Oldtimer-Propellerflugzeuge

LH streicht Passagierflüge der „Tante Ju“

Seit mehr als 80 Jahren flugfähig: Die legendäre Ju-52 des Herstellers Junker.
Markus Kress/Wikimedia, CC BY-SA 3.0
Seit mehr als 80 Jahren flugfähig: Die legendäre Ju-52 des Herstellers Junker.

Zu ihrem 80. Geburtstag präsentierte sich die „Tante Ju“ der Lufthansa noch in bester Gesundheit. Doch dem Konzern wird es zu kostspielig, die alte Dame für Passagierflüge in der Luft zu halten.

Ihr sonores Brummen am Himmel gehörte zum Hamburger Hafengeburtstag wie das Tuten der Schiffshörner: Als Deutschlands bekanntestes Oldtimer-Flugzeug ist die Ju-52 mit dem Kennzeichen D-CDLH (historisch D-AQUI) seit Jahrzehnten ein beliebter Werbeträger für Lufthansa. Die stets gefragten Tickets für die Hamburger Hafenrunden und andere Einsätze wird es aber in Zukunft nicht mehr geben, denn der LH-Konzern hat die Passagierflüge mit der bald 83 Jahre alten Maschine aus Kostengründen gestoppt.

„Der Flugbetrieb der Ju-52 wurde Jahr für Jahr mit hohen Beträgen bezuschusst. Ein wirtschaftlicher Betrieb war auch perspektivisch nicht zu erreichen“, begründete das Unternehmen dieser Tage den bei Fans unpopulären Schritt. Schließlich gehört der Veteran zu der kleinen Handvoll flugfähiger Maschinen des in den 1930er-Jahren extrem erfolgreichen Passagier- und Transportflugzeugs, von dem mehr als 9000 zivile und militärische Exemplare gebaut wurden.

Ob und zu welchen Anlässen das „fliegende Denkmal“ künftig abheben wird, ist noch nicht entschieden. Normale Fluggäste aber werden nicht mehr an Bord sein können. Tickets gibt es keine mehr, „gültige Gutscheine werden kulant erstattet“, heißt es bei der zuständigen Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung. Das künftige Konzept muss noch erarbeitet und vom Vorstand abgesegnet werden, sagt Stiftungssprecher Wolfgang Servay. Vorstellbar sind beispielsweise Rundflüge ohne Passagiere etwa bei großen Luftfahrtveranstaltungen. Zum diesjährigen Hafengeburtstag wird es aber wohl nichts.

Zum Leidwesen ihrer leidenschaftlichen Piloten wird die Ju-52 künftig wohl seltener abheben. „Die Motoren einer Ju-52 anzulassen, ist jedes Mal unheimlich schön“, schwärmte Chefpilot Uwe Wendt zum 80. Geburtstag der Dame im Jahr 2016: „Das ist Handarbeit und man braucht auch Muskelkraft.“ Und er erzählt von den Fluggästen, die oft eigene Erinnerungen an das Flugzeug hatten, zum Beispiel beim Transport von Verwundeten. Die Ju 52 wurde zwar nicht als Militärflugzeug entwickelt, Flugzeuge des Typs sind jedoch auch als Hilfsbomber eingesetzt worden.

Oldtimer-Propellerflugzeuge mit zu hohem Reparaturaufwand

Die im April 1936 ausgelieferte Junkers wurde bei den Junkers-Werken in Dessau gebaut und ist nicht der einzige Oldtimer, der Lufthansa Sorgen bereitet. Bereits im vergangenen Jahr hat der Konzern wegen überbordender Kosten das Projekt eingestellt, im US-Bundesstaat Maine eine „Lockheed Super Star“ aus dem Baujahr 1957 wieder für Passagierflüge fit zu machen. Die auch als „Super Constellation“ bekannte Propellermaschine mit vier Motoren erwies sich als Fass ohne Boden, in das nach unbestätigten Berichten schon 100 bis 200 Mio. US-Dollar geflossen sein sollen.

Fehlende Pläne, aufwendige Neukonstruktionen und modernere Werkstoffe sowie komplexe Genehmigungsverfahren waren auch bei der einstigen „Königin des Nordatlantiks“ die Kostentreiber. Das stets als besonders schön beschriebene Flugzeug soll zerlegt und laut Stiftung noch in diesem Jahr nach Deutschland verschifft werden. Ob es je wieder abheben wird, ist fraglich und ebenfalls Gegenstand der noch ausstehenden Neukonzeption für die LH-Oldtimer. Passagiere wird sie aber sicher nicht mehr an Bord nehmen.

Wie gefährlich der Betrieb alter Flugzeuge werden kann, zeigt der noch nicht restlos aufgeklärte Absturz einer mit 16 Passagieren und vier Crew-Mitgliedern voll besetzten Ju-52 im Schweizer Kanton Graubünden im vergangenen August. Niemand überlebte. An den Wrackteilen zeigten sich Rostschäden, die bei den Routinekontrollen unentdeckt geblieben waren, so das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt, das der Gesellschaft Ju-Air den Betrieb mit zwei weiteren Ju-52 bis auf Weiteres untersagte. Man hoffe auf eine Betriebserlaubnis für diesen Sommer, heißt es bei dem Unternehmen in Dübendorf bei Zürich.

Die Lufthansa-Junkers hat eine wechselvolle Geschichte mit Stationen in Norwegen, südamerikanischen Öl-Plattformen und US-Flug-Shows hinter sich. Die genaue Zahl der geleisteten Flugstunden kennt niemand. Für die Lufthansa, die den Flieger auf Initiative begeisterter Piloten 1984 zurück erwarb und in Hamburg umfassend restaurierte, hat sie seitdem 11.500 Stunden absolviert.

Aktuell steht die alte Tante in einem Hangar in München und wird während der „Winterliegezeit“ repariert. Zuletzt wurde ein Schaden an der Motoraufhängung festgestellt, für die ein neues Teil mit modernen Werkstoffen gebaut werden muss. „Das kann man ja nicht einfach beim Hersteller bestellen, sondern muss es mit hohem Ingenieursaufwand neu entwickeln“, schildert Servay einen wichtigen Grund für die hohen Kosten. Bei solchen Aktionen ist stets auch das Luftfahrtbundesamt als Aufsicht und Zulassungsbehörde mit im Spiel. (dpa)

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