Nach Haarriss in B-737NG

TUIfly und Sun Express finden keine Mängel an Boeing-Jets

Die schlechten Nachrichten für Boeing reißen nicht ab: In einigen Maschinen des Vorgängermodells des Unglücksfliegers B-737max wurden Haarrisse gefunden. Jetzt überprüfen Airlines ihre Flotten. Der Grund sieht aus wie eine Gurkengabel.

Die Ferienflieger TUIfly und Sun Express geben angesichts der Risse an Boeing-Jets der Baureihe B-737NG bei anderen Airlines für ihre eigenen Flotten Entwarnung. "Wir führen alle Checks gemäß den Herstellervorgaben durch und haben einige Flugzeuge auch vorsorglich überprüft", sagte ein TUI-Sprecher. "Dabei haben wir keine Auffälligkeiten gefunden." Der LH-Ableger Sun Express, der wie TUIfly auf der Kurz- und Mittelstrecke auf diesen Flugzeugtyp setzt, musste 20 Jets überprüfen. Es habe aber keine Auffälligkeiten oder gar Strukturrisse gegeben, sagte eine Sprecherin.

Zuvor hatte Qantas bei drei ihrer Maschinen Haarrisse entdeckt. Die Risse lagen an einer Stelle, an der die Tragflächen am Rumpf befestigt sind. Im Luftfahrt-Jargon nennt man diese Teile "Pickle Forks", weil sie an Gurkengabeln erinnern. Die betroffenen Maschinen seien aus dem Verkehr gezogen worden, hieß es. Insgesamt sollen nun 33 Maschinen im Bestand von Qantas noch vor der üblichen Inspektionsfrist kontrolliert werden.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte den Betreibern von B-737NG vor einigen Wochen entsprechende Checks ab einer bestimmten Zahl Flugzyklen vorgeschrieben. Der Ferienflieger Sun Express, der zur Lufthansa und der Fluggesellschaft Turkish Airlines gehört, hat 65 Maschinen der Reihe in der Flotte, von denen der Sprecherin zufolge 20 untersucht werden mussten.

TUIfly betreibt 39 Jets des Typs. Viele davon seien noch gar nicht so alt, dass sie unter diese Checks fielen, sagte der Sprecher. Im Ferienfluggeschäft würden die Maschinen viel weniger geflogen als bei Billigfliegern in den USA. "Dadurch sind unsere Flugzeuge viel weniger beansprucht."

Europas größter Billigflieger Ryanair, dessen Flotte komplett aus B-737NG besteht, hatte sich bereits zuvor trotz der Nachrichten aus Australien entspannt gezeigt: "Ryanair überprüft ihre Flugzeuge weiterhin in Übereinstimmung mit den Lufttüchtigkeitsanweisungen und erwartet keine Auswirkungen auf unsere Verbindungen oder Flottenverfügbarkeit."

Die B-737NG ist das Vorgängermodell der B-737max. Die B-737max-Modelle sind seit Mitte März wegen zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten mit Flugverboten belegt. Als eine entscheidende Unglücksursache gilt ein fehlerhaftes Steuerungsprogramm von Boeing. Ob und wann die Maschinen wieder abheben dürften, ist von internationalen Aufsichtsbehörden abhängig und derzeit unklar.

TUIfly und Sun Express hätten in diesem Jahr auch ihre ersten Jets vom Typ B-737max erhalten sollen, doch dann verhinderte das Flugverbot die Auslieferung. Die fehlenden Flugzeuge für die wichtige Sommersaison mussten sich beide Airlines daher samt Besatzungen von anderen Fluggesellschaften mieten. Die hohen Kosten dafür zehren bei Tui kräftig am Gewinn. Sunexpress macht dazu keine Angaben.

Im Gegensatz zu TUIfly, Sun Express und Ryanair setzen die Fluggesellschaften Easyjet, Condor und Laudamotion sowie die Lufthansa samt Eurowings auf Kurz- und Mittelstrecken auf das Konkurrenzmodell Airbus A-320 und dessen Neuauflage A-320neo. Die Lufthansa hat ihre letzte Boeing B-737 bereits vor einigen Jahren aus ihrer Flotte verabschiedet.
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