungen als gedacht. Der Einbau der neuartigen Kabinenausstattung des Fliegers dauere deutlich länger als bei der herkömmlichen Version, erläuterte Faury in einer Telefonkonferenz. Die Airbus Cabin Flex (ACF) genannte Kabinenvariante schafft in der längeren Flugzeugversion A-321neo Platz für mehr Passagiere.

Airbus will schon im Jahr 2021 monatlich 63 Maschinen der A-320-Familie fertigstellen, die durch die modernisierte und weniger spritdurstige Neuauflage A-320neo einen immensen Nachfrageschub erhalten hat. Weil die Produktion der A-320neo-Familie über Jahre hinweg ausgebucht ist, kann Airbus seinem schwer gebeutelten Rivalen Boeing aber kurzfristig kaum Kunden abjagen. Dabei hat das weltweite Flugverbot für die B-737max – das Konkurrenzmodell zur A-320neo – den US-Konzern in eine tiefe Krise befördert. Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten dürfen die Jets der Reihe seit März weltweit nicht mehr starten. Auch die Auslieferungen sind gestoppt.

Der Airbus-Führung bereiten die von den USA verhängten Strafzölle auf Airbus-Jets aus Europa Kopfzerbrechen. Man spreche mit den Airbus-Kunden aus den USA darüber, wie man die Auswirkungen der Zölle begrenzen könne, sagte Faury. So baut Airbus Maschinen der A-320neo-Reihe und bald auch das kleinere Modell A-220 auch an einem Standort im US-Bundesstaat Alabama. Auf dort endmontierte Maschinen fallen keine Zölle an – ebenso wenig auf Teile, die von Europa in die US-Werke geliefert werden.

Die USA hatten die Zölle Anfang Oktober als Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für Airbus angekündigt. Die EU-Kommission droht den USA mit Vergeltung, denn die EU hatte in einem ähnlichen Verfahren um Subventionen für Boeing Recht bekommen. Die EU könnte daher ebenfalls Strafzölle in ähnlicher Höhe erheben. Die WTO-Entscheidung dazu wird aber erst 2020 fallen.

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