Nach Abgang im Streit

Millionen-Abfindung für Ex-Bahnchef Grube

Rüdiger Grube
Deutsche Bahn AG/P. Castagnola
Rüdiger Grube

Gut 2,3 Mio. Euro für einen Monat Arbeit? Dem ehemaligen Bahnchef Rüdiger Grube soll sein Abgang beim Staatskonzern fürstlich entgolten worden sein.

Ex-Bahnchef Rüdiger Grube hat nach seinem Abgang beim bundeseigenen Konzern im vergangenen Jahr Medienberichten zufolge eine Millionen-Abfindung erhalten. Obwohl der Manager nach Streit um eine Vertragsverlängerung sein Amt bereits Ende Januar 2017 aufgab, soll er rund 2,3 Mio. Euro erhalten haben. Das geht nach Informationen der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“ aus dem noch nicht veröffentlichten Geschäftsbericht der Deutschen Bahn hervor. Demnach sollen von den 2,3 Mio. Euro etwa 2,25 Mio. als „Bezüge im Zusammenhang mit der vorzeitigen Beendigung der Tätigkeit“ gezahlt worden sein.

Der Geschäftsbericht wird am kommenden Donnerstag vorgestellt. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wollte die Berichte am Wochenende nicht kommentieren. Sie verwies auf die anstehende Bilanzpressekonferenz. Harsche Kritik übte der Bahnexperte der Grünen-Fraktion im Bundestag, Matthias Gastel: „Es ist kein Wunder, dass die Kritik an Politikern und Managern immer heftiger wird, wenn solche irrwitzigen Summen als Abfindungen gezahlt werden“, sagte er.

Der Konzern habe die Probleme bei Pünktlichkeit, Gütersparte oder Verschuldung nicht im Griff, werfe aber dem Ex-Chef 2,3 Mio. Euro für 30 Tage hinterher. „Das sind mehr als 75.000 Euro pro Tag – etwa das 30-fache dessen, was eine Pflegekraft pro Monat verdient“, sagte Gastel. Er verlangte von der Bundesregierung umfassende Aufklärung. Unter anderem müsse geklärt werden, wie sich Regierungsmitglieder im Aufsichtsrat bei der Entscheidung über die Zahlung verhalten haben.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dringt derweil auf eine „neue Kultur“ in den Unternehmen des Bundes. „Wir werden mit dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden künftig darauf achten, dass bei solchen Verträgen Maß und Mitte eingehalten wird“, sagte der CSU-Politiker der „Bild“-Zeitung. Scheuer weiter: „Das Vertrauensverhältnis zwischen Aufsichtsrat und Herrn Dr. Grube war zerrüttet. Daher war ein klarer Schnitt notwendig. Der Aufsichtsratsvorsitzende bekam vom Aufsichtsrat den Auftrag, Grubes Ausstieg finanziell abzuwickeln.“

Grube war seit 2009 Vorstandschef des bundeseigenen Konzerns. Er hatte die Führung nach der Affäre um massenhafte Ausspähung von Mitarbeiter-E-Mails unter seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn übernommen. Ende Januar 2017 warf er im Streit um seine Vertragsverlängerung hin. Eigentlich wäre sein Vertrag bis Ende 2017 gelaufen und sollte um drei Jahre bis Ende 2020 verlängert werden. Der Aufsichtsrat hatte Grube dann aber nur zwei Jahre angeboten. Nach seinem Abgang übernahm der bisherige Finanzchef Richard Lutz den Führungsposten. Grube ist seit Mitte vergangenen Jahres Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). Zudem kümmert sich der heute 66-Jährige in leitender Funktion um das Geschäft der US-Investmentbank Lazard in Deutschland. (dpa)

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